Der Startschuss für das Qualitätsmanagement an den kommunalen Kitas und Horten der Hohen Börde ist gefallen. Vier Jahre lang will der federführende Qualitätszirkel mit den Erziehern die Standards der Kinderbetreuung vor Ort heben.

Hermsdorf/HoheBörde l Nicht viele Kommunen stehen der Einführung des Qualitätsmanagements so aufgeschlossen gegenüber stehen wie die Hohe Börde. Das erklärte Bildungscoach Andreas Giersch während der offiziellen Auftaktveranstaltung für die Einführung des Qualitätsmanagements im Hermsdorfer Mehr-Generationen-Haus. Die Gemeinde gehöre zu den Vorreitern in Sachen Qualitätsmanagement und betreut derzeit 1600 Kinder von eins bis 14 Jahren.

Ziel des Qualitätsmanagements sind hohe einheitliche Betreuungsstandards an allen Kitas und Horten. Die individuellen Besonderheiten und pädagogischen Konzepte in jeder einzelnen Kita sollen darunter nicht leiden. "Es geht nicht um Einheitskitas und Einheitskonzepte, sondern um eine einheitliche Qualität in Vielfalt, zu der die Erzieherinnen beitragen", erklärte Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel.

Von einer "Chance, gewisse Standards bei Beibebehaltung der individuellen Note jeder Einrichtung zu verbessern", sprach Jens Rak, der Vorsitzende des Gemeindeelternbeirats.

In der ersten Phase werden die Mitglieder des in Hermsdorf feierlich berufenen Qualitätszirkels die derzeitige Praxis in allen Kitas der Hohen Börde untersuchen - unter verschiedenen Blickwinkeln. Dazu gehören die räumlichen Bedingungen und die Ausstattung in den Kitas und Horten, die Erzieher-Kind-Interaktionen, die Besonderheiten der Kitas, die Teilhabemöglichkeiten der Kinder und der Eltern, Ansätze der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder und Planungsmechanismen.

Grundlage der Bewertung während des gesamten Prozesses sind die Maßgaben des "Nationalen Kriterienkatalogs". Dieses vom Bundesfamilienministerium entwickelte Grundlagenwerk enthält 21Qualitätsbereiche, die schrittweise unter den genannten Blickwinkeln analysiert und vor Ort verbessert werden.

In den ersten Monaten stehen Giersch zufolge folgende Kriterien im Fokus: "Raum für Kinder", die Eingewöhnungsphase, Sprache und Kommunikation, die Fähigkeitsentwicklung der Kinder, die soziale und emotionale Entwicklung und die Kita-Leitung.

Auch die Vereinheitlichung des Beschwerdemanagements, der Vertretungsregeln, Grundzüge des Übergangs von der Kita in die Schule oder die Einbeziehung behinderter Kinder (Inklusion) sind Ziel des Qualitätsmanagements in den kommenden Wochen und Monaten.

Giersch appellierte an die 111 Erzieherinnen und Erzieher der Gemeinde: "Lassen Sie uns gemeinsam auf Ihre Arbeit schauen, gemeinsam darüber beraten, wo Potenziale zur Verbesserung liegen und was wir eigentlich unter Qualität verstehen. Dies ist ein Prozess, der fortwährend ist und immer wieder neu hinterfragt und geprüft werden sollte."

Das große Ziel ist die Erarbeitung eines Handbuches, eines Leitfadens, der die Grundlagen und Qualitätsstandards der Kinderbetreuung für alle Kitas und Horte der Hohen Börde festschreibt und gleichzeitig genügend Spielraum für eine spezifische Ausrichtung des pädagogischen Kita-Konzeptes lässt.