Die Bewertung im Wortlaut
"Die Gemeinde Hohe Börde ist im Jahr 2010 aus der Zusammenführung von 14 selbständigen Gemeinden entstanden. Im Nahbereich der Stadt Magdeburg, gut erschlossen von überregionalen Verkehrswegen und gekennzeichnet von Böden bester Bonität, hat die Gemeinde diese positive Ausgangssituation auf kluge Weise genutzt, um einen dynamischen Entwicklungsprozess zu starten. Brachten Dorferneuerungsprojekte nach der Wende die ersten positiven Impulse für die künftige Entwicklung in den einzelnen Gemeinden, wird nunmehr der größere Verbund dazu genutzt, gemeinsam nachhaltige Projekte umzusetzen und als Region zukunftsfähig zu bleiben. Basierend auf einem Bürgerbeteiligungsmodell entstehen richtungsweisende Initiativen und Projekte in verschiedenen Bereichen. Der Einsatz für junge Familien, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Berücksichtigung des demografischen Wandels kennzeichnen die Gemeindearbeit. Insbesondere Bemu¨hungen zur Vermeidung von Leerständen sowie die Nutzung von erneuerbaren Energien führen zu hervorragenden Ergebnissen."

Irxleben/HoheBörde l Als Meilenstein für die Entwicklung der Gemeinde Hohe Börde bezeichnete Bürgermeisterin Steffi Trittel das Abschneiden beim Europäischen Dorf- erneuerungspreis. Regionen und Staaten aus ganz Europa hatten insgesamt 29 Bewerbergemeinden nominiert. Sachsen-Anhalt hatte die Hohe Börde ins Rennen geschickt. Neben ausführlichen Bewerbungsunterlagen war ein Besuch einer EDEP-Jury Teil des Bewertungsverfahrens. Viele ehrenamtliche Akteure aus nahezu allen Ortschaften der Gemeinde hatten den Jurybesuch Mitte Juni vorbereitet.

Besondere Leistungen in mehreren Bereichen

Nun hat die Europäische Arbeitsgemeinschaft für Landentwicklung und Dorfentwicklung (ARGE) das Ergebnis verkündet. Sieger ist das ungarische Tihany am Balaton. Darüber hinaus vergab die ARGE Auszeichnungen für weitere Gemeinden. Verliehen wurden Preise für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte ("Besser Leben") Dorfentwicklung von herausragender Qualität (Kategorie 1), für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung (Kategorie 2), für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung (Kategorie 3) sowie lobende Anerkennungen (Kategorie 4). Die Hohe Börde bekam einen Preis der Kategorie 2 (Auszüge aus der Begründung siehe Kasten).

"Das ist eine Auszeichnung für unsere Bemühungen in den vergangenen vier Jahren als Einheitsgemeinde. Wir fühlen uns als Sieger", erklärte Bürgermeisterin Trittel vor dem neu gewählten Gemeinderat. Auch wenn es nicht für den ganz großen Preis gereicht hatte, "wir haben mit unserer Bewerbung viel gewonnen", betonte die Bürgermeisterin unter lautstarkem Beifall der Ratsmitglieder und dankte allen Mitwirkenden. Die Bürgermeisterin unterstrich: " Wir sind in diesem Bewerbungsverfahren enger aneinandergerückt. Menschen aus allen Dörfern, die sich zum Teil vorher nicht kannten, haben sich für eine gemeinsame Sache eingesetzt."

Innenminister stellt sich auf die Seite der Gemeinde

Die Bürgermeisterin führte fort: "Dieses Zusammenwachsen bringt uns voran. Wir haben viele neue Kontakte geknüpft. Die Hohe Börde hat jetzt einen Namen in Europa."

Zur Preisverleihung wird eine Delegation aus der Hohen Börde vom 11. bis zum 13. September in schweizerische Vals, den EDEP-Sieger 2012, reisen.

Einen Wermutstropfen hatten zwei Rottmersleber Ortschaftsräte der Gemeinde während des Jury-Besuchs eingeschenkt. Sie hatten in einem offenen Brief mit kritischen Verweisen - unter anderem auf die von ihnen empfundene Benachteiligung von Rottmersleben durch die Einheitsgemeinde sowie auf die Schulentwicklungsplanung der Gemeinde - die ARGE-Jury aufgefordert, der Hohen Börde keinen Preis zu geben. Das wiederum hatte eine Welle der Empörung - auch aus Rottmersleben - ausgelöst. Ein öffentlicher Schlagabtausch war die Folge.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) - er war Ehrengast der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Gemeinderates - erklärte zur Protestnote: "Ein guter Fuchs kackt nicht in den eigenen Bau". Dem hat kein Gemeinderat widersprochen.