Ob persönliche Probleme, Versagensängste oder schlichtes Desinteresse: Es gibt viele Gründe, warum Schüler den Unterricht schwänzen. Die Zahl möglicher Auswege ist genauso groß.

Von André Ziegenmeyer

Landkreis Börde l Um Zusammenhänge und Lösungen zu untersuchen, hat sich der "Qualitätszirkel Schulverweigerung" des Landkreises Börde gegründet. Die ersten Ergebnisse haben die Mitglieder jetzt auf einem Plakat zusammengefasst. Eine Broschüre mit detaillierten Tipps soll folgen. Außerdem bietet der Qualitätszirkel die Möglichkeit zur persönlichen Beratung.

"Zunächst haben wir alles gesammelt, was mit dem Thema Schulverweigerung zusammenhängt", erklärt Enrico Viohl von der Regionalen Netzwerkstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Dabei ging es darum, die Blickwinkel aller Betroffenen zu vereinen. "Denn viele Akteure beschäftigen sich vor allem mit einem bestimmten Aspekt dieses Themas", so Enrico Viohl. Wie Mosaik-Steine sollten die Perspektiven dann zu einem möglichst umfassenden Bild zusammengesetzt werden.

Entsprechend bunt ist die Liste derer, die beim "Qualitätszirkel Schulverweigerung" mitmachen: Neben der AWO-Netzwerkstelle gehören auch Schulsozialarbeiter, Lehrer, Schulleiter, Elternvertreter und Beratungslehrkräfte dazu - ebenso wie die Jugendhilfe, die Familien- und Erziehungsberatung des Landkreises sowie das Jugend- und das Ordnungsamt.

Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt, der Europäische Sozialfonds sowie die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützen die Arbeit des Netzwerks. Pro Jahr gibt es etwa acht bis zehn Treffen. Bei der letzten Sitzung war auch Jürgen Kebernik vom Landesschulamt mit dabei.

"Man muss nicht immer gleich mit der großen Keule kommen und Schulverweigerer anzeigen", betonte Kebernik. Oft sei es sinnvoll, zunächst andere Spielräume auszuloten.

Vom Schwänzen über die Unterrichtsverweigerung bis zur Schulphobie haben die Mitglieder des Qualitätszirkels deshalb unterschiedliche Formen der Schulverweigerung herausgearbeitet. In einigen Fällen gibt es anfangs klare Ursachen: mangelndes Selbstvertrauen zum Beispiel, eine Trennung der Eltern oder Mobbing durch Mitschüler. "Aber zu einem Punkt können später viele andere hinzukommen, die sich dann gegenseitig verstärken. Ein solcher Prozess entwickelt sich manchmal über Jahre hinweg", sagt Enrico Viohl. Deshalb sei es so wichtig, für das Thema Schulverweigerung zu sensibilisieren. "Denn wer sensibilisiert ist, kann auch präventiv arbeiten."

Das Plakat will der Qualitätszirkel allen Schulen kostenlos zur Verfügung stellen. Gleiches gilt für die Broschüre, für die es jedoch noch keinen festen Veröffentlichungstermin gibt.

@066n TwitterCo.:Weitere Informationen für Schulvertreter, Eltern und andere Interessierte gibt es vorerst bei der AWO-Netzwerkstelle unter 03949/50 21 61.