Im Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium erfahren Schüler der neunten Klassen derzeit, wie das europäische Parlament funktioniert. Im Rahmen eines Planspiels debattierten sie über einen Gesetzesentwurf.

Wolmirstedt l Im Hinblick auf die Europawahl am 25. Mai haben sich gestern 90 Schüler aus drei neunten Klassen ganz praktisch mit dem europäischen Parlament auseinandergesetzt. Sie schlüpften in die Rollen der verschiedenen Fraktionen und debattierten über einen Gesetzesentwurf. Der sieht vor, dass im Zeitraum von 2014 bis 2035 kein weiteres Land in die europäische Union aufgenommen werde. Für das Projekt wurde die Schulaula zum Sitzungssaal des Parlaments umfunktioniert.

Das Projekt lief im Rahmen des Sozialkundeunterrichts. Dennoch hielten sich die Lehrer Christina Franke, Klaus Keller und Michael Friedriscick im Hintergrund. Stattdessen halfen bei der Vorbereitung und während der Debatte junge Erwachsene von "Go Europe", dem Europäischen Jugendkompetenzzentrum. "Wir wollen das europäische Parlament erlebbar machen", sagt Andreas Werner.

Der Student der Sozialwissenschaften engagiert sich ehrenamtlich für "Go Europe" und leitete die von den Schülern nachgestellte Parlamentsdiskussion. Darin wurden Argumente für und gegen die Aufnahme weiterer Mitgliedsstaaten in die EU ausgetauscht. Die Schüler hatten dabei die unterschiedliche Finanzkraft im Blick, warfen länderübergreifende ökologische Probleme in die Waagschale, pochten auf die Durchsetzung von Menschenrechten oder gaben wirtschaftlich schwachen Ländern eine Chance durch Tourismus.

Die Schüler waren in einzelne Fraktionen eingeteilt worden und bereiteten in "Fraktionssitzungen" Argumente für die Debatte vor. Sie spielten Rollen und vertraten im "Europa-Parlament" somit Meinungen, die nicht zwingend ihren eigenen sind.

Isolde Siebert brauchte sich für ihre Argumentation jedoch nicht zu verstellen. "Ich gehöre hier im Spiel zur Europäischen Volkspartei", erzählt die 15-Jährige, "wir haben uns überlegt, dass Frieden sehr wichtig ist und wir deshalb dafür sind, dass weiterhin Mitgliedsstaaten aufgenommen werden." Diese Position vertrat sie später auch in der Debatte. Am Ende der Diskussion bat Andreas Werner die Schüler, wieder aus den Rollen herauszutreten und die Hand für ihre eigene Meinung zu heben. Die meisten stimmten gegen den Gesetzentwurf und somit für die Aufnahme weiterer Länder in die EU.

"Durch dieses Planspiel kann ich die Meinungen von Parteien besser nachvollziehen", fasste der diskutierfreudige Fabian Osinsky (15) am Ende zusammen. Pascal Zimpel (15) sagte: "Wir haben innerhalb des Planspiels erlebt, wie das Prinzip des europäischen Parlaments funktioniert." Antonia Kögler hatte festgestellt: "Es hat mir gezeigt, wie man argumentieren und Meinungen einbringen muss."

Heute werden die anderen beiden neunten Klassen das Planspiel mit dem Team des Europäischen Jugendkompetenzzentrum spielen. Unterstützt wird das Projekt von der Landesvereinigung kultureller Kinder- und Jugendbildung, der europäischen Kommission sowie der Landeszentrale für politische Bildung.

 

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