Das Frauenhaus des Landkreises Börde bietet Frauen und zunehmend auch Kindern Zuflucht vor häuslicher Gewalt. Beim Helfen bewegen sich die Mitarbeiterinnen in einem großen Netzwerk.

Wolmirstedt l Im vergangenen Jahr haben im Frauenhaus 64 Frauen und 57 Kinder Zuflucht gefunden. Das sind fast doppelt so viele, wie vor zehn Jahren. Von den 64 Frauen haben 29 einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus Afrika, Afghanistan, aus der Ukraine.

Über die einzelnen Schicksale schweigt Wladilena Engelbrecht, Teamleiterin des Wolmirstedter Frauenhauses. Aber sie erzählt, dass die Frauen mit großen Träumen hierhergekommen sind, dass ihre Männer bei ihnen zu Hause sehr großzügig gewesen waren und sich dann, als die Frauen ihnen nach Deutschland gefolgt waren, als Hartz IV-Empfänger entpuppten oder sich lieblos zeigten. Da prallen enttäuschte Erwartungen aufeinander, Luftblasen platzen, manchmal auch wegen der unterschiedlichen Kulturen oder der religiösen Prägung. Unterschiede, der die Liebe nicht stand hält.

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses bieten eine Zuflucht und mehr. "Wir stellen bei Bedarf den Kontakt zur Schuldner- oder Erziehungsberatung her oder wir wenden uns bei finanziellen Problemen an den Weißen Ring."

Der Weiße Ring hilft Opfern von Gewaltverbrechen. "Frauen müssen nach einer Vergewaltigung vom Amtsarzt untersucht werden, damit ihre Aussage vor Gericht Bestand hat", sagt Dieter Montag, "wir als Weißer Ring vermitteln." Der Weiße Ring übernimmt auch die Kosten, wenn eine Frau eine neue Identität annehmen und dafür mehrere Umzüge in Kauf nehmen muss oder vermittelt die Kinderpsychotherapeutin Katja Groer.

Die Frauen bleiben durchschnittlich 45 Tage im Frauenhaus. Diese Zeit wird gebraucht, um die Wohnung zu kündigen, die Formalitäten für ein neues Leben zu regeln. "Wir freuen uns sehr", so Wladilena Engelbrecht, "dass viele Frauen den Schritt in ein eigenes Leben wagen und nicht in die Gewalt-Beziehung zurückkehren."

Das Frauenhaus ist in der Trägerschaft des Vereins "Rückenwind". Das Land unterstützt mit 88000 Euro im Jahr, der Landkreis mit 45000 Euro. "Das ist eine freiwillige Aufgabe", sagt Landrat Hans Walker (CDU) bei seinem Besuch im Frauenhaus, "aber diese Summe steht überhaupt nicht zur Disposition."

"Wir bekommen auch viele Spenden", sagt Wladilena Engelbrecht. Dennoch bleiben Wünsche offen. Ein neues Ceranfeld und ein Geschirrspüler werden benötigt.

Um Geldmittel bemühen sich die Mitarbeiterinnen ebenfalls. "Für unseren Spielplatz haben wir im vergangenen Jahr 3000 Euro bekommen", so die Teamleiterin. Doch noch sind keine Spielgeräte zu sehen. Das wundert Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU). "Der war schon 2009 geplant, als ich noch Mitarbeiter der Kreisverwaltung war."