In der Walbecker Kirche läuft ein Großprojekt, das es in dieser Dimension in der Region so wohl noch nicht gegeben hat. Grund für den Aufwand sind kleine Nager: Holzwürmer und Hausböcke. Denen soll nun mit einem speziellen Gasgemisch der Garaus gemacht werden. Die Kirche ist abgedichtet und für vier Tage gesperrt.

Walbeck l Schädliche Insekten, Hausböcke und Holzwürmer, der so genannte kleine Bruder des Hausbockes, haben sich über Jahre hinweg im Gotteshaus breit gemacht. Um den Mitgliedern des Kirchenrates und anderen Interessierten die Vorgehensweise der Schädlingsbekämpfung zu erklären, hat es vergangene Woche eine Holzwurmschau gegeben.

"Von den Holzbänken bis zur Decke hat in der ganzen Kirche der Befall mit Holzwürmern ein solches Ausmaß angenommen, dass die Bekämpfung notwendig ist. Die Schädlinge müssen dran glauben, damit sie nicht mehr zerstören. Unser Ziel ist es, nachhaltig dafür zu sorgen, dass die kleinen Biester, wenn wir weg sind, auch tot sind", sagt Marco Müller, einer der Geschäftsführer des Dresdner Unternehmens für Schädlingsbekämpfung. Betroffen seien eigentlich alle hölzernen Einrichtungen.

"Während der Holzwurm kleine Löcher ins Holz frisst, hinterlässt der Hausbock große ovale Fraßlöcher", erklärt Müller und zeigt einen noch lebenden Hausbock, der wie ein kleines Monster bei den Gästen Eindruck schindet. Müller hat keinen Zweifel, dass die Aktion glückt. Außerdem habe die Kirchengemeinde als Auftraggeber eine Garantie für die Schädlingsfreiheit.

Auch Pastorin Martina Kraft ist froh, dass es den Würmern an den Kragen geht. "Es ist heilvoll, wenn Dinge, die zerstörerisch sind, praktisch aufgehalten werden", sagt sie. Ein hölzerner Klappaltar und ein Harmonium aus der Schwanefelder Kirche, werden in das Gotteshaus gebracht, um dem Holzwurm den Garaus zu machen und die Kunstgüter so reinigen zu können.

Die Pfarrerin beziffert die Kosten mit einer Summe in einem fünfstelligen Bereich. Fördergelder, knapp die Hälfte der Gesamtsumme, gibt es aus dem Baulastfonds des Kirchenkreises, den Rest muss die Pfarrgemeinde aufbringen. Das Kirchenschiff wird von außen eingepackt, damit die gesamte Kirche begast werden kann, ohne das Gift austritt. "Die Schilder mit dem warnenden Totenkopf, werden nicht umsonst an den Türen befestigt. Wir sind jetzt sozusagen die Hausherren auf Zeit", erklärt Müller und beschrieb, dass die Schädlingsbekämpfer für die Sicherheit der Menschen verantwortlich sind und deshalb auch die Schlüssel des Gotteshauses einkassieren. Dann wird es ernst mit der intensiven Schädlingsbekämpfung. Mit hochwirksamen Gebläsen wird in den Innenraum der Kirche ein giftiges Gasgemisch gepumpt.

Mit den Messgeräten könnten die Arbeiter zum einen die Dichtheit des Innenraums überprüfen, zum anderen aber auch laufend die erforderliche Konzentration des Giftgemisches feststellen und notfalls nachbessern. "Dann muss das Gas wirken. Jeder Holzwurm wird getötet", versichert der Experte. Später wird mit Pumpen das Gasgemisch wieder abgesaugt, in Behälter gefüllt und entsorgt. Dann wird gelüftet. Und einen Tag später ist die Kirche wieder betretbar.

"Es ging mir heute darum, zu erfahren, wie wir in Schwanefeld verfahren können. Auch in unserer Kirche ist der Holzwurm überall drin", schildert Friedrich Düerkop, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Schwanefeld. Ein Problem sei es, die Finanzen für so eine Begasaktion zusammenzubekommen und zum anderen darf der Flügelaltar erst einmal nicht wieder zu den Würmern nach Schwanefeld zurück. "Unser Geld brauchen wir für die Wiederherstellung der Kirche. Wir müssten den Altar in einen Glaskasten stellen, um ihn vor den Schädlingen zu schützen", blickt Düerkop voraus.

 

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