Das Trafohaus in der August-Bebel-Straße wird zu einem besonderen Objekt. Im Auftrag der Stadtwerke Wolmirstedt machen zwei junge Künstler der Firma Strichcode aus Magdeburg die tristen Wände zu einem echten Kunstwerk. Auf 60 Quadratmetern heißen sie die Gäste in der Ohrestadt willkommen.

Wolmirstedt l Seit Dienstag schüttelt Gordon Motsch, mit ihm Thomas Kurz der Firma Strichcode, die Farbdosen, bevor sie gekonnt ansetzen und kunstvoll sprühen. Der 33-Jährige ist seit sechs Jahren freischaffender Fassadenmaler. Und das Trafohaus in der August-Bebel-Straße ist inzwischen die vierte großflächige Arbeit, die er im Auftrag der Stadtwerke gestaltet. Diesmal lautet das Thema: "Willkommen in Wolmirstedt!" Sechs Vorschläge hat der Magdeburger Graffiti-Künstler eingereicht. Entschieden hat man sich in Wolmirstedt für zwei Kinderporträts. Das bedeutet, während auf der Vorderfront des Gebäudes der Schriftzug "Willkommen in Wolmirstedt" stehen wird, sind auf den Wänden rechts und links je ein Porträt eines Mädchens beziehungsweise eines Jungen schon zu erkennen.

Von den Stadtwerken heißt es dazu, dass man mit dieser farbenfrohen Arbeit signalisieren wolle, Wolmirstedt sei eine kinderfreundliche Stadt, hier habe der Nachwuchs eine echte Chance.

Für die Stadtwerke kein Lippenbekenntnis. Denn bereits 2010 haben sie den Mädchen und Jungen der Diesterweg-Grundschule die Entscheidung überlassen, welches Motiv auf das alte Heizhaus auf dem Schulgrundstück gesprüht wird. Dabei galt es nicht weniger als 200 Quadratmeter gekonnt ins Bild zu setzen. Die Schüler hatten sich seinerzeit für farbenprächtige Regenwald-Graffiti mit exotischen Tieren, üppigen Blumen und einem Wasserfall entschieden. Und die Kinder sind noch heute euphorisch, regelrecht begeistert von dem, was dort mit geschickter Hand an die Wand gesprüht wurde.

Wer den Sprayern bei der Arbeit zuschaut, spürt, mit ihrem Talent möchten sie alte und graue Gebäude, an denen die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen ist, verschönern. Gordon Motsch weiß aber auch aus seiner beruflichen Praxis, dass ein Vorschlag, öffentliche Gebäude mit Graffiti besprühen zu lassen, nicht bei allen Menschen gleich auf Euphorie stößt. Der Sprayer, wie er sich selbst bezeichnet, hat sich seit fast 20 Jahren der "Sprühflasche" verschrieben, weiß auch den Grund: " Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht überall Schmierereien an den Häuserwänden. Davon distanzieren wir uns, wir klären auf. Und beim Zeigen der Motive wandeln sich meist eventuelle Vorbehalte oder gar Zweifel gerade bei älteren Menschen recht schnell in Zustimmung um."

Der Magdeburger selbst aber hatte an seiner künstlerischen Berufung nie Zweifel: "Für mich als Jugendlichen stand früh fest, dass die Sprühflasche einmal mein wichtigstes Arbeitsgerät sein wird." Gelernt hat Gordon Motsch den Beruf eines Druckers, danach studierte er Industriedesign an der Fachhochschule Magdeburg. Seine Berufung aber hat er in all den Jahren mit Graffiti gefunden: "Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich sprühen darf."

Und auch, wenn er sich schwer tut, über seine eigene Arbeit zu reden, es ist eine Tatsache, dass der Magdeburger zu den Größten (was bei knapp zwei Meter Körpergröße nicht verwundert) in seinem Fach gehört, er sich als Graffiti-Künstler einen guten Namen gemacht hat: So gehörte er beispielsweise zu dem Künstlerteam, das am Magdeburger Flughafen mit 600 Quadratmetern das größte Graffiti-Kunstwerk in Sachsen-Anhalt geschaffen hat. Zu den großflächigen Arbeiten in jüngster Zeit gehört die Ausgestaltung des Parkhauses im City-Carré und der großen Sporthalle des Otto-von-Guericke-Klinikums. Doch auch in Wolmirstedt kommt man (nicht nur bei den Trafohäusern) an Motsch nicht vorbei: So hat er in der August-Bebel-Straße einen Durchgang gestaltet, trägt die Mauer des BFZ seine Handschrift.

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