Barleben l Die Barleber Archivarin Heike Thiele war sich am Sonntag früh um zehn Uhr noch nicht sicher, ob sie zum nächsten Tag der Archive in zwei Jahren noch einmal die wertvollen Bücher auslegen wird. Doch als um zehn Uhr die Türen geöffnet wurden und der Besucherandrang spontan hereinbrach, war für Heike Thiele klar: "Ich mache wieder mit."

In der Tat interessierten sich viele Barleber für alte Katasterunterlagen zum Bau des Mittellandkanals, für Personenstandsunterlagen wie Heirats- und Geburtenregister, alte Haushaltspläne des Dorfes oder das aufwändig restaurierte Gemeinebuch aus dem Jahr 1653.

Die Schätze, die ansonsten gut gesichert in Schränken bewahrt werden, waren im Leseraum der Bibliothek ausgelegt. Damit sie auch für kommende Generationen noch gut erhalten bleiben, war den Besuchern strengstens verboten, darin zu blättern. Das durften nur die Damen des Heimatvereins, die dafür extra weiße Handschuhe übergestreift hatten. Sie waren in ihren Trachten gut zu erkennen und auf Wunsch für die Besucher zur Stelle.

Eberhard Wähling war einer der Besucher. "Ich recherchiere ohnehin gerade, wo unsere Vorfahren in Barleben gewohnt haben", sagt der 73-Jährige, "außerdem treffe ich hier auf Gleichgesinnte." Eine davon ist Ursel Fuhr. "Frau Fuhr ist selbst ein Archiv", sagt Eberhard Wähling über die 92-Jährige Barleberin. Ursel Fuhr interessiert sich in der Tat für die Geschichte und hatte in ihrer Handtasche ein paar alte Bücher zur Barleber Geschichte dabei, die sie der Archivarin vorlegte.