Eine Spezialstation für Schlaganfall-Patienten, eine sogenannte Stroke Unit, wird derzeit im Haldensleber Ameos Klinikum aufgebaut. Damit soll den Betroffenen schneller als bisher geholfen werden.

Haldensleben l Das Zeitfenster für die erfolgreiche Behandlung eines Schlaganfalls ist klein. Nur viereinhalb Stunden bleiben bei der akuten, plötzlich auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns mit neurologischen Ausfällen auf einer Körperhälfte, um das feste Blutgerinnsel - der sogenannte Thrombus - durch eine Lysetherapie aufzulösen. Bei einem Schlaganfall ist Zeit Hirn: "Was in diesen viereinhalb Stunden im Gehirn beschädigt wird, ist unwiederbringlich weg", macht Dr. Wieland K. Schulze, Chefarzt der Inneren Medizin und ärztlicher Direktor des Ameos Klinikums Haldensleben, deutlich.

Doch bevor diese Therapie - von den Ärzten kurz Lyse genannt - erfolgen kann, muss mit Untersuchungen sichergestellt werden, ob es sich tatsächlich um einen ischämischen Schlaganfall aufgrund einer Minderdurchblutung durch einen Gefäßverschluss oder aber um einen hämorrhagischen Infarkt infolge einer Blutung, der anders behandelt wird, handelt. Dafür mussten die Betroffenen bislang nach Magdeburg weiterverlegt werden, da es dort diese Stroke Unit Spezialstation gibt. "Das sind gute 25 Minuten Fahrzeit, die das Behandlungszeitfenster noch weiter verkleinern", so Schulze.

Deshalb soll auch in Haldensleben eine solche Spezialstation aufgebaut werden, um die medizinische Versorgung von Schlaganfall-Patienten zeitnah zu sichern. Ein erster Schritt dazu ist bereits unternommen. "Mittlerweile verfügen wir in unserem Haus über eine Stroke Unit light", berichtet der Chefarzt. Über ein sogenanntes Teledoc-System, eine Art Live-Konferenz per Bildschirm, werden Fachärzte aus Magdeburg bei den Untersuchungen in Haldensleben hinzugezogen. Laut Schulze konnten so bereits drei Patienten vorgestellt und erfolgreich behandelt werden.

"Wir wollen nach der Behandlung so wenig wie möglich von der Krankheit übrig haben."

Dr. Wieland K. Schulze

Als nächster Schritt soll nun eine komplette Stroke Unit in Haldensleben eingerichtet werden. "Wir werden in Kürze fünf Betten für Schlaganfallpatienten vorhalten können", versichert Wieland K. Schulze. Die dafür notwendigen Umbaumaßnahmen seien bereits angelaufen, sagte er. "Was also extern bisher in Magdeburg gelaufen ist, das können wir dann noch besser direkt hier vor Ort leisten."

Sowohl medizinisch als auch baulich sei der Aufbau dieser Spezialstation eine "gewaltige Investition", meint der ärztliche Direktor, ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen. Vom Aufbau her würde die Stroke Unit einer Intensivstation ähneln. "Spezielle Pflegekräfte und Therapeuten, die wir im Normalbetrieb eines Krankenhauses eigentlich nicht benötigen, werden sich dann um die Schlaganfall-Patienten kümmern", setzt Schulze auch auf geschultes Personal.

Denn zur Basistherapie auf einer Stroke Unit gehört in jedem Fall die intensive Frührehabilitation. Hier sind es Pflegekräfte und Physiotherapeuten, die in der täglichen Versorgung die Schlaganfallpatienten nach entsprechenden Konzepten mobilisieren, anleiten und fördern. Bei Bedarf werden zusätzliche Fachkräfte aus der Logopädie und Ergotherapie hinzugezogen. Meist werden Schlaganfallpatienten drei bis fünf Tage auf einer Stroke Unit behandelt, bevor sie auf eine "normale" Station der Neurologie oder Inneren Medizin verlegt werden. "Wir wollen nach der Behandlung so wenig wie möglich von der Krankheit übrig haben", hat sich Schulze als Ziel gesetzt.

Denn die Zahl der Erkrankungen steigt, "und sie verschiebt sich immer mehr in Richtung der Jüngeren", weiß er. Selbst Patienten unter 50 seien keine Seltenheit mehr. Deshalb seien seiner Ansicht nach auch die Prävention und therapeutische Maßnahmen im Vorfeld äußerst wichtig. "Wer die entsprechenden Symptome (siehe Infokasten - Anm. d. Red.) bei sich bemerkt, sollte umgehend seinen Arzt aufsuchen oder auch den Notruf wählen", rät der Mediziner. Zwar würden sich im Schnitt rund 350 Patienten mit dem entsprechenden Krankheitsbild in der Klinik melden, "doch die Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher", vermutet er.

Deshalb verweist er auch auf das 17. Gesundheitsforum des Ameos Klinikums, das sich am kommenden Mittwoch, 13. August, dem Thema Schlaganfall widmet. Ab 17 Uhr spricht Dr. Zeljko Zivcec, seit Juni Chefarzt der Klinik für Neurologie, über die Möglichkeiten der Prävention und wird einen Ausblick geben, wie heute in der neuorganisierten Klinik für Neurologie Schlaganfälle behandelt werden und wie die geplante Stroke Unit die Behandlungsmöglichkeiten verbessern wird.