Schüler des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums haben eine Ausstellungstafel und einen Stadtführer zu den Orten jüdischen Lebens in Wolmirstedt erarbeitet. Damit haben sie der Erinnerung weitere Bausteine hinzugefügt.

Wolmirstedt l Eine Schülergruppe auf dem Boulevard sucht mit Hilfe eines Stadtplanes das Wohn- und Geschäftshaus der letzten jüdischen Familie Wolmirstedts, der Herrmanns. Schließlich fragen sie Passanten und erfahren, dass das Haus, in dem einst Damen- und Herrenoberbekleidung verkauft wurde, längst nicht mehr steht. Trotzdem, ein Ort der Erinnerung soll der Platz bleiben. Dafür sorgen 15 Gymnasiasten, die viele Orte jüdischen Lebens in Wolmirstedt erforscht und auf Papier gebannt haben.

Die Orte sind auf einer Infotafel festgehalten und in jenem Stadtführer näher erklärt. Beides wurde in feierlichem Rahmen im Museum vorgestellt.

Andrea Schlaugat leitet die Arbeitsgemeinschaft "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", die sich ein Jahr lang mit dem jüdischen Leben in Wolmirstedt beschäftigt hat. "Erinnerung darf nicht im Verborgenen bleiben", nennt die Lehrerin das Motiv für die aufwändigen Recherchen. Auf das Ergebnis sind die Gymnasiasten stolz und setzen auf Außenwirkung. "Unsere Spurensuche soll nicht nur einen Augenblick Bestand haben", sagt die 16-Jährige Alina Gladow. Deshalb haben sich die Mädchen und Jungen zu Stadtführern für die Orte jüdischen Lebens ausbilden lassen. Die wollen sie möglichst vielen Klassen und interessierten Bürgern zeigen. "Vor allem anhand der Familie Herrmann wollen wir nachhaltig an das jüdische Leben in Wolmirstedt erinnern", erklärt Antonia Viohl (16).

Die Schüler bekamen für ihren Eifer, mit dem sie das jüdische Leben ins öffentliche Bewusstsein rücken, viel Lob. "Das Projekt ist euch eine Herzensangelegenheit", sagte der stellvertretende Schulleiter Carsten Koslowski, "ihr werdet es weitertragen, in eure Familien, Freundeskreise und ihr werdet es mit ins Leben nehmen." Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) nannte die Spurensuche "gelebte Menschlichkeit."

Iris Herzig, Fachbereichskoordinatorin für Soziales und Verbraucherschutz im Landkreis, schlug den Bogen ins Heute. "Euer Projekt zeigt, wie schnell Vergessen geht. Es gibt leider immer noch Menschen auf der Welt, die wegen ihrer Religion verfolgt werden."

Bei der Arbeit wurden die Mädchen und Jungen von der "Zeitreise-Manufaktur" unterstützt. Die Mitarbeiter haben dabei geholfen, Geschichte erlebbar zu machen und für die erste Stadtführung GPS-Geräte zur Verfügung gestellt. Mit diesen satellitengesteuerten Navigationsgeräten gelangten die Schüler zielsicher zu den einstigen Orten jüdischen Lebens, die oft nur noch Erinnerung sind. Die Schule der kleinen Inge Herrmann hinter der Kirche gibt es nicht mehr und auch die Synagoge in der Ganggasse ist längst ein Wohnhaus. Es gab zu wenig jüdische Bürger in Wolmirstedt, ab 1910 nur noch sechs. Übrig geblieben ist nur der jüdische Friedhof in der Nähe des Gymnasiums. Dort wurden um 1930 die letzten Toten beerdigt.

Der Stadtführer zu den Orten jüdischen Lebens ist im Museum und in der Stadtverwaltung erhältlich.

Bilder