An der ehemaligen Grundschule in Gutenswegen haben Beamte der Landesbereitschaftspolizei das taktische Vorgehen im Falle einer Amok-Drohung geübt. Einer der fiktiven Täter "stirbt", der andere wird festgenommen.

Gutenswegen l Zwei bewaffnete Männer haben sich in einer Berufsschule verschanzt, es sind bereits Schüsse gefallen. Dieses fiktive Szenario stellen sich die Einsatzkräfte der Landesbereitsschaftspolizei (LBP) vor, als sie am Montag zu Übungszwecken einen Amok-Notfall proben. Als Kulisse dient ihnen die leerstehende ehemalige Grundschule in Gutenswegen.

Zwei Trupps mit jeweils vier Polizisten schleichen auf der Suche nach den vermeintlichen Tätern getrennt durch das Gebäude. Bis auf den Schutzhelm sind sie für die Übung in voller Montur unterwegs. Über Funk halten sie ständig Kontakt mit Einsatzleiter André Balanskat. Er war als Erster vor Ort und koordiniert nun das Ganze. "Ich muss den Überblick behalten, wer sich wo befindet und welche Etage sicher ist", erklärt Balanskat. Neben weiteren Polizisten warten draußen auch zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die das Geschehen beobachten.

Fünf Minuten, nachdem die Polizisten die Schule betreten haben, gibt es einen "Toten". "Ein Täter ist durch einen Kopfschuss getroffen worden und atmet nicht mehr. Der zweite Täter wurde noch nicht ausfindig gemacht", benachrichtigen die Beamten aus dem Gebäude den Einsatzleiter. "Solche Täter suchen in 90 Prozent der Fälle das Gefecht mit der Polizei - entweder lassen sie sich erschießen oder erschießen sich selbst", erläutert Balanskat.

Der zweite Mann schafft es, auf das Schulgelände zu fliehen, weitere Schüsse fallen, simuliert durch den Knall zweier Holzlatten. Drei Polizisten streifen hintereinander draußen durchs Gras, die zwei hinteren legen jeweils eine Hand auf die Schulter ihres Vordermannes. "Das dient dazu, den Kontakt nicht zu verlieren und kampfkräftig anzukommen. Außerdem sehen drei Paar Augen mehr als eines", erklärt Steffen Günther von der LBP. Schließlich gelingt es den Beamten, den vermeintlichen Täter - gespielt von einem Kollegen - festzunehmen. In der Realität, informiert Günther, habe es seit Beginn der Aufzeichnungen bundesweit 40 Amok-Vorfälle gegeben.

Nach dem ersten Durchgang werten die Polizisten die Übung in Gutenswegen aus. "Ich bin gleich in die Enge getrieben worden, das war super", lobt Thomas Müller, der den ersten Täter mimte, den Einsatz seiner Kollegen. Anschließend trainieren alle noch einmal das taktische Vorgehen im Ernstfall, diesmal ohne verschanzte "Verbrecher".

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