Für Wolmirstedts Entwicklung soll ein Handlungsfaden gedreht werden. Ein Stadtplanungsbüro analysiert jede Ecke und will demnächst Vorschläge entwickeln. Am 12. Juli sollen Bürger im Rahmen einer Leitbildwerkstatt mit einbezogen werden.

Wolmirstedt l Das große Ziel heißt, Wolmirstedt soll sich als Kleinstadt profilieren. Das ist eine besondere Herausforderung, zumal der Schatten von Magdeburg weit über Wolmirstedt reicht. Gerade deshalb muss sich Wolmirstedt auf seine Stärken besinnen. "Wirtschaftsförderung ist der Schwerpunkt", sagt Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) und sieht die Vorraussetzungen dafür als gar nicht so schlecht an, auch wenn Wolmirstedt nicht den Logenplatz wie Magdeburg inne habe. "Aber die Verkehrsanbindung ist das A und O", sagt er, "und wir liegen nah an der A 2 und bald noch näher an der A 14."

Gerade hinsichtlich der Gewerbeansiedlung ist bisher im Stadtentwicklungskonzept schon eines deutlich geworden: "Wer sich ansiedeln will, für den zählen Lage, Lage, Lage", sagt Doris Bunk vom Fachdienst Immobilienwirtschaft und Planung. Darum wolle die Stadt unbedingt das Gewerbegebiet Nord etablieren, das nördlich von Mose zwischen der B 189 und der künftigen A 14 liegen soll. Noch gibt es hier naturschutzrechtliche Bedenken.

Andere Gewerbeflächen sollen in ihrer Bedeutung schrumpfen. Dazu gehört beispielsweise die Fläche Richtung Schiffshebewerk. "Bisher hat es für diese Fläche keinen Bedarf gegeben und außerdem ist dort mit ständiger Vernässung zu rechnen", so Doris Bunk. Auch die Fläche hinterm Mittellandkanal in Elbeu soll nicht weiter vermarktet werden.

Für die Wirtschaftsförderung hat sich in den vergangenen Monaten laut Stichnoth unglaublich gut bewährt, dass es im Rathaus mit Astrid Eichel eine Ansprechpartnerin gibt. "Es wäre gut, wenn dafür statt der Drittel- eine Vollzeitstelle zur Verfügung stünde", so der Bürgermeister. Dann könnten alle Belange von einer Hand aus gesteuert werden. "Ich möchte jemandem, der sich hier ansiedeln will, die Tippel-Tappel-Wege abnehmen", so Stichnoth. Dazu zählt, dass die Stadt alle Belange mit beispielsweise dem Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband oder den Stadtwerken regelt. Dieser Service braucht Personal.

Das Stadtplanungsbüro Stephan Westermann kümmert sich um den roten Faden, an dem sich Wolmirstedts Entwicklung bis 2030 orientieren soll. Die Experten haben sich eine Lenkungsgruppe an die Seite geholt, eine Art Kompetenzteam. Darin sitzen Vertreter der großen Vermieter, Selbstständige, Verwaltungsmitarbeiter, Kirchenvertreter, Jugendvertreter. Ihre Ideen standen bei den bisherigen vier Sitzungen noch nicht maßgeblich im Vordergrund, derzeit wird vom Planungsbüro erst einmal eine Bestandsaufnahme erarbeitet. Auch Handlungsempfehlungen sind bisher kaum ausgesprochen worden. Das soll erst im zweiten Halbjahr geschehen, auf der Basis der Daten der Bestandsaufnahme. Wendepunkt zwischen der Benennung des Ist-Zustandes und der Erarbeitung von Visionen soll eine offene Leitbildwerkstatt am 12. Juli sein. Dazu sind neben den Mitgliedern der Lenkungsgruppe viele Bürger gerne gesehen. Die genauen Modalitäten werden noch bekannt gegeben.

Über die Wirtschaftsförderung hinaus legt die Lenkungsgruppe den Fokus auch auf die Entwicklung des Tourismus. "Wir müssen uns in den Verbund der umliegenden Gemeinden wie Barleben und Elbe-Heide einbringen", sagt Bürgermeister Stichnoth. Denen gegenüber ist Wolmirstedt in den vergangenen Jahren ein wenig ins Hintertreffen geraten, da es für die Stadt kaum Fördermittel gegeben habe. "Bei Tourismusförderung fällt mir die Befahrbarkeit der Ohre sein", so Stichnoth.

Er sieht für Wolmirstedts Zukunft gute Vorraussetzungen. Es wurde zwar vom Mittelzentrum zum Grundzentrum heruntergestuft, aber die Schullandschaft und die Verkehrsanbindung beispielsweise sind immer noch die eines Mittelzentrums. "Wir haben ganz viel Potenzial und Ideen", so Stichnoth, "aber manchmal fehlt die Manpower."