In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 1: Auf Tour mit den Müllwerkern Marco Krakow und Fabian Schüßler.

Barleben l Punkt 11 Uhr stehen Marco Krakow und Kollege Fabian Schüßler mit ihrem Sperrmüllfahrzeug auf einer großen, in die Straße eingelassenen Waage. Sechs Tonnen Müll haben sie heute geladen. Und der muss auf dem Gelände der Abfallentsorgungsgesellschaft "Untere Ohre" abgeladen werden, bevor die beiden Müllwerker die nächste Tour nach Barleben antreten können.

Ein Berg aus Sofas, Stühlen und Betten kommt zum Vorschein, als das Fahrzeug sich entleert. Die einstigen Möbel sind zerdrückt und gewaltsam zerkleinert worden. "Das wird jetzt alles von den Kollegen hier auf verschiedene Haufen sortiert, je nach Material", erklärt der 23-jährige Fabian Schüßler. Der Groß Ammensleber steigt nach der Entleerung wieder zu seinem Kollegen ins Fahrzeug. Die erste von den acht kommenden Stationen in Barleben befindet sich im Ammensleber Weg.

Dort angekommen, stehen die beiden Müllwerker vor einem Problem: Der Sperrmüll steht zwar zur Abholung bereit, aber zu weit auf dem Grundstück des Besitzers. "Wir können da nicht drauf fahren, weil wir nicht wissen, was die Pflastersteine aushalten", erklärt Marco Krakow. "Außerdem weiß man nie, ob irgendwo daneben etwas steht, was wir fälschlicherweise zum Sperrmüll zählen, aber gar nicht mitnehmen dürfen." Deshalb fährt der 33-jährige Barleber lieber weiter zum nächsten Sperrmüllhaufen.

Hier brauchen Krakow und Schüßler nur wenige Minuten, um Teppich, Tisch und Stühle in die Presse des Fahrzeuges zu werfen. Mehrere Kleinigkeiten bleiben allerdings am Rand des Grundstückes liegen. Unter anderem ein Laubsauger, der gehört zum Elektroschrott. "Die zuständigen Kollegen kommen gleich vorbei und holen das ab", sagt Krakow. Auch eine sogenannte Sauerkrautplatte bleibt am Wegesrand zurück. Der Müllwerker erklärt: "Das ist ein Baustoff, der in der DDR verwendet wurde. Baustoffe dürfen wir nicht mitnehmen, da solche Sachen kostenpflichtig beseitigt werden müssen. Sperrmüllentsorgung kostet hingegen nichts."

Wieder im Fahrzeug, hakt Marco Krakow die Station auf seiner Liste ab. Mit dem großen Auto durch die schmalen Straßen von Barleben zu fahren, ist für den erfahrenen Kraftfahrer kein Problem. Nur Kreisverkehre sind zu klein. Mit seinem Sperrmüllauto darf er einfach über den Kreisel fahren. Sein Kollege schaut auf die Liste: "Die nächste Station wurde doppelt angemeldet. Das heißt, es ist ein großer Haufen Müll."

Von Weitem erspähen die beiden Männer in der Ernst-Thälmann-Straße schon den Berg aus Sofas. Hier packen Krakow und Schüßler die schweren Stücke gemeinsam an und hieven sie in die Presse. Beim Betätigen eines grünen Knopfes am Bedienfeld des Autos legt die Presse los. Unter Knirschen und Ächzen zerbricht das Holz in den Sitzmöbeln, die von dem großen orangefarbenen Auto verschlungen werden.

"Wir machen auch nur unseren Job."

Fabian Schüßler, Müllwerker

Dahinter wartet schon ein Pkw, der nicht am Müllwagen vorbei kommt. "Wir behindern ab und zu den Verkehr. Manche Autofahrer beschweren sich dann. Aber wir machen auch nur unseren Job", sagt Fabian Schüßler.

Eine Stunde später fährt Marco Krakow wieder auf das Gelände der Abfallentsorgungsgesellschaft und parkt auf der Waage. Diesmal sind es nur 1820 Kilogramm, die das 15 Tonnen schwere Auto geladen hat. "Das war eine kleine Tour. Normalerweise sind es in Barleben viel mehr Stationen, die wir anfahren müssen." Der Barleber unterschreibt auf einem Formular für das Gewicht des geladenen Mülls. Für die beiden Kollegen ist jetzt erst einmal Mittagspause, bevor sie sich wieder auf den Weg zu neuen Sperrmüllhaufen machen.

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