Der Genuss von Schokolade ist ein regelrechtes Fest für alle Sinne. Was aber sorgt dafür, dass uns Schokolade immer wieder verführt? Eine Antwort auf diese und viele andere Fragen gab Professor Klaus Roth bei einem Vortrag im Lindhorster Bürgerhaus.

Lindhorst l Fast eine halbe Minute lang erscheinen auf der Leinwand Bilder von Schokolade in allen möglichen leckeren Variationen. "Jetzt ist es mir gelungen, Ihre Speicheldrüsen in Funktion zu bringen", begann Professor Klaus Roth seinen Vortrag über die Schokolade.

Der Wissenschaftler vom Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin ließ seinen Zuhörern im Lindhorster Bürgerhaus aber nicht nur das Wasser im Mund zusammenlaufen. Er sorgte auch für so manchen Aha-Effekt und oftmals auch für Schmunzeln, ja sogar für herzhaftes Lachen. Und das bei einem wissenschaftlichen Vortrag.

Schon vor mehr als 3000Jahren sollen Menschen in Mittelamerika Kakao konsumiert haben. Das haben Funde von Gefäßen aus dieser Zeit und daran durchgeführte wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen. Ab dem 17. Jahrhundert trat der Kakao dann seinen Siegeszug in Europa an. "Zunächst nur bei den Privilegierten, die das Modegetränk unter anderem zu sich nahmen, weil ihm eine aphrodisierende Wirkung auf beide Geschlechter nachgesagt wurde", erklärte der Referent, der Letzteres aber nicht bestätigen konnte.

Klaus Roth schilderte dann die einzelnen Verarbeitungsstufen, bis aus den ungenießbaren Kakaobohnen eine zart schmelzende Schokolade wird.

So werden die Kerne aus den fast melonengroßen Früchten herausgenommen und fermentiert. Nach dem Trocknen treten sie ihre Reise zu den Schokoladenherstellern an. Dann beginnt mit dem Rösten die zweite Verarbeitungsstufe. "Dabei spielen sich vielfältige chemische Vorgänge ab, die für die späteren Aromen zuständig sind", so der Professor.

Nach dem Mahlen und Walzen ist aus den Kakaobohnen Schokoladenrohmasse geworden. Erst dem Holländer Conrad van Houten gelang es, den relativ hohen Fettgehalt zu reduzieren. So entstanden Kakaopulver und die Kakaobutter. Damit war der Weg frei für die Schokolade, wie wir sie heute kennen. 1847 wurde in England die erste Tafelschokolade hergestellt.

"Etwa seit 1900 hat sich dann Kakao zu einem Volksgetränk entwickelt", nannte der Wissenschaftler eine weitere Jahreszahl. Den zarten Schmelz einer guten Schokolade erreicht man aber erst durch das Conchieren. "Diese Verarbeitungsstufe, bei der durch stundenlanges Walzen und Bewegen der Schokoladenmasse die Zuckerkristalle und Kakaopartikel eine glatte Oberfläche bekommen und eine innige Verbindung eingehen, hat der Schweizer Rudolf Lindt entwickelt", berichtete Klaus Roth.

"Schokolade im Mund ist der Höhepunkt des Genusses", verriet er dann seinen aufmerksamen Zuhörern, um sogleich den Beweis anzutreten. Die durften dann nämlich die am Eingang gereichten Schokoladenproben zwischen Gaumen und Zunge zergehen lassen.

"Schokolade ist das einzige Lebensmittel, das bei Raumtemperatur fest und bei Körpertemperatur flüssig ist", so der Referent, der seinen Zuhörern noch einige Tipps für den optimalen Schokoladengenuss gab.

Was wird nach Bier und Schokolade kommen?

Professor Klaus Roth war nicht das erste Mal in Lindhorst. Schon vor Jahresfrist verriet er auf amüsante Art seinen Zuhörern, welche biochemischen Vorgänge im menschlichen Körper bei übermäßigem Alkoholgenuss zu einem Kater führen.

"Wir überlegen noch, was nach Bier und Schokolade noch möglich ist", war sich Vereinsvorsitzende Antje Gellert mit ihren Vorstandsmitgliedern vom Kulturverein Lindhorst einig, den Berliner im kommenden Jahr noch einmal nach Lindhorst einzuladen.