In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 7: Auf Entdeckungstour in der Heimatstube.

Barleben l Zeitsprünge von der jüngeren Steinzeit bis hin zu den 1950er Jahren der modernen Zeit sind in der Barleber Heimatstube möglich. Hennry Hass vom Heimatverein führt durch die verwinkelten Räume des alten Fachwerkhauses und erklärt Besuchern, welche zum Teil tausende Jahre alte Gegenstände in den kleinen Räumen verborgen liegen.

Die Entdeckungsreise beginnt in einem Ausstellungsraum, in dem alle Informationen zur ersten urkundlichen Erwähnung Barlebens zu sehen sind. "Alle paar Jahre wechselt das Thema der Ausstellung, momentan können Interessenten hier herausfinden, wie zum Beispiel aus `Partunlep` `Barleben` geworden ist", erklärt der 67-Jährige. Im Raum nebenan können Besucher dann alte Haushaltsgeräte unter die Lupe nehmen. Die große hölzerne Maschine in der Mitte des Raumes ist eine Wäschemangel. Hennry Hass betätigt einen Knopf und das Ungetüm setzt sich knarrend und ächzend in Bewegung. "Die ist noch voll funktionstüchtig. Wenn sich Besucher zu einer Führung anmelden, können sie mal sehen, wie aufwendig damals eine Decke platt gedrückt wurde", erläutert Hass.

Der 67-Jährige ist seit fast einem Jahr Mitglied im Heimatverein und kennt sich mit der Geschichte Barlebens bestens aus. "Unsere Heimatstube steht auch schon seit über 200 Jahren. Es war zuerst ein Gesindehaus, bevor es nach 1945 als Lager bei einer Großhandelsfirma genutzt wurde."

Hennry Hass geht anschließend in ein weiteres Nebenzimmer. "Das ist unser Musikzimmer. Hier finden sich verschiedene Künstler, die es unter anderem bis an die Berliner Staatsoper geschafft haben und aus unserem Ort stammen", erklärt er. Aber auch alte Musikinstrumente wie ein Klavier und eine Zitter finden sich in dem alten Fachwerkhaus.

"Als nächstes geht es in den Keller. Dort liegen unsere ältesten Ausstellungsstücke", sagt Hass. Über eine kurze, steile Treppe gelangt man in das unterste Geschoss der Heimatstube. In der Mitte des Raumes steht die Nachbildung einer steinzeitlichen Steinbohrmaschine. "Ich dachte zuerst, das Gerät ist zum Feuermachen da", sagt Hass lachend. Dass daraus unter anderem Steinäxte entstanden sind, habe den 67-Jährigen erstaunt. Mithilfe eines an einem Ast befestigten Lederbandes wurde das mittlere Holz der Maschine schnell gedreht - und damit ein Loch in den darunter liegenden Stein gebohrt. "Viele dieser Funde hier wurden entdeckt, als der Kiesabbau in Barleben in den 1930ern begann. Unter anderem haben wir auch ein Grab gefunden, das aus der Karolingerzeit stammt", erklärt Hennry Hass.

Ein besonders alter Fund sind die Knochen eines Mammuts, das vor 500000 Jahren in der Gegend verendete, wo heute Barleben steht. "Die Knochen wurden zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ausgebaggert, ebenso wie ein Bisonschädel." Anschließend führt Hass vom Keller in das obere Stockwerk der Heimatstube, in dem eine komplette Wohnung mit Möbeln aus den 1930ern bis 1950ern eingerichtet ist. Hier hat der Fernseher im Wohnzimmer noch einen Stromspannungsregler, mit dem man damals die Voltzahl nach oben regulierte. "Außerdem können eine original eingerichtete Küche, ein Schlaf- und Kinderzimmer besichtigt werden", sagt Hennry Hass.

Besichtigungen sind in der Heimatstube immer dienstags möglich, geöffnet ist in der Zeit von 15 bis 18 Uhr. Führungen können auch unter der Telefonnummer 039203/62848 vereinbart werden.