Wolmirstedt l Klaus Krüger ist seit einer Woche zu Hause. "Endlich kann ich den Rasen bei passendem Wetter mähen und nicht dann, wenn es der Terminkalender erlaubt", sagt er und wirkt sichtlich entspannt. Dennoch, auch in den vergangenen 16 Jahren hat er sich als Betriebsratschef pudelwohl gefühlt. Es gibt vieles, auf das er gerne zurückblickt, zum Beispiel auf das Jahr 1998, als die Löhne der Zielitzer Belegschaft an das Westniveau angeglichen wurden. Außerdem hat er mit durchgesetzt, dass die Mitarbeiter finanziell am Unternehmenserfolg beteiligt werden, ein Modell, dem andere Dax-Unternehmen folgten.

Der Weg dahin war nicht immer bequem und natur- gemäß stehen Arbeitgeber und Gewerkschaften nicht immer auf derselben Seite. "In Zielitz war es jedoch immer wichtig, dass Werkleitung und Betriebsrat trotzdem gemeinsam auftreten", sagt Klaus Krüger.

So waren es zum Abschied gerade Menschen wie Werskleiter Martin Westphal, Vorstandsmitglied Thomas Nöcker und K+S-Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Bethke, die zur Abschiedsfeier die Geradlinigkeit Klaus Krügers betonten sowie "die Fähigkeit, das offene Wort zu pflegen." Vorstand Thomas Nöcker formulierte: "Klaus Krüger hat an entscheidender Stelle an den wesentlichen Weichenstellungen unserer K+S mitgewirkt und sie nicht nur mitgestaltet, sondern auch mitverantwortet."

Die vielzitierte Geradlinigkeit hat Klaus Krüger zu DDR-Zeiten allerdings in arge Bedrängnis gebracht. "Das rege Bemühen um ein Studium oder die Meisterqualifikation wurde wegen fehlender positiver Einstellung zu Partei und Regierung immer abgelehnt", sagt er. Diese Zurückweisung nagt bis heute an ihm, hat ihn aber im Rückblick gesehen wohl in seinem Wesen bestärkt. Nicht umsonst hatten ihn die Kollegen 1990 überredet, für den Betriebsrat zu kandidieren. "Sie sagten, jetzt kannste deinen Mund aufmachen, ohne dass du ins Gefängnis kommst", erinnert er sich.

Dabei hatte der gelernte EDV-Fachmann zur Wendezeit beinahe seinen Frieden gemacht. Er war inzwischen Mitarbeiter der Materialwirtschaft, nachdem er 1974 unter Tage als Bandwart begonnen hatte. Die kritische Ader lebte er längst auf der Plattform der Kirche aus. Doch dann hatten sich die Ereignisse überschlagen. Die Mauer zwischen den deutschen Staaten wankte. Klaus Krüger wurde Mitbegründer des Neuen Forums und Mitorganisator der ersten Fürbittgottesdienste. Als die Mauer fiel, liebäugelte er mit der Kommunalpolitik, entschied sich letztlich doch für die Kandidatur zum Betriebsrat. Auf Anhieb wurde er Stellvertreter des Vorsitzenden Albrecht Greiser, übernahm dessen Amt 1998 nach Greisers Ausscheiden. Ein Jahr später wurde Krüger zum Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der K+SGruppe gewählt. Das bedeutete Verantwortung für zwölf Standorte in Deutschland und damit für 10000 Mitarbeiter.

Nicht alle sind gewerkschaftlich organisiert, aber die Quote von 90 Prozent der 1800 Beschäftigten im Zielitzer Werk macht Klaus Krüger immer noch stolz. Den Staffelstab für seinen "Heimatbetrieb" hat er an Michael Knackmuß weitergereicht.

Dennoch, Klaus Krüger ist noch nicht weg vom Fenster. Er gehört zum Landesbezirksvorstand der IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE) und zum Vorstand der Berufsgenossenschaft. Es gibt Angebote für Vortragstätigkeiten und er wurde gefragt, ob er für den Stadtrat kandidieren will. Noch hat er abgelehnt.

"Ich möchte erst einmal runter kommen und erleben, wie es ist, wenn ich meinen Tag selbst einteilen kann", sagt Krüger, der immer noch gern und viel redet, vor allem über die Zukunft des Zielitzer Kali- werkes, dass er noch nicht ganz loslassen mag. "Ich hoffe sehr, dass das Kanada-Projekt umgesetzt wird", sagt er und schwärmt von dem neuen Standort in Übersee, der annährend die gleichen Kapazitäten wie in Zielitz verspricht und Ende 2016 in Produktion gehen soll. Desweiteren hofft er, dass die Zielitzer Produktpalette mit einer Spezialdüngemittelproduktion erweitert wird. Doch das werden andere regeln. Klaus Krüger hat gerade das Radfahren als neue Leidenschaft entdeckt und wird sicher einmal öfter als bisher beim Handballspiel zuschauen.