Die Preise für die fossilen Energieträger Heizöl und Gas kennen nur eine Richtung. Trotz zwischenzeitlicher Entspannung zeigt der Trend ständig nach oben. Die für Angern angedachte Nahwärmeversorgung könnte die Heizkosten auf längere Sicht planbarer und überschaubarer gestalten.

Angern l Risiken und Chancen der geplanten Nahwärmeversorgung waren Diskussionsthema auf der Gemeinderatssitzung in der vergangenen Woche. Der Gemeinderat hatte im Vorfeld eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Vertreter der damit beauftragten Landgesellschaft Sachsen-Anhalt stellten die Ergebnisse vor. Für das zu errichtende Nahwärmenetz, das mit der Abwärme der Biogasanlage der ortsansässigen Lako Landbau GbR gespeist werden soll, interessieren sich 303 der derzeit 520 potenziellen Abnehmer in Angern. Das hatte eine Befragung im vergangenen Jahr ergeben. Die Autoren der Studie rechneten mit den 303 Abnehmern sowie eine weitere Variante mit 80 Prozent der Haushalte, also 416 Abnehmern.

"Die benötigte Trassenlänge würde etwa 7700 Meter betragen, um die Wärme von der Biogasanlage zu den Abnehmern zu bringen. Die Bauzeit veranschlagen wir mit mindestens einen Jahr", informierten die Vertreter der Land- gesellschaft.

Die beiden Biogas-Anlagen am englischen Berg erzeugen jeweils 500 Kilowatt Strom. 70 Prozent davon fallen als Abwärme an, also 700 Kilowatt Wärmeleistung. Eine geplante Hackschnitzelanlage könnte weitere 1000 Kilowatt Heizleistung erzeugen. Für Heizspitzen, etwa an strengen Frosttagen, ist ein Pufferspeicher vorgesehen.

Zwischen vier und fünf Millionen Euro, abhängig von der Zahl der Abnehmer, beträgt die notwendige Investitionssumme. Bei Einbeziehung von Betriebskosten, Abschreibungen, Kredittilgung und Wärmepreis würde sich ein Preis von 7,2 Cent je Kilowattstunde bei 303 Abnehmern und 6,6 Cent je Kilowattstunde bei 416 Abnehmern ergeben, rechneten die Fachleute vor. Aktuell beträgt der durchschnittliche Gaspreis 7,19 Cent je Kilowattstunde. Angesichts der weiter steigenden Energiepreise sicherlich eine verlockende Alternative.

Doch die Sache hat einen Haken. Die Lako Landbau GbR bekommt nur bis zum Jahr 2026 eine garantierte Einspeisevergütung für ihren erzeugten Strom. Danach gibt es keine Planungssicherheit mehr.

Das vorgestellte Modell rechnet sich nur, wenn die zu bildende Energiegenossenschaft den erzeugten Strom auch selbst vermarkten und eine Eigenversorgung für Angern aufbauen kann. Doch das lässt die kürzlich erfolgte Novellierung des Erneuerbare Energie Gesetzes (EEG) derzeit nicht zu.

"Bis das nicht geklärt ist, kann ich die Umsetzung des Nahwärmekonzeptes nicht empfehlen", sagte Verbandsgemeindebürgermeister Thomas Schmette. Der Gemeinderat einigte sich deshalb darauf, einen Experten damit zu beauftragen, die rechtliche Situation zu prüfen. Da soll möglichst bis zur nächsten Gemeinderatssitzung geschehen.