Neuenhofe feierte mit einem Festumzug seine 650-jährige Geschichte. Mehr als die Hälfte der Neuenhofer reihten sich ein in den bunten Tross. Die übrigen jubelten dem in der Börde wohl einmaligen Schauspiel zu.

Neuenhofe l Dörfer gibt`s, die sind mit Worten kaum zu beschreiben. "Ninefee", "Vereinsdorf der Börde", Dorf der "Jälbeene" (Gelbbeine), Karnevalshochburg: Neuenhofe, das 770-Seelen-Dorf am Heiderand, hat viele Namen. Doch wer wissen will, wie Neuenhofe tickt, der muss das Dorf erleben. Am Sonnabend war Gelegenheit dazu.

Ein Doppel-Böller der Bebertaler Schützen krachte, der Landesfanfanfarenzug stimmte an. Bürgermeister Hartmut Jahn alias Graf von Hillersleben begrüßte in gelben Strumpfhosen und glänzendem Gewande die Ministerialen Holger, den Stahlknecht, und Thomas vom Webel nebst dem Behrends-Manfred vom Bundestage. Und ab ging`s in die Dorfgeschichte.

Bierseelige Äbte erinnerten an die Anfänge von Neuenhofe als Amtsdorf der Klosterherren aus dem benachbarten Hillersleben. Totenkarren und Sensemänner erzählten von der Pest, die das Dorf ebenso wie der 30-jährige Krieg und viele Großfeuer vom Mittelalter bis in die Neuzeit heimsuchten.

Bildschöne Fräuleins in historischen Gewändern, trinkfeste Sangesbrüder und bunt geschmückte Tänzer ließen das Leben von einst wieder auferstehen und unterstrichen die bis heute lebendigen künstlerischen und kulturellen Traditionen von "Ninefee".

Der Neuenhofer Volkstanzkreis, die Zackelberger Blasmusikanten, der Männergesangverein "Concordia", der Landwehr- und Schützenverein reihten sich ein, sangen, jubelten, tanzten und lachten. Die närrischen "Jälbeene" vom Karnevalsverein johlten, die Sportler von "Blau-Weiß" tobten und die kleinen und großen Brandschützer strahlten mit den Gästen und der doch noch strahlenden Heidesonne um die Wette.

Die Damen von der Volkssolidarität und der Volkstanzkreis sangen hoch auf dem gelben Wagen, die Landwirte tuckerten auf herrlich staffierten Treckern und Hängern herbei. Neuenhofer Bürger ließen auf einfallsreiche Art die in alten Zeiten immer am Hungertuch nagenden Bauern am Heiderand hochleben.

Die Brandschützer - sie feierten ihren 80. Geburtstag - kamen auf historischen Gespannen und mit moderner Technik. Handwerker - vom Fleischer bis zum Klempner - präsentierten sich auf Festwagen. Die Gastwirte vom "Preußischen Hof" reichten Schnäpse und Stullen in die Karawane. Selbst Erich Honecker winkte aus dem offenen Trabi zu. Und die Rote Armee drohte an: "Wir sind wieder da".

Auf dem Festplatz verneigte sich der "Burmeester" Jahn vor der tobenden Menge. Der Männergesangverein lud zum Sängerwettstreit mit Gastchören. Das Fest ging weiter - mit dem großen Ball am Abend und einem zünftigen Frühschoppen mit "Zackelbergern", Volkstänzern und Schlachteplatte am Sonntagmorgen.

   

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