Gummistiefeltermin für den Umweltminister: Zusammen mit dem Umweltausschuss des Landtages reiste Hermann Onko Aeikens (CDU) zu einer Stippvisite an den Glindenberger Deich. Gastgeber der Begehung war Ortsbürgermeister Alfons Hesse (CDU).

Wolmirstedt l Vor über einem Jahr versetzte das Juni-Hochwasser 2013 die Elbanrainer in Angst und Schrecken. Glindenberg kam mit einem blauen Auge davon. Dennoch, seither ist klar, dass der linke Elbdeich zu niedrig ist. Der Umweltausschuss des Landtages besuchte Glindenberg, wie alle Regionen, die von der Flut betroffen waren. "Die Fragen von vor einem Jahr stehen immer noch", sagt Ausschussvorsitzender Dietmar Weihrich (Grüne).

In Glindenberg ist die Deichsanierung auf einem guten Weg. "Der Ort steht oben auf der Prioritätenliste", sagt Umweltminister Hermann Onko Aeikens. Ab August wird mit der Sanierung des zweiten Abschnitts begonnen, und zwar von Heinrichsberg bei Kilometer 6,96 bis Kilometer 7,89 am Wald.

Diesen Baubeginn nahm der Vorsitzende des Umweltausschusses, Dietmar Weihrich (Grüne), wohlwollend zur Kenntnis. "Ich als Grüner hätte mir persönlich gewünscht, dass eine Rückverlegung des Deiches geprüft worden wäre", sagt er, "aber im Sinne der Betroffen steht der DIN-gerechte Ausbau des Deiches ganz klar im Vordergrund. Die Bürger standen schließlich kurz vor einer Katastrophe."

Die Prioritäten haben sich seit Juni 2013 für alle Beteiligten verschoben. "Es werden weniger Kompromisse zugunsten des Naturschutzes gemacht", sagt der Umweltminister. Entscheidungen fallen immer mehr für Zuwegungen und Deichverteidigungswege. "Deiche müssen auch in Extremsituationen befahrbar sein", macht Burkhard Henning, Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW), deutlich, "Hubschrauber sind nicht das Allheilmittel."

Deshalb setzen die Experten inzwischen auf eine Berme, also einen Deichverteidigungsweg, der landseitig neben dem Deichfuß verläuft. Dafür müssen Bäume fallen, es bedeutet oftmals einen Eingriff in Vogelschutz- und Flora-Faune-Habitat (FFH)-Gebiete. Gegenwind verspürt der LHW trotzdem nicht. "Wir arbeiten konstruktiv mit dem Umweltamt des Landkreises Börde zusammen", sagt Burkhard Henning.

Die schlechte Zuwegung wäre beim Deichrutsch am Deichkilometer Sechs in Glindenberg am 12. Juni vergangenen Jahres beinahe zum Verhängnis geworden. Die schweren Einsatzfahrzeuge kamen kaum an den Deich heran. In einer nächtlichen Schlammschlacht mussten im hüfthohen Wasser erst rund 100 Bäume gefällt werden.

Auch für die Berme müssen Bäume weichen. Aber einen Deichverteidigungsweg auf der Krone halten die Experten inzwischen nicht mehr für die beste Variante. So einen "Kronenweg" trägt der erste Deichabschnitt, das Stück von der Autobahn bis hinterm Kuhstall in Glindenberg. Der wurde aber bereits vor dem Hochwasser 2013 saniert.

Landtagsabgeordnete Rita Mittendorf (SPD) wollte wissen, ob die Wege auf der Deichkrone für Fahrradfahrer zugelassen werden. "Wir dulden die Nutzung als Radweg", sagte Burkhard Henning. Hans-Jörg Krause, Agrarpolitischer Sprecher der Linken im Umweltausschuss, wollte gar die Deiche ins Radwegekonzept eingebunden wissen.

Weiteres Thema für die Umweltausschussmitglieder war die Schafhütung. "Jeder Schäfer, der im Flussbereich arbeiten will, bekommt einen Vertrag", sagt Roland Günther, Bereichsingenieur im Flussbereich Schönebeck. Allerdings sei die Begehung des Deiches mit Schafherden die ersten drei Jahre nach dem Bau noch nicht möglich. Auch Umweltminister Aeikens wünscht sich grundsätzlich mehr Schafe auf dem Deich. "Derzeit wird gerade mal ein Viertel der Deichkilometer mit Schafen begangen", sagt er.

Der Deich zwischen Heinrichsberg und Glindenberg soll im Dezember 2015 fertig sein. Der Abschnitt von Kilometer 6,96 bis Kilometer 6,02 soll im November diesen Jahres begonnen werden. Der kritische Abschnitt von Kilometer 6,02 bis Kilometer 3,55 wird im Mai 2015 begonnen.

"Der Fortgang der Arbeiten wird von der Bürgerschaft kritisch verfolgt", sagte Alfons Hesse zum Minister, zu den Ausschussmitgliedern und LHW-Mitarbeitern, "und es freut mich, dass die Arbeit in den Behörden so zügig vorangeht."

 

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