Zwölf Mädchen und Jungen der Schülerfirma "Gutbikes" der Gutenberg-Schule sind von der französischen Grenzstadt Forbach nach Paris mit dem Fahrrad gefahren, über 400 Kilometer. Eine abenteuerliche Tour, die die Gruppe fest zusammengeschweißt hat.

Wolmirstedt l Voll tiefer Eindrücke sind die Schüler der Schülerfirma "Gutbikes" von ihrer Fahrradtour nach Paris zurückgekehrt. Zu einer Art Familie sind sie zusammengewachsen - eine Lehrerin, ein Vater und zwölf Schüler - auf dieser Fahrt mit vielen Höhen und Tiefen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sechs Tage lang sind sie Rad gefahren, davon viele Kilometer bergauf. "Wir haben gut geplant", sagt Lehrerin Ute Moritz (53), "aber mit diesen Steigungen haben wir nicht gerechnet. Aber klar, es sind ja die Ardennen."

Irgendwann flossen die Tränen. "Es war die Anstrengung, aber auch die glückliche Gewissheit darüber, dass wir nach siebenmonatiger Vorbereitung wirklich unterwegs waren", sagt Ute Moritz, "mit dieser Emotionalität habe ich nicht gerechnet."

Gutbikes waren in Verdun Friedensbotschafter

Die Anstrengungen sind noch nah, aber andere Eindrücke wiegen schwerer. "Am meisten hat mich der Besuch beim Bürgermeister von Verdun beeindruckt", erzählt Benjamin Lingner (14). "Wir wurden als Botschafter der Jugend für den Frieden bezeichnet", ergänzt Laura Fleischer (14). Die Jugendlichen wurden in dem Saal empfangen, in dem sich 30Jahre zuvor die beiden Staatschefs Helmut Kohl und Francois Mitterand die Hand zur Versöhnung gereicht haben, 70Jahre nach Beginn des ersten Weltkriegs. "Wir durften die heilige Kammer besichtigen, in der unter anderem die Totenbücher des ersten Weltkriegs aufbewahrt sind", sagt Sarah Görg (14). "Wir haben dort Sachen erfahren, die wir sonst nur aus Geschichtsbüchern kennen", sagt Benjamin, "durch den Besuch haben wir eine emotionale Beziehung gewonnen."

Die Wegstrecke war teilweise dünn besiedelt. "Es war sehr beeindruckend, durch diese Einöde zu fahren", sagt Benjamin. Dennoch, die "Gutbikes" haben erlebt, dass man sich auch im Niemandsland verfahren kann. "Wir standen an einer Kreuzung und zwölf Schilder zeigten uns Richtungen an", sagt Frau Moritz, "wir wussten trotzdem nicht, wohin."

Clemens stürzte vor der Arztpraxis

In Paris sind sie trotzdem angekommen. "Wir hatten unendlich viele Schutzengel", sagt Ute Moritz. Meistens sind die schnell genug geflogen, nur Clemens ist ihnen entwischt. "Wir wollten Pause machen, Clemens hat das zu spät erkannt und ist gestürzt", erzählt Laura. Doch der junge Mann hatte Glück im Unglück, denn er stürzte direkt vor dem Haus eines Arztes. Der kümmerte sich prompt. Ebenso die Feuerwehr und die Polizei, die die Straße weiträumig absperrten. "Zuerst musste Clemens aber pusten", erzählt Ute Moritz, "das ist in Frankreich so üblich. Natürlich hatte er null Promille." Inzwischen können alle über den Unfall schmunzeln, denn nach kurzem Krankenhausaufenthalt ging es dem Schüler wieder gut. Die Gruppe nahm trotz des Schrecks nicht den Bus. Alle beendeten die Etappe per Rad. Die "Gutbikes" blicken noch auf zwei weitere Pannen zurück, einen platten Reifen und einen verzogenen Lenker. Beides konnte schnell behoben werden.

Und dann Paris. "Wir sind total glücklich, dass wir es geschafft haben", schrieben die Mädchen und Jungen auf der Internetseite der Schule. Mit dem Einzug in Paris stiegen sie allerdings von den Fahrrädern ab. "Viel zu gefährlich", sagt Laura. Die Hauptstadt erkundeten sie in dem Bus, der die Gruppe schon bis Forbach gebracht und die ganze Zeit begleitet hatte. Im Bus wurde nicht nur das Gepäck bis Paris und zurück transportiert, sondern auch 40 Kuscheltiere. "Mit dieser Aktion haben wir ein wenig unsere Unkosten gedeckt", erklärt Ute Moritz den Hintergrund. Jeder, der wollte, konnte sein Kuscheltier mit auf die Reise geben und fünf Euro dafür bezahlen, dass es einmal Paris sehen darf. Als Dank gab es Fotos für die Kuscheltierbesitzer, Teddy und Co. posierten vorm Eiffelturm.

Mit dem Teddy auf den Eiffelturm

Die meisten Kuscheltiere waren handlich, nur ein Teddy, groß wie ein Grundschulkind, hatte sich unter das Sammelsurium gemischt. "Am Eiffelturm wurden wir vom Sicherheitspersonal angehalten", erzählt Laura, "sie sagten, no animals." Also, keine Tiere. Doch der Aufpasser hatte sich nur einen Scherz erlaubt.

Ute Moritz schätzt die Kosten der Fahrt auf rund 10000Euro. "Kurz vor dem Start haben wir noch viel Unterstützung bekommen, vor allem von Wolmirstedter Firmen." Dafür möchte sich die Schülerfirma bedanken. Am Freitag, 13. Juni, um 16 Uhr werden sie in der Schulaula von ihrer Reise berichten.

In Französisch? Sicher nicht, obwohl die Sprache während der Reise ein Rolle spielte. "Wir haben Bruchteile von dem verstanden, was Frau Moritz mit den Franzosen beredet hat", sagt Laura. Seit fast zwei Jahren lernt sie Französisch, wie fünf andere "Gutbikes" auch. "Diejenigen, die Französisch sprechen, haben die anderen unter ihre Fittiche genommen", freut sich Ute Moritz, "wir haben beim Einkaufen immer die Landessprache gesprochen."

Überhaupt, das Einkaufen und das Essen. "Wir haben immer gut gegessen", sagt Ute Moritz, "viele Restaurantbesitzer sind uns im Preis entgegengekommen." Benny war am meisten von den Gemüsegerichten eines chinesischen Restaurants begeistert. "Es ist schön, im Ausland noch ein weiteres Land kennenzulernen", sagt er. Der 14-Jährige freut sich inzwischen, wieder zu Hause zu schlafen. "Dennoch", sagt Sarah, "mir hat zunächst das frühe Aufstehen gefehlt."

   

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