Rottmersleben l "Argumente zur Ablehnung einer Preisverleihung an die Gemeinde Hohe Börde" hatten die Rottmersleber Enrico Feller und Dominik Weitz ihren offenen Brief überschrieben. Das Duo ist frisch in den Rottmersleber Ortschaftsrat gewählt worden und gehört zu den führenden Köpfen der Bürgerinitiative für den Erhalt aller Grundschulen in der Hohen Börde.

Vor der Abschlussveranstaltung der mehrstündigen Reise der EDEP-Jury durch die Hohe Börde übergaben Dominik Weitz und die Klein Rottmersleberin Jacquelina Daskalova-Fritzenkötter in Hermsdorf das Protestpapier an die Jury-Vorsitzende, die Slowenin Marija Markes.

In ihrem Schreiben erklären die Unterzeichner: "Die Gemeine Hohe Börde hat mit Sicherheit keinen Preis verdient", und verweisen auf eine Reihe ihrer Argumente.

Drohende Schulschließung sei "krönender Abschluss"

So seien " seit der Zwangszuordnung kein einziger Cent in unserem Dorf investiert" worden, die kommunalen Steuern "nur in Rottmersleben und Bornstedt auf den Höchstsatz geschraubt worden" und eine Erschließung dringend benötigter neuer Bauplätze durch die Gemeinde Hohe Börde verhindert worden.

Sie betonen: "Der öffentliche Raum verkommt seit der Eingemeindung immer mehr". Als Beispiel verweisen die Protestierer unter anderem auf den Zustand im Klein Rottmersleber Holundertal und die Schließung "unserer geliebten Badeanstalt" im Löschwaserbecken am Sportplatz. Nicht ein Beschluss des Rottmersleber Ortschaftsrates sei nach Einschätzung der Briefverfasser genehmigt oder umgesetzt worden. Die ab dem Schuljahr 2017/18 drohende Schließung der Rottmersleber Grundschule bezeichnen Feller und Weitz sarkastisch als "krönenden Abschluss" und wiederholten die Argumente der Schulschließungsgegner in der Gemeinde Hohe Börde.

Kritiker sehen in Gemeinde ein abschreckendes Beispiel

Sie warnen vor einer "zentralen Massengrundschule", mit der der Gemeinderat der Rottmersleber Dorfgemeinschaft "die sozialen Wurzeln" abschneide und dem Dorf den Nachwuchs entfremde. Dadurch verschlechtere sich für junge Familie die Lebensqualität auf dem Lande und der Überalterung auf dem Dorf werde Vorschub geleistet. Auch die Eichenbarleber Grundschule sei "in voraus eilendem Gehorsam dem Land geopfert worden, weil unseren Kommunalvertretern die Zivilcourage fehlt", betonen die zwei Unterzeichner. Selbst ein Bürgerentscheid für den Erhalt der Grundschulen sei "im Zusammenwirken mit der Kommunalaufsicht des Landkreises mit rechtlich fraglichen Mittel (...) verhindert" worden.

Laut den Verfassern gehe es der Gemeinde nicht um die Interessen ihrer Bürger, "als viel mehr darum, dem Land zu gefallen und dadurch vielleicht die eine oder andere Subvention (...) abzugreifen."

Der Schluss-Satz lautet: "Die Gemeinde ist ein abschreckendes Beispiel für eine Preisverleihung."