Das Kino in der August-Bebel-Straße wurde kurz nach der Wende geschlossen. Viele Wolmirstedter trauerten lange um den kleinen Palast. Umso erfreulicher, dass das Soziokulturelle Zentrum seit einigen Jahren alljährlich im Juli und August zum Sommerkino einlädt.

Wolmirstedt l Auf der Freilichtbühne wird dann eine acht mal vier große Leinwand und ganz oben neben dem Eingang Kasse und die Kinotechnik aufgestellt. Gespielt werden in der Regel "Kassenknüller". Das Sommerkino 2014 startete mit "Mama Mia" und den wunderbaren Hits von Abba. Eigentlich eine sichere Bank, leider aber war das Wetter sehr unbeständig, so dass deutlich weniger Kinobesucher als in den Vorjahren kamen.

Wie üblich hatten sich viele der Stammgäste Decken und Kissen mitgebracht, um zumeist mit der ganzen Familie oder Freunden den Abend zu genießen. Und wie immer sorgten Mitglieder des "Schranke"-Vereins wie Sebastian Filipp, Jens Grunert oder Edeltraut Ungrat für die Versorgung der Kinobesucher.

Hauptperson dieses kleinen Filmevent aber ist Helmut Göldner, der Filmvorführer. Er und sein mobiles Kino erscheinen wie übrig geblieben aus einer besseren Zeit. Aus der erzählt er gern. Und weil es erst losgeht, wenn es dunkel wird, hatte er dafür auch in Wolmirstedt reichlich Zeit. 70 Jahre alt ist er, macht seit 55 Jahren Kino. "Solange ich Filmrollen heben kann, mach ich weiter", sagt er. Schon als Jugendlicher half er einem Filmvorführer, später wurde er Facharbeiter für Filmwiedergabetechnik, selbst während seiner Dienstzeit bei der Nationalen Volksarmee war er fürs Kino zuständig. Wie viele Filme er gesehen hat, hat er irgendwann nicht mehr gezählt. Und viele, sagt er, sieht er sich auch nicht mehr an. Actionkracher oder Thriller mag er gar nicht.

Seine Filmmaschine, eine Meo 5, "Made in Czechoslowakia", steht mannshoch auf einem Gestell. Auf der Bruchsteinmauer davor steht seine Musikanlage. Schlager von Andrea Berg oder Helene Fischer wummern über die Freilichtbühne. "Dafür muss ich GEMA-Gebühren bezahlen", sagt Göldner, "Das ist der Unterschied. Früher wurde alles bezahlt, jetzt muss ich für alles zahlen." Natürlich auch für die Filme, die Hälfte seiner Einnahmen bekommt der Verleiher.

Die erste Filmmaschine kaufte er einer Hallenser Polizeiwache ab. "Das war eine richtige Marktlücke, das ist super gelaufen." Die Leute kannten ihn ja noch, den Kinomann, der zu DDR-Zeiten den Landfilm machte, der von Dorf zu Dorf fuhr und Filme zeigte. Den Landfilm gab es überall in der DDR, um die Menschen in abgeschiedenen Regionen mit Arbeiter- und Bauernfilmen zu berieseln. Helmut Göldner, ein kleiner Mann, graue Haare, dunkle Augenbrauen, verschmitztes Gesicht, nahm den politischen Auftrag nicht immer ganz ernst, "ich habe russische Filme abgerechnet und \'Dirty Dancing" gezeigt".

Nach der Wende investierte Helmut Göldner mit seiner Frau in ein Autokino, kaufte den VW-Bus, um auf Marktplätzen Kino zu machen, das Gerät stand im Wagen. Und immer kamen die Menschen.

Die Freilichtveranstaltungen, sagt er, laufen eigentlich ganz gut. Auch wenn "Mama Mia" in Wolmirstedt diesmal nicht ganz so viele sehen wollten, kommt er am 22. August gern wieder, auch weil " ich keineschöneres Freilichlichtkino als hier in Wolmirstedt kenne". Das nächste Mal zeigt der Mann aus Könnern "Rubbel die Katz" mit Mathias Schweighöfer.