Der Storchenvater, der zusammen mit seiner Herzdame das Nest auf dem Schornstein der Barleber Grundschule eingerichtet hatte, muss seinen Nachwuchs alleine aufziehen. Das Muttertier starb an der Landesstraße 48 bei Barleben.

Barleben l Zwei Jungstörche, die im Mai auf dem Schornstein der Barleber Grundschule geschlüpft sind, müssen nun als Halbwaisen aufwachsen. "Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde haben am 27. Juni gegen 7.30 Uhr einen toten Storch bei Barleben eingesammelt. Es handelte sich um das Weibchen des Storchenpaares vom Schornstein", teilt Jörg Brämer vom Naturschutzbund (Nabu) Barleben mit.

"Äußere Verletzungen waren nicht erkennbar."

Identifizieren konnten die Naturschützer den Adebar anhand seiner Ringnummer und durch die Untersuchung durch das Veterinärmedizinische Institut des Landesamtes für Verbraucherschutz in Stendal. "Das Tier war auf einer Grünfläche an der Auffahrt von der L 48 Barleben-Ebendorf auf die B 189 in Richtung Stendal verendet", informiert Brämer.

"Das Tier blutete aus dem Schnabel. Äußere Verletzungen waren nicht erkennbar. Die Flügel waren unverletzt", fasst Jörg Brämer zusammen. Bei der Untersuchung im Veterinärmedizinischen Institut sei dann festgestellt worden, dass der Storch infolge einer Verletzung an der Leber durch eine äußere Einwirkung innerlich verblutet ist. "Vermutlich kollidierte die Storchendame beim Überqueren der Straße mit einem Fahrzeug", sagt Brämer.

Im Magen der Storchen- mutter fanden die Experten zehn Mäuse, drei weitere befanden sich in der Speiseröhre. Auf der gleichen Grünfläche war auch das zweite Elterntier des Paares auf Nahrungssuche. Die Nabu-Helfer erblickten den Storch einige Meter neben dem toten Tier. Künftig muss der Adebar seinen Nachwuchs ohne Hilfe versorgen. "Es gelingt ihm offensichtlich gut, die beiden Jungstörche allein zu ernähren", beobachtet Jörg Brämer.

"Die Jungstörche werden bald flügge."

Die zwei Jungen unternehmen derzeit Flugübungen und bereiten sich darauf vor, das Nest zu verlassen. "Sie werden bald flügge", erklärt Brämer. Um die Tiere auch später noch zuordnen zu können, ihr Verhalten und ihre Wanderungen zu beobachten, wurden sie im vergangenen Monat bereits beringt.

Die verstorbene Storchenmutter brütete laut Brämer 2013 zum ersten Mal in Bar- leben und zog erfolgreich Junge auf. "Sie wurde im Jahr 2004 in Erlangen, Mittelfranken, beringt. Seit 2004 wurde das Tier elf Mal gesichtet und anhand des Ringes identifiziert. Es hielt sich mehrere Jahre in Mittelfranken auf. Seit drei Jahren gab es Beobachtungen in Mitteldeutschland", informiert der Naturschützer.