Ihren ersten Geburtstag feierten die zwei Wildschweine Kay und Jonathan bei Jäger Kurt Ullrich in Wellen. Zu ihren Gratulanten zählten ihre Namensvetter Kay und Jonathan Brüggemann aus Mammendorf. Sie hatten die Frischlinge vor genau einem Jahr gerettet.

Wellen/Mammendorf l An einem Julitag 2013 erkundeten der Mammendorfer Landwirt und Jäger Kay Brüggemann und sein zweijähriger Sohn das Revier. Es war Jonathans zweiter Geburtstag.

Frischlinge beim Gang durchs Revier entdeckt

Am Wellener Silo, unweit der Bundesstraße B1, liefen ihnen zwei mutterlose Frischlinge entgegen. Kay Brüggemann rief seinen Jagdkollegen, den Wellener Weidmann Sven Ullrich, zu Hilfe. Dessen Vater Kurt Ullrich zog damals mit der ganzen Familie auf dem heimischen Hof den einjährigen Wildschwein-Findling Pepe mit der Milchflasche auf.

Geburtstagstorte von den Lebensrettern

Sven Ulrich half beim Einfangen der kleinen Racker. Ohne schnelle Hilfe wären die zwei elendig verendet. Sven Ullrich hatte den beiden ohne Hilfe keine Tag mehr geben. Ihre Mutter war wahrscheinlich bei einem Wildunfall umgekommen. Eine Bauchnabelentzündung und Fliegenmaden hatten den nach ihren Findern Kay und Jonathan getauften Frischlingen arg zugesetzt. Ein Tierarzt half und Milch hatte Pepe, der Herr auf Kurt Ullrichs Frischlingswiese, damals immer noch gern getrunken. Die Ullrichs päppelten die Zwei auf.

An ihrem ersten Geburtstag sind die harten ersten Tage ihres Lebens längst vergessen. Kay und Jonathan düsen und schnüffeln durch Ullrichs Gehege, beäugen jeden aus sicherer Entfernung, wagen sich nur langsam heran - an Kay und Jonathan in Menschengestalt. Ihre Retter haben leckeren Tortenboden zur Geburtstagsmitgebracht, prall belegt mit duftendem Obst und Gemüse. Die beiden Leckermäuler vergessen ihre Scheu - probieren, schmatzen und ziehen mit großen Happen im Maul von dannen ins Dickicht.

Was für ein dritter Geburtstag, denkt sich auch der kleine Jonathan Brüggemann, der mit seinen stattlichen Wildschweinen zusammen Wiegenfest feiert. Mama hat Geburstagskuchen mitgebracht. Helga Ullrich zündet drei Kerzen für Jonathan an und brüht frischen Kaffee auf. Kurt Ullrich krault seine Zöglinge. Sohn Sven berichtet von deren Vorlieben, Mutter Helga Ullrich erzählt von ersten Ausbrüchen aus dem Gatter, bei dem Kay und Jonathan eine mächtige Furche im Garten hinterlassen haben.

Bei den Ullrichs müsste man Wildschwein sein

Der gute alte Pepe war zuletzt zu wild geworden. "Er war nicht mehr zu bändigen. Jetzt ist er im Wildschweinhimmel", erklärt sein Ziehvater.

Wie lange Kay und Jonathan ihre Bahnen in Ullrichs Gehege ziehen, hängt von ihrem Temperament ab. "Auf jeden Fall haben sie hier ein schönes Leben", betont Kurt Ullrich. Und eine Freundin aus der Nachbarschaft schwärmt: "Bei Euch müsste man Wildschwein sein, so gut haben es die Zwei. Wie im Paradies." Aus dem Hintergrund tönt zufriedenes Grunzen.