In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 4: Mit der Polizei unterwegs.

Wolmirstedt l Polizeiarbeit ist 60 bis 70 Prozent Schreibtischarbeit. Da sind sich die beiden Polizeiobermeister Jens Pfeiffer und Frank Geppert einig. Und genau da sitzen sie auch. Jens Pfeiffer nimmt eine Strafanzeige auf. Bei zwei Autos wurden die Scheiben eingeschlagen und Handtaschen vom Rücksitz gestohlen. Fotos zeigen die Tatorte. Die Bilder werden Teil der Strafanzeige und in den Rechner gelesen. "Das ist wichtig für die Versicherung", erklärt Frank Geppert.

Beide tippen konzentriert auf die Tastatur des Computers. Regelmäßig schnarrt eine Frauenstimme durchs Funkgerät. Die beiden Polizisten ignorieren die Worte. "Wir reagieren nur auf 4046", sagt Frank Geppert, "so heißt unser Einsatzwagen." Wird 4046 gerufen, rutscht die Schreib- tischarbeit auf den zweiten Rang, beide würden sich sofort auf den Weg machen. Doch in dieser einen Stunde ist in ihrem Revier zwischen Dolle und Ebendorf, zwischen Elbe und Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide, alles ruhig.

Das muss nicht heißen, dass nichts passiert. "Wenn man durch einen Ort fährt, sieht oft alles schön aus", sagt Jens Pfeiffer, "aber bei unseren Einsätzen schauen wir hinter die Türen und sehen Gewalt." Die gibt es auch hinter schönen Fassaden.

Der Diebstahl der Handtaschen aus den Autos ist im Computer gespeichert, der Schein für die Versicherung ausgedruckt. Die beiden Polizisten machen sich auf den Weg. "Wir fahren regelmäßig Streife", sagt Frank Geppert, "die Bürger wollen uns sehen. Polizeipräsenz ist eine Frage des Sicherheitsgefühls."

Jens Pfeiffer lenkt den "Bully" durch die Straßen von Wolmirstedt. Erstes Ziel sind die Bürger, deren Handtaschen gestohlen worden. Frank Geppert wirft ihnen die Scheine für die Versicherung - ganz Freund und Helfer - in den Briefkasten. Auf der Weiterfahrt achten die Polizisten auf die Autos.

"Wir schauen, ob bei den geparkten Autos eine Scheibe eingeschlagen ist", sagt Frank Geppert, "und wir schauen uns auch die Fahrer des Gegenverkehrs an." Oft können sie schon an der Gestik erkennen, ob jemand bereits tagsüber über die Maßen getrunken hat. "Diejenigen schauen uns partout nicht an", grinst Jens Pfeiffer, "sie verhalten sich nach dem kindlichen Muster, wenn ich die Polizisten nicht sehe, sehen mich die Polizisten auch nicht." Doch für solche Nicht-Blicke haben Polizisten längst einen siebten Sinn entwickelt und der wird bei einer Kon- trolle meistens bestätigt. Außerdem kennen beide längst ihre Pappenheimer, die ohne Führerschein unterwegs sind.

In dieser Stunde begegnet ihnen in Wolmirstedt jedoch kein Sünder. Dafür steht in der Damaschkestraße ein fahrerloses Auto mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Parken ist dort verboten. Eine Frau eilt herbei und schaut krampfhaft vom Polizeiauto weg. Ihr ganzer Körper verrät ein schlechtes Gewissen. "Das ist ganz sicher die Fahrerin", mutmaßt Frank Geppert und behält Recht. Die beiden Polizeiobermeister lassen die Dame trotzdem unbehelligt davon fahren.

Ein paar Meter weiter steht ein Wäscheauto im Kreuzungsbereich. Der Fahrer zerrt einen Sack aus dem Kofferraum. Jens Pfeiffer lässt die Scheibe des Polizeiautos herunter und fragt den Wäschemann, wie lange er an dieser Stelle stehen bleiben will. Der weiß, dass er dort nicht stehen darf, aber er schaut dem Polizisten freundlich ins Gesicht und flachst ein wenig herum, dass er doch schließlich jede Woche hier stehe. Dann wirft er seinen Wäschesack auf den Rücken und verspricht, sich zu beeilen.

Während ihrer Fahrt durch eine Einfamilienhaussiedlung nehmen die Polizisten den "Täterblick" an. Sie ziehen aus heruntergelassenen Jalousien und geparkten Autos ihre Schlüsse. "Die Wohngebiete sind anonymer geworden, es wird immer öfter tagsüber eingebrochen", sagt Frank Geppert, "die Täter haben vorher meist genau ausspioniert, wo sie hinwollen."

Polizisten sind harte Jungs. Sie trainieren Schießen und regelmäßig den Zweikampf. "Gewisse Abwehrtechniken sollte man schon drauf haben", sagt Jens Geppert. Sie stehen Zwölf-Stunden-Schichten durch und begleiten nächtelang Schwerlasttransporter. Sie erleben schreckliche Unfälle und die Not der Betroffenen und Angehörigen geht auch ihnen unter die Haut. Das Schlimmste, was ihnen widerfahren kann, ist, eine Leiche in einer Messiewohnung zu finden. Dennoch sagen beide noch immer, dass Polizist ihr Traumberuf sei, und dass sie sich über ein Dankeschön freuen, zum Beispiel, wenn nach einem Unfall alles geregelt ist.