Menschen aus fünf Nationen lernen im Integrationskurs der Volkshochschule die deutsche Sprache und Kultur kennen. Manche sind gerade in dieses Land gekommen, andere leben schon viele Jahre hier.

Wolmirstedt l Die Syrer sind gerade nicht da. Sie feiern Ramadan. Rafaat Almaaz ist 43 Jahre alt. Er stammt auch aus Syrien, ist aber Christ. Er hat 20 Jahre im Libanon gelebt und ist seit vier Monaten in Deutschland, in Wolmirstedt. In seiner beruflichen Biografie kommen ein Getränkeladen für alkoholfreie Getränke und die Arbeit mit Lichtreklame vor. Am liebsten spielt er Musik, solche, die sich dem christlichen Glauben widmet. Die Klangfarbe seiner sonoren Stimme verrät den Sänger, sein Instrument ist die Laute. "Ich möchte in Deutschland singen und arbeiten", sagt er, "und ohne Sprache geht das nicht."

Für Rafaat Almaaz ist der Integrationskurs, der durch das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge geförderte wird, eine tolle Chance. 600 Stunden lang lernen die Teilnehmer bei ihrer Dozentin Beate Minz, wie sie sich in verschiedenen Lebenslagen, wie Arztbesuchen, Behördengängen oder beim Einkaufen ausdrücken und zurecht finden können. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Beate Minz beginnt bei Null und baut den Kurs anhand eines praxisnah gestalteten Lehrbuches auf. Gerade haben sie über Frauen im Kleid gesprochen.

"Frau Minz ist super", sagt Alex Roduceonu. Der 17-Jährige ist seinem Vater aus Rumänien hierher gefolgt. Seit drei Monaten lebt er in Mahlwinkel. Welchen Beruf er einmal ergreifen möchte, weiß der junge Mann noch nicht. "Erst mal Deutsch lernen", lautet seine Devise.

Viele Teilnehmer des Integrationskurses haben bereits Kinder. Die aus Vietnam stammende Phuong Lan Do lebt seit 13 Jahren in Deutschland. Ihre beiden Kinder sind hier groß geworden und besuchen längst das Gymnasium. In der Beherrschung der deutschen Sprache sind sie ihrer Mama meilenweit vorausgeeilt. Phuong Lan Do hat das Deutschlernen lange vernachlässigt, aber es ist schwierig, arbeiten zu gehen, ohne die Sprache zu beherrschen. Jetzt, wo die Kinder größer sind, will sie durchstarten, die Sprache erlernen und einen Job finden. Deutschland gefällt ihr. "Hier geht es den Kindern gut und das Gesundheitswesen ist vorbildlich", sagt sie.

Simona Martinic hat das Haar in lustige Zöpfe geflochten und lacht sehr gern. Die Frohnatur hat schon immer und viel gearbeitet, in der Schuhfabrik und als Automechanikerin. Außerdem hat die 35-Jährige zwei Kinder großgezogen. Bis vor kurzen hat sie in Italien gelebt. "Als EU-Bürgerin kann ich wählen, wo ich leben möchte", sagt sie. Ihr gefällt der Stellenwert, den Frauen in Deutschland einnehmen. "Hier gibt es sogar Schutz in Frauenhäusern", sagt Simona Martinic, "das ist etwas Besonderes."

Gern würde sie eine Ausbildung absolvieren. "Über das Arbeitsamt ist das vielleicht möglich", sagt Katrin Kunze, die an der Volkshochschule für Integrationskurse zuständig ist, "für eine reguläre Ausbildung hat Frau Martinic die Altersgrenze überschritten."

Die Martinic-Kinder besuchen eine Sekundarschule in Wolmirstedt. Aufgrund der mangelnden Deutschkenntnisse fällt es ihnen schwer, dem Unterricht zu folgen. "Erst ab einer bestimmten Anzahl ausländischer Kinder wird in den Schulen Förderunterricht in der deutschen Sprache angeboten", sagt Katrin Kunze, Programmbereichsleiterin Integration an der Kreisvolkshochschule. Sie hat beobachtet, dass sich Kinder, die hier aufwachsen, mühelos integrieren und die Sprache spielend lernen. Pubertierende Jugendliche, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, hingegen haben es schwerer.

Oxana Hodko hält sich schüchtern zurück. Die 32-Jährige Kasachin ist ihrem Mann mit zwei Kindern nach Deutschland gefolgt. Der lebt bereits seit zwölf Jahren hier und gilt als Deutscher. Beate Minz ermuntert die blonde Frau immer wieder zum Mitreden.

"Oft helfen sich die Teilnehmer auch gegenseitig", weiß die Dozentin. Es sei günstig, wenn sich mehrere Personen aus demselben Sprachraum in einem Kurs befinden. So kann derjenige, der die Sprache besser beherrscht, den anderen helfen. Die Kurssprache ist ausschließlich deutsch.