Wie sieht der Alltag im Rollstuhl aus? Dieser und anderen Fragen gingen Schüler des Internationalen Gymnasiums in der Praxis in Barleben auf den Grund.

Barleben l Rollstuhlfahrer gehören zum alltäglichen Bild in Bus, Bahn oder Supermarkt. Doch nur wenige Menschen wissen, wie es ist, sich mit dem Rollstuhl zu bewegen oder, dass der Rollstuhl auch ein beliebtes Sportgerät ist. Anders am Internationalen Gymnasium Pierre Trudeau, da stellt man sich seit 2012 gezielt dieser Aufgabe, die da lautet: "Bewegung verbindet - Rollstuhlsport macht Schule".

Angeschoben hat diese Aktion die Englisch- und Sportlehrerin Mindy Kerekes-Schlaizer, die mehr zufällig bei ihrer Internetrecherche das Projekt für das Gymnasium entdeckt hat. "Wichtig war mir, dass die Schüler die Möglichkeit bekommen, Erfahrungen zu sammeln, wie das Leben im Rollstuhl ist und sie dadurch auf Betroffene eingehen und helfen können", erklärte die gebürtige Amerikanerin.

Am Montag tauschten erneut 15 Gymnasiasten und 15 serbische Austauschschüler aus der Partnerstadt Gornji Milanovic die Schulbank gegen Rollstühle ein. Der Projekttag begann mit dem Kennenlernen von Rollstühlen und deren Beherrschung unter verschiedensten Bedingungen.

Unverkrampfter Umgang

Wie Mindy Kerekes-Schlaizer in diesem Zusammenhang betonte, sollen die Schüler der 9. und 10. Klasse während des Projekttages zudem einen unverkrampften Umgang mit Menschen mit Behinderungen bekommen und die Erfahrung machen, dass man auch im Rollstuhl eine Menge Spaß haben kann. Dafür ist Fingerspitzengefühl gefragt. Deshalb haben sich die Barleber professionelle Hilfe geholt. Volker Möws, Sporttherapeut an den BG Kliniken Bergmannstrost in Halle, leitete die Schüler an, war mit ihnen im Rollstuhl in Barleben unterwegs, während eine zweite Gruppe sich im Rollstuhl-Basketball in der Mittellandhalle versuchte.

In Barleben selbst wurde beispielsweise das Überwinden von Bordsteinkanten geübt, unterschiedliche Straßenbeläge getestet und verschiedene Geschäfte angefahren und auf Barrierefreiheit getestet. Doch nicht nur der Umgang mit dem Rollstuhl war Thema, es gab durch die Schüler auch unmittelbare Fragen zum Verletzungsbild der Querschnittslähmung.

Das Fazit nach einem ereignisreichen Vormittag: Die Schüler waren trotz der einen oder andere Blase an den Händen angetan von dieser Art des Unterrichts. Dennoch versicherte einer der Schüler: "Es ist schon erstaunlich, was Rollstuhlfahrer im Alltag leisten müssen. Auch deshalb bin ich dankbar, dass ich nicht dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen bin."