Vor 17 Jahren ist der Hatsuun-Jindo-Karate-Club (HKC) mit 65 Mitgliedern gegründet worden. Über 400 Mitstreiter sind im Verein aktiv - darunter 16 Taiko-Spieler, die in Barleben proben. Der HKC betreibt die erste Taiko-Gruppe in Sachsen-Anhalt.

Barleben/Magdeburg l Stille hat sich über das Dojo, die Trainingsstätte für japanische Kampfkünste, an der Johannes-Göderitz-Straße gelegt. Trainer Sven Ernst schaut noch einmal in die Runde, Kollegin Katja Läppchen zählt kurz an, ehe die Schlaghölzer auf die überdimensionalen Trommeln prasseln. Arme wirbeln nach einer Choreographie durch die Luft, die Wucht des Rhythmus durchdringt die Körper. Nach etwas mehr als zwei Minuten verhallt das Stück, die Taiko-Spieler schauen sich glücklich an. Willkommen bei der ersten Higashi-Taiko-Gruppe des Landes.

Im März 2012 haben sich im HKC Gleichgesinnte zusammengefunden, um mehr über das traditionelle japanische Trommeln zu erfahren und es selbst zu spielen. Sven Ernst ist über Gruppen aus Japan, die auf Tournee gehen, auf Taiko (japanisch: dicke Trommeln) aufmerksam geworden und ließ sich die ersten Schläge von einer Berliner Formation beibringen. Als Taiko bezeichnet man eine Gruppe von großen Röhrentrommeln sowie die Spielweise des Trommel-Ensembles. Die Spielweise wurde vor 2000 Jahren für religiöse Zwecke sowie für Kommunikation eingesetzt.

"Dahinter steckt eine Philosophie, ein Lebensweg. Jedes Stück hat eine Bedeutung, um die Klippen des Lebens zu umschiffen und das Trommeln als mentale Stütze zu nutzen", so Ernst, der auch als Schlagzeuger Erfahrungen gesammelt hat.

Neben Sven Ernst leitet Katja Läppchen die Gruppe des HKC, der sich ehrenamtlich formiert. "Der Reiz im Spielen liegt darin, den Rhythmus der Stücke mit den Bewegungen beim Schlagen zu kombinieren. Wir diskutieren oft, ob Taiko Musik oder Sport ist", sagt sie schmunzelnd. Nicht zu unterschätzen sei die körperliche Ebene - die Anstrengungen beim Schlagen der fassförmigen und zylindrischen Röhrentrommeln in kleinen und großen Bewegungen. Taiko bedeutet nicht in erster Linie Musik zu spielen, sondern den Körper zu beherrschen. "Dabei gilt es, synchrone Bewegungen innerhalb der Gruppe in die Musik einfließen zu lassen. Das erfordert Körperbeherrschung und mentale Stabilität", so Sven Ernst. Das Trommeln fördere die Koordination und Ausdauer und wirke meditativ und stressabbauend. "Wenn ich zwei Stunden beim Training trommele, denke ich nicht an die Arbeit, die Kinder und die Aufgaben, die ich im Haushalt noch erledigen muss. Durch Taiko gewinnt man Abstand und lernt, sich zu fokussieren", beschreibt Katja Läppchen.

Erstmals organisierten Katja Läppchen und Sven Ernst einen Workshop für die Trommler, die Taikoka, des HKC. Schritt für Schritt werden einzelne Teile eines neuen Stücks wie "Kagaribi", welches die Trainer in Berlin kennengelernt haben, zunächst vom Rhythmus her vermittelt, ehe die Bewegungsabläufe wie leichte Drehungen und Armbewegungen hinzukommen.

Das wöchentliche Training erfolgt dienstags und donnerstags in der Barleber Trainingsstätte des HKC im Ostfalenpark, der anders als das Olvenstedter Dojo nicht unmittelbar in einer Wohnumgebung liegt. Zu den Taiko-Spielern zählt seit dem vergangenen Jahr auch Andrea Schuppan. "Es gab keine Berührungsängste, ich wurde sehr gut aufgenommen. Das große Plus ist die tolle Gemeinschaft", sagt sie.

Dies demonstrierten die Taiko-Spieler im Herbst bei der zehnten Ausgabe des Magdeburg-Marathons. "Das war ein absoluter Höhepunkt, dass wir dort spielen konnten", so Sven Ernst. "Der Auftritt dort und der Workshop sind Etappen unseres Weges, den wir Schritt für Schritt gemeinsam gehen", sagt Sven Ernst. Weitere Wegbegleiter sind in Barleben jederzeit gern willkommen.

Die Mitglieder des HKC spielen auf sogenannten Miyataiko, tiefe Fasstrommeln, die aus einen Baumstamm gefertigt wurden, die dem Verein gehören und durch Unterstützer wie der Gemeinde Barleben finanziert wurden. Preis pro Trommel: etwa 2500 Euro.

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