Unmittelbar nach der Wiedervereinigung zog es Torsten Winkelmann, von Walsrode in die Börde um dort den Aufbau der AOK zu organisieren. Heute ist er Fachbereichsleiter der Krankenkasse. Als Ehrenamtlicher hat er sich einen Namen als Vizepräsident des Kreissportbundes und Stellvertretender Vorsitzender des DRK Wanzleben gemacht.

Landkreis Börde l Ost und West waren gerade erst drei Monate wiedervereint, da packte im niedersächsischen Walsrode ein 26-jähriger Mann seinen Koffer und die lebensnotwendigsten Dinge ins Auto. Er hatte sich entschieden: "Ich gehe in den Osten!" Seinen kopfschüttelnden Freunden in der Vogelparkregion rief er noch ein "Tschüss!" zu, dann gab er Gas.

Als Torsten Winkelmann an einem Januartag 1991 zwischen Helmstedt und Marienborn auf der Autobahn eine weiße Linie überfuhr, die einst die Grenze markierte, verspürte er schon ein komisches Gefühl im Bauch. Schließlich hatte er seine Absicht, zu Hause mit der zweiten Verwaltungsprüfung ein Diplom zu erlangen, aufgegeben, rechnete sich aber gleichzeitig gute Chancen aus, in der neuen Ost-AOK einen sicheren Karriere-Weg gehen zu können.

Die Entscheidung kennzeichnet den Mann mit dem spärlichen Haarwuchs und gepflegten Bart, denn er liebt die Herausforderung. "Vier Geschäftsstellen, Genthin, Osterburg, Staßfurt und Wanzleben, waren mir angeboten worden. Ich hatte mich für Wanzleben in der Magdeburger Börde entschieden, weil mir der länd- liche Charakter zusagte. Aber als ich die kleine Kreisstadt zum ersten Mal durchfuhr, fragte ich mich: Wo ist denn hier die Stadt?", erinnert sich Torsten Winkelmann heute zurück. Gewöhnungsbedürftig war für den "Wessi" dann auch seine Unterkunft in Bottmersdorf. Ein Fremdenzimmer der LPG-Pflanzenproduktion mit einem ordentlichen DDR-Charme war seine erste Bleibe.

Die damals 30 Mitarbeiter, die die AOK von der Sozialver- sicherungs-Kasse (SVK) in Wanzleben übernommen hatte, nahmen "den Winkelmann" ebenso skeptisch und abwartend wie offen ins Visier. "Von allem war etwas dabei", schildert Winkelmann die Situation. Bald spürte der damals jüngste Geschäftsstellenleiter der Krankenkasse in Sachsen-Anhalt eine hohe Akzeptanz. Er hatte Freude an der gemeinsamen Weiterentwicklung, und die Gedanken an das heimatliche Walsrode gerieten durch die Arbeit und das Kennenlernen neuer Menschen immer mehr in den Hintergrund. Erst recht als er 1997 seine Frau Saskia heiratete, die aus dem kleinen Bördedorf Remkersleben stammte. Heute wohnt das Ehepaar in Seehausen. Ihr Sohn Max ist inzwischen 15 Jahre alt.

Einen engen Kontakt zu seinen Freunden in Walsrode hat sich Torsten Winkelmann über die vielen Jahre erhalten. Wenn die Zeit es zulässt, besucht er seine Eltern und Freunde. In der Börde hat er sich längst einen großen Freundeskreis aufgebaut. Vor allem seit Winkelmann sich ehrenamtlich engagiert.

Es ist jetzt mehr als 20 Jahre her, da hatte er bei einer gemeinsamen Trimm-Trab-Veranstaltung mit dem Kreissportbund die Begeisterung verspürt, mit der die Bördesportler an den Start gingen. Als ihm Geschäftsführer Ralf Sacher anbot, die ehrenamt- liche Leitung des Sports im Kreis Wanzleben zu übernehmen, zögerte Winkelmann zunächst. "Eigentlich wollte ich nicht in der ersten Reihe stehen. Das sollte einer von hier machen, dachte ich. Außerdem lag es mir nicht, vor vielen Menschen zu reden", meint er heute rückblickend. "Besonders viel Zeit nimmt er sich seit dem für die Vereinsarbeit", urteilt Ralf Sacher vom Kreissportbund. Und so ist schon klar, dass für die Familie mit Sohn Max manche freie Stunde beschnitten wird.

"Trotzdem mache ich diese ehrenamtliche Arbeit unwahrscheinlich gerne", gesteht er ein, "denn ich freue mich über den Eifer, mit dem hier die sportinteressierten Menschen bei der Sache sind. Und wenn ich dann auf dem Kreissportlerball die Besten auszeichnen kann, ist das für mich ein Höhepunkt." In Sportlerkreisen kennt und achtet man ihn wegen seiner geleisteten Arbeit. Durch die Kreisfusion wurde sein Wirkungsbereich noch größer, dafür zeichnet er nun als Vizepräsident im Kreissportbund verantwortlich.

Seine Wurzeln für die Liebe zum Sport bildeten sich bereits im Kindesalter in Walsrode aus. Dort spielte Torsten Winkelmann von der E- bis zur C-Jugend bei Germania Walsrode Fußball und wurde mit der D-Jugend sogar Bezirksmeister. Heute ist er häufig auf dem Tennisplatz zu finden, doch das besondere Sporterlebnis liegt für ihn in den Bergen. "Das habe ich aus Walsrode mitgebracht", sagt er, "denn die Ski-Freizeit des Kreissportbundes Fallingbostel mit unserem damaligen Betreuer Karl-Heinz Binsch hat mich schon als 15-Jährigen so beeindruckt, dass ich das hier in der Börde auch organisierte. Jetzt fahren wir von hier aus schon seit 20 Jahren jeden Winter mit bis zu 120 Leuten ins Ahrntal nach Südtirol, um gemeinschaftlich Wintersport zu genießen."

Außer im Sport ist Torsten Winkelmann nun schon über zwei Jahrzehnte als stellvertretender Vorsitzender für das DRK ehrenamtlich tätig. Das Haus für betreutes Wohnen in Wanzleben, ein neu entstandenes Pflegeheim oder das jüngst eröffnete DRK-Zentrum in Eilsleben lassen ihn tiefste Zufriedenheit in dieser Arbeit verspüren.

Torsten Winkelmann, ein Mann mit flinken Augen, der sich mit Tennis auf der Seehäuser Anlage fit hält, denkt gerne an die Jahre nach dem Mauerfall zurück, in denen er in der Börde eine zweite Heimat fand. Beruflich bewegte er vieles für verschiedene AOK-Geschäftsstellen. Heute ist er Leiter eines Fachbereiches Rettung, Transport und Heilmittel mit 35 Mitarbeitern in Magdeburg und Halberstadt. Täglich pendelt er in die Landeshauptstadt oder ins Vorharz-Land. Sportlich und für das DRK hat er in der Region Beträchtliches geleistet und dafür Anerkennung erfahren. Auch dienstlich pflegt er noch intensive Kontakte nach Walsrode zum gleichen Fachbereich wie er ihm in Sachsen-Anhalt vorsteht.

Nach 25 Jahren Mauerfall und den vielen differenzierenden Diskussionen kommt Torsten Winkelmann zu dem Schluss: "Ob Ossi oder Wessi - für mich ist Deutschland längst eins."

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