Mitglieder des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad haben sich in Haldensleben umgesehen, denn die Stadt soll an die erweiterte Route des europäischen Kulturfernwanderweges angeschlossen werden. In der Stadt gibt es viele Zeugnisse hugenottischen Lebens - vom Abendmahlskelch bis zur Seidenraupenzucht.

Haldensleben l Die Frauen und Männer fühlen sich in der Kreisstadt schon fast heimisch, als sie in der St.-Marien-Kirche zwei Kelche der früheren Hugenottengemeinde Haldensleben in die Hand nehmen dürfen. Und dabei handelt es sich um Gebrauchsgegenstände der Haldensleber Christen. An jedem ersten Sonntag im Monat sind die Kelche in Gebrauch, erzählt Judith Vater vom Gemeindekirchenrat, die die Gäste mit Pfarrer Matthias Simon im Gotteshaus begrüßt. Die Abendmahlskelche sind aus versilbertem Messing und mit einer Inschrift versehen. Der dazugehörende Oblatenteller trägt jedoch keine Inschrift. "Da haben Sie ein Kleinod", sagt Gerhard Badouin vom Vorstand des Vereins anerkennend.

"Wir nehmen Ihr Interesse für unsere Stadt mit Freude auf", begrüßt Bürgermeister Norbert Eichler die Gäste nach einem Rundgang durch die Innenstadt, zu dem ein Besuch im Museum und im Haus der anderen Nachbarn gehört, im Rathaus.

"Wir würden uns freuen, wenn die Stadt Haldensleben Mitglied des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad wird", versichert Dorothe Römer, die 2. stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Ein Marketingbeitrag sei zwar auch möglich, aber die Stadt als Vereinsmitglied würde für ein engeres Miteinander stehen. Sie hat dem Bürgermeister ein Buch und ein Fläschchen Hugenottenschluck mitgebracht, der nach alten Rezepten ihrer Vorfahren hergestellt wird. Die Stadt könnte dann auch das blau-weiße Logo des Pfades verwenden. Willkommen sind aber auch Kirchengemeinden, Vereine, Unternehmen, Gas- tronomen, zählt Dorothe Römer auf.

Der neue Stadtrat von Haldensleben werde sicher auch die touristischen Chancen für Haldensleben sehen, versichert der Bürgermeister.

Die Kirchgemeinde St. Marien will auf jeden Fall Mitglied werden, bekräftigt Judith Vater in der Gesprächsrunde. Für Vereine und Kirchengemeinden beläuft sich der Mitgliedsbeitrag im Jahr auf 60 Euro.

Pfarrer Matthias Simon fällt beim Gespräch über den Hugenotten- und Waldenserpfad sofort eine Fahrt mit Jugendlichen in die Piemont-Region ein, die er in seiner vorherigen Pfarrstelle unternommen hat. Das würde er gern mit Haldensleber Jugendlichen wiederholen.

Haldensleben habe ein sehr reiches Kulturerbe, daran bestehe kein Zweifel, stellt Gerhard Badouin fest. Besonders hat ihn die Seidenraupenzucht im Museum beeindruckt, denn sie ist auch eng verbunden mit den Hugenotten. "Den Seidenbau gibt es auf der ganzen Strecke nicht, und schon gar nicht so aufbereitet. Das wird neben Tabakanbau und Strumpfwirkerei ein echtes Pfund, ein Erlebniszentrum an der Route", spinnt er sozusagen den Faden ganz begeistert schon weiter.

Wenn Haldensleben sich zum Hugenotten- und Waldenserpfad bekennt, würde die Stadt neben der Transromanica noch an einer weiteren europäischen Kulturroute liegen. Der Europarat hat den Hugenotten- und Waldenserpfad, der von Frankreich und Italien durch die Schweiz und Deutschland führt, 2013 zertifiziert. Die Transromanica, zu der die Straße der Romanik gehört, ist bereits 2007 als "Europäische Kulturstraße des Europarates" anerkannt worden. Und Haldensleben hätte gute Chancen, mit seinen Großsteingräbern auch noch an die Route der Megalithkultur angeschlossen zu werden, die ebenfalls 2013 zertifiziert worden war, offerierten die Gäste, zu denen auch Christin Prange, Geschäftsführerin des Vereins Transromanica, gehörte.

Die Mitglieder des Vorstands des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad sind nicht nur in Haldensleben auf Besuchstour. Die jetzige Route des Hugenotten- und Waldenserpfades soll in den Norden Deutschlands verlängert werden. So wird es weitere Gespräche nicht nur mit Haldensleben, sondern beispielsweise auch mit Burg, Magdeburg, Berlin, aber auch mit Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt und Hameln geben. "Denkbar sind auch hier zwei Routen, denn die Hugenotten sind ja nicht nur einen Weg gegangen", versichert Renate Buchenauer vom Verein, der den Kulturpfad betreut.

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