Wolmirstedt l Für ältere Ohrestädter war es zum Sommerfestival des OK-Live-Ensembles ein Déjà Vu - der Auftritt von Hans-Peter Kamieth. Der heute 60-Jährige war viele Jahre Mitglied des renommierten Zielitzer Kaliensembles. Wenn er beispielsweise auf der Bühne sein legendäres "Schöner Gigolo, armer Gigolo" in betont rockiger Variante sang, schmolzen die Damenherzen und wippten die Herren mit dem Fuß. Auch heute noch spürt man, dass sich Hans-Peter Kamieth auf der Bühne wohl fühlt und es versteht, das Publikum zu begeistern. Und das sind vor allem jene, die die Kreiskulturhaus-Zeiten in Wolmirstedt erlebt haben. Genannt seien Alfred Wiese, Knut Wahala, Christine Maluck oder Theo Lindenberg. Lindenberg war ebenfalls viele Jahre Sänger im Kaliensemble. Der stand auf Schlager, Kamieth war der Rocker. Nach der Wende und dem Aus des Kaliensembles ging man unterschiedliche Wege. Jetzt das Wiedersehen. Alfred Wiese, freute sich, als Kamieth von der Bühne herunterkam und ihn umarmte. "Mensch Alfred, lang ist es her." "Schön", so Theo, "dass ihr hier seid!" Und er erzählte, warum er nach über zwei Jahrzehnten wieder in Wolmirstedt auf der Bühne steht. Kamieth betreibt in Magdeburg eine Fahrschule, seine Liebe zur Musik hatte Sendepause. Dann sei er sehr krank geworden und ins Grübeln gekommen. Kurz vor seinem 60. Geburtstag hat er sich dann den Traum erfüllt und mit seiner Band "Doc Hape-Z" in Magdeburg ein Comeback gefeiert. Auch in Wolmirstedt konnte er nun zeigen, dass er es noch drauf hat. "Der rockt immer noch so wie zu Kulturhaus-Zeiten", schwärmt Knut Wahala, der als Mitglied des OK-Live-Ensembles die Verbindung zu dem "alten Rocker" geknüpft hatte. "Ich freue mich, dass ich hier in Wolmirstedt auf der Bühne stehen darf und in so viele bekannte Gesichter sehe. Die Kulturhaus-Zeiten waren wirklich große Klasse und die Tanzfläche war immer schnell voll. Die Wolmirstedter haben viel und gern gefeiert. Heutzutage kann man die Leute nicht so schnell aus der Reserve locken. Aber Musik machen und auf der Bühne stehen, ist für mich immer noch das Größte. Und wenn der Funke überspringt, ist das Adrenalin pur", sagte Kamieth, bevor er wieder vor das Mikrofon trat und den Lindenberg-Hit "Ich mach mein Ding" sang.

Auch wenn Kamieth nicht mehr der junge Mann von damals ist und sicher auf seine Gesundheit achten muss - auf der Bühne fallen die Jahre von ihm ab - immer noch tänzelt er lässig über die Bretter und röhrt ins Mikro wie damals, als er neben dem Kaliensemble auch in anderen Bands wie "Roulette" muckte. Viele der alten Titel spielt er heute noch, unter anderem den legendären City-Hit "Am Fenster". Ansonsten wagt er sich mit seinen fünf Bandkollegen in den Dschungel der vielen großartigen Songs der 70er und 80er Jahre, wobei er ihnen seinen eigenen Stempel aufdrückt. Doc Hape-Z versteht sich als Rockband und steht nicht für Cover-Mainstream; möchte auch nicht auf "Teufel komm raus" jeden Musikgeschmack treffen. Wobei einer der ersten eigenen Songs "Doctor, Doctor" beim Publikum sehr gut angekommen ist. "Ich war ganz begeistert von dem Auftritt. Wie schön, dass Hans-Peter auf die Bühne zurückgekehrt ist und nichts von seiner Ausstrahlung verloren hat. Bei mir wurden viele Erinnerungen wach. Und ich hoffe sehr, dass wir die Band noch oft hier begrüßen können", so Christine Maluck, Geschäftsführerin des Soziokulturellen Zentrums.