Anfang 2008 wurde das Wolmirstedter Krankenhaus geschlossen, wenige Jahre später begann der Abriss der Altbauten. Jetzt verschwindet auch das Bettenhaus, für das eine Nachnutzung scheiterte.

Wolmirstedt l "Ich kann gar nicht hingucken. Es ist so traurig, dass nun auch noch das Bettenhaus abgerissen wird", sagt Gerlinde Giersch. Trotzdem ist sie in den letzten Tagen mehrmals in die Heinrich-Heine-Straße gepilgert, um das Ende der 120-jährigen Geschichte des Wolmirstedter Krankenhauses mit eigenen Augen zu erleben. "Ich fühle Wut, Enttäuschung und Ohnmacht in mir, auch weil nach der Wende viel Geld investiert wurde, beispielsweise für die 1993 eröffnete HNO-Klinik mit 20 Betten." So wie die Wolmirstedterin denken viele Ohrestädter. Bis die Abrissfirma das Gelände beräumt hat, wird noch einige Zeit vergehen. Das fünfstöckige Bettenhaus mit 220 Betten war 1973 mit Hilfe des Kaliwerkes Zielitz gebaut worden. Auch der Bau der neuen Physiotherapie wurde von dem größten Betrieb der Region unterstützt. Diese beiden jüngsten Gebäude sind nun die letzten, die verschwinden. Damit wird der Schlusspunkt hinter die wechselvolle Geschichte des Krankenhauses in der Ohrestadt gesetzt. 1894, also vor genau 120 Jahren wurde im damaligen Armenhaus ein Krankenhaus mit 20 Betten eröffnet, 1927 durch einen Anbau die Bettenzahl auf 180 erhöht, 1959 verfügte das Haus bereits über 319 Betten. Trotz der Entwicklung zu einem modernen Klinikum nach der Wende war die Schließung des Wolmirstedter Krankenhauses in der Landeskrankenhausplanung zugunsten des Haldensleber Krankenhauses gefordert worden. Als im Vorjahr das Sana-Ohre-Klinikum in Haldensleben an Ameos verkauft wurde, blieb aus Vertragsgründen das ehemalige Wolmirstedter Krankenhaus im Besitz von Sana. Das betrifft aber nur die Immobilien und das Gelände. Die Herzschrittmachersprechstunde, die einmal in der Woche im ehemaligen Bettenhaus angeboten wurde, ist an Ameos übergegangen. Sie wird jetzt im Ärztehaus in der Burgstraße 18 angeboten. Fest steht jedoch, dass das 33000 Quadratmeter große Gelände an die Stadt übergeht, sobald es beräumt ist. Ursprünglich hatte sich Sana verpflichtet, mit der Schließung des Wolmirstedter Krankenhauses ein Ärztehaus in Wolmirstedt einzurichten. Das war jedoch gescheitert. Als Entschädigung wurden der Stadt 40000 Euro gezahlt. Dieses Geld soll in das Stadtentwicklungskonzept fließen, in dem auch über die künftige Nutzung der anderen Leerflächen innerhalb der Stadt beraten wird.

Für das Krankenhaus-Gelände gab bereits viele Ideen. Die Verlegung des Küchenhorn-Stadions ist aus verschiedenen Gründen vom Tisch. Eigenheimbau erscheint den Verantwortlichen mit Blick auf die Kapazitäten in den Wohngebieten am Lindhorster Weg und in Elbeu problematisch. "Die Nachnutzung wurde in dieser Woche in einer Beratung des Bürgermeisters Martin Stichnoth mit den Innenstadthändlern diskutiert", weiß Marlies Cassuhn, stellvertretende Bürgermeisterin. Das Stadtoberhaupt könne sich wie in Barleben ein Mehrgenerationenzentrum vorstellen. "Entschieden ist noch nichts. Wir wollen auch die Wolmirstedter dazu selbst zu Wort kommen lassen", betont Marlies Cassuhn. Im Juli soll zu einer bürgeröffentlichen Leitbildwerkstatt geladen werden.