Meitzendorf l Der Jubel über das gelungene Spektakel kannte am Ende kaum Grenzen. Rund 600 Gäste erlebten es am Freitagabend in der Bergehalle von Bauer Dorendorf vis-a-vis vom Dorfgemeinschaftshaus in Meitzendorf.

Im Prinzip beklatschten die Meitzendorfer sich selbst. Freilich: Sie hatten eine ordnende Hand für die vielen klugen Ideen zur Abbildung ihrer 1075-jährigen Ortshistorie gefunden. Und die hieß: Gudrun Billowie. Die Autorin aus Wolmirstedt machte sich bereits mit anderen historischen Szenarien einen Namen. Doch wer solch ein aufwendiges Projekt aus Live-Spielszenen und Filmaufnahmen angeht, braucht Rückenstärkung. Und die gaben die Meitzendorfer - voran ihr Ortsbürgermeister Bernhard Niebuhr - der Autorin in großer Zahl, ob als Einzelperson oder als Gruppe. Die am Freitag uraufgeführte Dokumentation nennt im Abspann 57 Namen, dann bricht die Auflistung aus Platzgründen ab... Es sind weit über hundert Dorfbewohner, die sich einbrachten.

Gudrun Billowie verbündete sich für das "Aufstrippen" von 1075 Jahren Dorfgeschichte mit dem jungen Kameramann Robert Klank. Klank wurde 1991 im heutigen Landkreis Börde geboren. 2009 verließ er achtzehnjährig das Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium in Wolmirstedt. Seine berufliche Karriere richtet er seit dem Schulabschluss auf das Thema Visuelle Kultur aus. Das Gespann traf zu Jahresbeginn aufeinander. Die Dreharbeiten fanden im März und April statt. Die Regie für die historischen Darstellungen lag bei Gudrun Billowie. Ihrer Feder entstammt das Drehbuch. Den Kommentar zu den Filmbildern spricht Wolfgang Buschner. Alle Rollen sind mit Laiendarstellern besetzt. Sie beweisen in originalgetreuen Kostümen ihr schauspielerisches Talent. Ziel sei es gewesen, möglichst viele Bewohner einzubinden, erklärte Gudrun Billowie am Beginn der Arbeiten.

Verfeinerung am Computer

Das reichliche Jahrtausend Geschichte wird mit Hilfe zweier erfundener Figuren erzählt - Liese und Peter (mit bürgerlichem Namen Diana Röhrig und Birk Matalla). Erwähnung finden historisch verbürgte Meilensteine Meitzendorfs wie der Verkauf der größten Kirchenglocke für 600 Taler nach Hamburg, Plünderung und Belagerung durch kaiserliche Truppen im 30-jährigen Krieg oder wie das Dorf nach dem Sieg Napoleons über die Preußen von den Franzosen gebeutelt wird.

Schwärzester Tag in der Meitzendorfer Geschichte ist und bleibt jedoch der 6. August 1727. Damals brannte infolge eines Blitzschlages der gesamte Ort nieder. Verschont blieben lediglich die Kirche, zwei Höfe und zwei Häuser. 27 Nachbarorte halfen Meitzendorf aus der Not. "Wobey göttliche Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue klärlich zu erkennen", kommentierte der damalige Pastor und Chronist Jakob Conrad Baldamus die schreckliche Feuersbrunst und redete den Meitzendorfern ob sittlicher Verrohung mächtig ins Gewissen (in historischer Verkleidung tat das beim Spektakel am Freitag in Wiederholung der Brandpredigt von 1727 Pastor Johannes Könitz als amtierender geistlicher Hirte).

In die Chronikverfilmung ist historisches Bildmaterial integriert. Aufnahmen eines Volksfestes aus den 1960er Jahren wurden aufbereitet. Nach Hollywood-Manier verfeinerte Robert Klank den Streifen am Computer mit Spezial-Effekten, die beim Dreh an Ort und Stelle nicht machbar waren, wie etwa die Inszenierung des Feuers von 1727. Viele seiner Einstellungen fing Robert Klank in der unmittelbaren Nachbarschaft ein (beispielsweise an der Wolmirstedter Windmühle). Gut zupass kam ihm vor der Endfertigung das Hundisburger Friedensfest Anfang Mai, bei dem Szenen der 1814 zu Ende gegangenen Franzosenzeit nachgestellt wurden.

Drei neue Wohngebiete umrahmen heute den 1075 Jahre alten Ort. Es gibt ein gut ausgebuchtes Gewerbegebiet. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich in den vergangenen Jahrzehnten.

Dass Meitzendorf diesen guten Weg weiter beschreitet - eine verlesene Anzahl Dorfbewohner äußert diesen Wunsch am Ende der Chronikverfilmung.

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