Der Weiße Ring unterstützt Opfer von Kriminalität und Gewalt - psychologisch sowie finanziell - und leistet Präventionsarbeit. Bei seiner Arbeit ist der Verein auf Spenden angewiesen. Die 1000-Euro-Gabe des Lionsclubs kam daher sehr gut an.

Barleben l Der Weiße Ring, Außenstelle Börde, hat vom Lions Club Ohrekreis 1000 Euro bekommen. "Es ist der zweithöchste Betrag, den wir in diesem Jahr spenden. Damit wollen wir zeigen, wie hoch wir ihre ehrenamtliche Arbeit schätzen. Wir halten es nämlich für außerordentlich wichtig und richtig, Kriminalitätsopfern beizustehen", sagte Lions-Präsident Wolfram Brinck bei der Übergabe der Spende an Dieter Montag, Leiter der Außenstelle mit Sitz in Barleben.

Montag bedankte sich nicht nur bei den Lions, er bot auch an, dass Mitglieder des Weißen Rings bei der nächsten Baumpflanzaktion die "Löwen" unterstützen. Die Erlöse dieser Arbeitseinsätze und anderer Benefizveranstaltungen werden bis auf den letzten Cent gespendet. Weil der Weiße Ring auf Spenden angewiesen und dafür sehr dankbar ist, war zu dem Treffen in der Mittellandhalle auch Landesvorsitzender Wolfgang Kummerländer gekommen. Außerdem nahmen an der Gesprächsrunde Manfred Knechtel, stellvertretender Außenstellenleiter sowie Opferbetreuerin Katja Groer teil. Vom Lions Club war neben dem Präsidenten noch Vorstandsmitglied Frank Meyer anwesend.

Opferschutzorganisation existiert seit 1976

Kummerländer informierte über die Arbeit der Opferschutzorganisation, die 1976 gegründet wurde, bundesweit 420 Außenstellen betreibt und über 3000 Mitglieder zählt. Der Weiße Ring hat im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt mehr Opfer von Kriminalität unterstützt als 2012. Insgesamt habe die Organisation 289 Opferfälle bearbeitet, teilte der Landesvorsitzende mit. 2012 waren 235 Menschen enger begleitet worden. Die Gesamtsumme, mit der die Opfer unterstützt wurden, ging allerdings von knapp 108000 Euro auf rund 103850 Euro zurück. Hinzu kamen laut Kummerländer tausende telefonische und persönliche Beratungen für Opfer und deren Angehörige sowie Vorbeugungsprojekte.

Leider, sagte der Landesvorsitzende, würde zumeist der Täter im Licht der Öffentlichkeit stehen. "Die Opfer haben keine Lobby und manche verlieren in ihrer Not das Vertrauen in die Gesellschaft." Gegen dieses Defizit kämpft der Weiße Ring seit vielen Jahren an.

Im Landkreis Börde sind laut Dieter Montag 42 Frauen und Männer Mitglied im Weißen Ring. Neun ausgebildete, ehrenamtliche Mitarbeiter sind wie Katja Groer aus Barleben für die Opferbetreuung zuständig. Unentgeltlich geholfen wird Menschen, die Gewalttaten oder sexuellen Missbrauch, Stalking oder Gewalt in der Familie erfahren mussten. Es geht um Beistand, psychotraumatische Erstberatung, Hilfe beim Umgang mit Behörden, Begleitung zu Gerichtsterminen oder Rechtsschutz im Strafverfahren.

In bestimmten Fällen bekommen die Opfer auch sofort finanzielle Zuwendungen. Außerdem können in Ausnahmefällen Opfern und deren Familien Erholungsmaßnahmen angeboten werden. Wie schnell und unbürokratisch die Hilfsorganisation auch im Bördekreis tätig wird, zeigen zwei Fälle. Eine junge Frau wurde nach der Trennung von ihrem Freund attackiert. Der fuhr mit vollgetanktem Auto in ihr Haus, zuvor hatte er sich mit Benzin übergossen und angesteckt. Es entstand ein Sachschaden von über 20000 Euro. Die Versicherung zahlt nicht, weil der Täter unter Vorsatz gehandelt hat. Die junge Frau wurde vom Weißen Ring mit Bargeld und rechtlichem Beistand unterstützt.

In Haldensleben wurde eine Frau, die Zivilcourage zeigte und einen Ladendiebstahl verhindert hat, durch Messerstiche verletzt. Die Krankenkasse zahlte der Mutter von drei Kindern ihre schmerzstillenden Mittel nicht.

Seit 1993 ist 235 Opfern geholfen worden

Die Börde-Außenstelle übernahm die Kosten für die Medikamente und ermöglichte auch eine psychologische Behandlung für das Gewaltopfer. Insgesamt wurde seit 1993 in der Region in 235 Fällen Hilfe geleistet und dafür rund 104000 Euro ausgegeben. Allein im Vorjahr waren es rund 11000 Euro für 39 Opfer.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit des Weißen Ringes sei die Verhütung von Straftaten. Dazu informierte Manfred Knechtel, Verantwortlich für Prävention, dass in Schulen in Haldensleben, Wolmirstedt, Barleben, Calvörde und anderen Orten Präventionsveranstaltungen stattgefunden haben. Mit dem "Tatort Märchenwald" werde Kindern deutlich gemacht, wie sie Märchen heute deuten müssen. Bei Vorträgen vor Senioren gehe es darum, wie sie sich beispielsweise auf Märkten vor Diebstahl oder Trickbetrug schützen können.

Das Geld der Lions soll in erster Linie für die Aufklärung eingesetzt werden. "Das ist gut so. Wenn wir helfen können, dass weniger Menschen Opfer von Straftaten werden, ist jeder gespendete Cent Gold wert", sagte Frank Meyer. Auch Holger Stahlknecht, Innenminister und Lionsmitglied, schätzt die Arbeit des Weissen Rings, "weil staatliche Institutionen allein nicht immer in der Lage sind, den für Verbrechens- opfern notwendigen Beistand zu erbringen", hieß es in seinem Grußwort.