Die Rathausflure sind für mindestens drei Monate mit Naturfotos von Heike Vogel geschmückt. Für die richtige Perspektive legt sich die Fotografin gerne mal auf den Boden.

Wolmirstedt l Heike Vogel fotografiert aus Leidenschaft. "Ich schaue mir viele Orte genau an, beobachte vor allem den Verlauf des Lichtes", sagt die 52-Jährige. Bei richtiger Sonneneinstrahlung kommen Blätter, Blüten und Insekten besonders zur Geltung. "Ich mag es, wenn noch ordentlich Bums auf den Bildern liegt", sagt Heike Vogel und für diesen Bums sorgt sie anschließend. "Es ist so toll, was man mit der digitalen Bildbearbeitung alles machen kann", schwärmt sie. Farben und Kontraste werden am Computer so differenziert, dass beispielsweise Gelb und Rot des Herbstlaubes einen Tuck greller leuchten als tatsächlich in der Natur.

Bilder, auf denen Herbstlaub oder Tulpen zu sehen sind, brauchen trotz aller Möglichketen der Nachbearbeitung das richtige Licht und Geduld, andere Fotos eine gehörige Portion Glück. Ein Foto zweier Libellen beim Liebesspiel ist nicht planbar und doch hängt so eines im Rathaus. "Ich lege mich für solche Ansichten schon mal auf den Boden", erzählt Heike Vogel, "egal, welche Kleidung ich gerade trage."

Im Rathausbereich hingen jahrelang Hochzeitsfotos des Fotografen Andreas Hecht. Nun sollten die Ansichten wechseln. "Außerdem habe ich mir schon lange auch in den anderen Fluren Bilder gewünscht", sagt Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU), "am liebsten Wolmirstedter Motive."

Dafür hat er Kontakt mit dem Fotoclub "Iris" aufgenommen, der sich regelmäßig im Bürgerhaus trifft, und ist auf offene Ohren gestoßen. Doch so eine Ausstellung lässt sich nicht aus dem Boden stampfen. "Iris"-Vorsitzender Jürgen Sturtzel setzt auf Zeit. "Wir haben uns überlegt, dass wir Wolmirstedter Ansichten im Wandel der Jahreszeiten zeigen werden", sagt er. Bis diese Motive zusammengetragen sind, wird noch reichlich Wasser die Ohre herunter fließen. Aber sobald genügend Fotos ausgewählt wurden, werden die "Iris"-Mitglieder die Rathausflure gestalten. "Wir haben bereits zur 1000-Jahr-Feier eine Ausstellung im Rathaus gestaltet", sagt Sturtzel und freut sich, dass bald eine zweite folgen wird.

Nun schmücken erst einmal die Arbeiten von Heike Vogel das erste Haus der Stadt. Ihre Ansichten stammen nicht aus Wolmirstedt, aber die Naturaufnahmen sind ausreichend prägnant, so dass sie für sich stehen.

"Die Meisen haben sich beschimpft, als hätten sie Ehekrach."

Heike Vogel

"Mein Lieblingsbild ist das Bild von der wütenden Meise", gesteht die blonde Frau. Das Foto ist in Prerow entstanden. "Wir saßen in einem Eiscafé und schauten zu, wie sich die Meisen beschimpften. Immer abwechselnd, als hätten sie gerade einen Ehekrach auszutragen." Heike Vogel hätte gerne zwei Vögel auf das Foto gebannt, aber das hätte zu viel Bewegung der Kamera erfordert und die Meisen womöglich verscheucht. Also blieb es bei diesem einem zeternden Exemplar.

Heike Vogel ist eigentlich Werkstoffprüferin, doch nach der Geburt ihres Sohnes zog es sie als Verkäuferin in einen Fotoladen. "Die Arbeit des Entwickelns war mir vertraut, denn als Werkstoffprüferin haben ich auch Röntgenprüfungen gemacht", sagt Heike Vogel, "und schon als Kind habe ich gerne fotografiert." Neben Naturaufnahmen frönt sie einer zweiten Leidenschaft, nämlich der Nachtfotografie. "In Berlin gibt es das Festival of Light. Da werden Gebäude bunt angestrahlt." In diesen Nächten schläft die Kamera nicht.

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