Das Projekt einer Kreativscheune kann das Niederndodeleber Mauritiushaus dank der Unterstützung durch die Landeskirche und durch die EU-Förderstrategie "Leader" verwirklichen. Damit erweitern sich die Möglichkeiten der ökumenischen Bildungs- und Begegnungsstätte erheblich.

Niederndodeleben (tj) l Ökumenisches Lernen, interkulturelle Begegnungen, globales Denken - diese Bildungsinhalte verfolgt das Niederndodeleber Mauritiushaus seit seiner Eröffnung 1989. Noch vor der Wende konnte die erste Umbauetappe des mehrere Jahrhunderte alten Pfarrhaus-Ensembles zur ökumenischen Bildungs- und Begegnungsstätte abgeschlossen werden. Der erste Leiter des Mauritiushauses war Markus Meckel, einer der Mitbegründer der Ost-SPD und erster Außenminister der DDR nach der friedlichen Revolution.

Bis 2001 führte die Landeskirche das Mauritiushaus, seit 2001 schwingt ein Trägerverein das Zepter im Mauritiushaus. Peter Herrfurth, Pfarrer des Dorfes und Vorsitzender des Vereinskuratoriums: "Zu uns kommen Gäste aus ganz Deutschland, alle Altersgruppen, kirchliche Gruppen, Chöre, Wohlfahrtsverbände, Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres. Wir sind zuallererst eine eigene Bildungsstätte und dann ein Tagungshaus, meist ist beides miteinander verwoben."

Das Mauritiushaus hat sich überregional einen Namen als Bildungsstätte des "Eine-Welt-Gedankens" erworben und ist auch in der unmittelbaren Umgebung eine feste Größe.

Das Hofensemble mit seinen drei Gebäuden und einem großen Pfarrgarten bietet bisher Unterkunft, Verpflegung und Tagungsmöglichkeiten für Gruppen bis zu 28 Personen. Die Gäste genießen die länd- liche Ruhe zum Arbeiten und Erholen, in Gruppen mit eigenen Themen oder mit Bildungsangeboten der Referentin des Mauritiushauses. Seminare, Projekte oder einzelne Arbeitseinheiten zu entwicklungs- oder umweltpolitischen Themen können mit der Bildungsreferentin geplant und organisiert werden. Doch für Workshops mit 30 Personen waren die vorhandenen Raumgrößen bisher zu klein. Auch die Übernachtungsmöglichkeiten sind an Grenzen gestoßen.

Mit dem Ausbauprojekt der "Kreativscheune", nur wenige Metern vom Mauritiushaus entfernt, sollen sich die Angebotspalette und die Übernachtungskapazitäten vergrößern. Die vom Verfall bedrohte Scheune am früheren Wohnhaus des Kantors, auf dem Kirchhof neben der ehrwürdigen Peter-und-Paul-Kirche, kann nun für 303000 Euro umgebaut werden. Die Landeskirche bestreitet davon 190000 Euro, Leader fördert den Umbau mit gut 102000 Euro. "Den Rest bestreiten wir mit Eigenmitteln", erklärte Peter Herrfurth und ergänzte: "Wir wollen den Charakter des Scheunengebäudes erhalten. Das Dach wird etwas angehoben, darunter wird ein Lichtschacht für mehr Helligkeit in der oberen Etage sorgen. Hier werden drei Doppelzimmer mit Dusche und WC entstehen. In die alten Speicheröffnungen werden Fenster eingebaut." In der unteren Etage soll mit einem großen Multifunktionsraum der kreative Mittelpunkt der Scheune und des Mauritiushauses entstehen - dazu eine Teeküche, ein Technikraum und ein behindertengerechtes WC. Der Torbogen wird wieder hergestellt. Glas wird die Frontfassade prägen. "Mit dem Vorhaben können wir weit mehr Kreativangebote leisten, haben alternativen Platz auch für Vorträge und andere Veranstaltungen. Die Kreativscheune mit ihren vielfältigen Angeboten steht neben den Gästen des Mauritiushauses auch für Veranstaltungen der evangelischen Kirchengemeinde und für die Bewohner aus der ganzen Region zur Verfügung", erläuterte Herrfurth.

"Das Konzept des Mauritiushauses stärkt mit seinem Bildungsangeboten die Lebensqualität im ländlichen Raum beispielhaft. Leader fördert dieses Ziel seit Jahren - ebenso wie den Erhalt historischer Bausubstanz in den Dörfern. Moderne Bildungsangebote in historischen Mauern - das ist eine hervorragende Verbindung und dient auch der Wiederbelebung gewachsener Strukturen in den alten Dorfkernen", betonte Wolfram Westhus, der Manager der Lokalen Leader-Aktionsgruppe "Flechtinger Höhenzug", deren Mitglied auch die Kirchengemeinde Niederndodeleben-Schnarsleben ist.