In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 9: Auf der Spur der Parksünder in Wolmirstedt.

Wolmirstedt l Wenn Cornelia Wippermann durch die Straßen von Wolmirstedt geht, ist sie stets mit einem mobilen Datenerfassungsgerät ausgerüstet. Die Mitarbeiterin im ordungsbehördlichen Außendienst (Politesse) ist viel zu Fuß unterwegs. Ihre Aufgabe: Verstöße wie Falschparken notieren.

Ihr erster Weg führt sie an diesem Tag zum Parkplatz hinter dem Rathaus. Eine Wolmirstedterin, die gerade ihr Auto abgestellt hat, schaut gleich zweimal, ob die Parkscheibe auch wirklich auf dem Armaturenbrett liegt. "Wenn ich sie sehe, bekomme ich gleich ein schlechtes Gewissen", sagt sie im Vorbeigehen und lacht. Für Cornelia Wippermann sind solche Reaktionen auf ihre Anwesenheit keine Seltenheit. "Aber nicht alle Leute sind so freundlich. Viele werden aggressiv, wenn ihnen ein Strafzettel droht."

Der erste Pkw ohne Parkscheibe lässt nicht lange auf sich warten. Die Politesse notiert auf ihrem Gerät das Kennzeichen des Autos und macht damit auch Fotos von mehreren Seiten. "Dann bekommt das Fahrzeug einen orangefarbenen Strafzettel unter die Scheibenwischer geklemmt, der den Halter auf die Vorschriftsmissachtung hinweist", erklärt Cornelia Wippermann. Die erfassten Daten werden anschließend zum Kraftfahrtbundesamt geschickt, um den Fahrzeughalter zu ermitteln. Der erhält daraufhin einen Brief mit dem zu zahlenden Verwarngeld in Höhe von zehn Euro.

Cornelia Wippermann schaut im Vorbeigehen auf die Frontscheiben der parkenden Autos. "Wenn man wie ich seit vier Jahren die Fahrzeuge in der Stadt kontrolliert, dann hat man einen Blick dafür", erklärt die 54-Jährige. Bei einem gelben Käfer entdeckt die Politesse statt einer Parkscheibe eine Parkberechtigung. "Die ist allerdings für eine Straße in Magdeburg ausgestellt, gilt also nicht hier", sagt Wippermann und bringt den nächsten Strafzettel an.

Über die Schlossdomäne führt die Route von Cornelia Wippermann zur Damaschkestraße. "Da parken manche Leute gerne vor der Volksbank im absoluten Halteverbot", sagt sie. Und auch während der einen Stunde, in der die Volksstimme die Politesse begleitet, steht ein Kleintransporter direkt vor dem Bankgebäude. "Jetzt beeile ich mich, den Strafzettel anzubringen", sagt Wippermann. Der Fahrzeughalter könnte jeden Augenblick zurück kommen. "Ich gehe einer Konfrontation lieber aus dem Weg. Die meisten Menschen reagieren sehr unfreundlich auf mich. Beschimpfungen sind in dem Beruf normal", erklärt Wippermann. "Vor ein paar Jahren wollte mich ein Autofahrer sogar einmal umfahren. Ich bin zur Seite in ein Gebüsch gesprungen." Dieses Erlebnis habe die Politesse vorsichtig werden lassen. Nachdem sie das Kennzeichen des Falschparkers erfasst und ein Foto geschossen hat, ist Cornelia Wippermann auch schon wieder auf dem Weg in die nächste Straße.

Auch in der Burgstraße gibt es einen Parkplatz, den Autofahrer für zwei Stunden nutzen können. Als Wippermann schon den nächsten Pkw ohne Parkscheibe ins Visier nimmt, kommt ein junger Mann mit seiner Tochter auf dem Arm herbei gelaufen und bittet um Entschuldigung. Er habe nur kurz etwas holen wollen. Die Politesse drückt ein Auge. "Wenn jemand freundlich ist, dann kann ich das auch mal durchgehen lassen."

Cornelia Wippermann arbeitet schon seit 35 Jahren im öffentlichen Dienst, einmal habe sie selbst auch einen Strafzettel bekommen. "Das ist bestimmt schon 15 Jahre her, da war ich noch nicht in dieser Position. Da habe ich die Zeiten der Straßenkehrmaschine missachtet", erzählt die Politesse. Auf dem Weg in die Farsleber Straße entdeckt Wippermann schon von Weitem einen schwerwiegenden Parkverstoß vor dem Landratsamt. Ein Pkw parkt auf einem der beiden Behindertenparkplätze. "Sowas geht gar nicht. Da greifen wir auch auf jeden Fall durch", sagt Wippermann und tippt das Kennzeichen in ihr Datenerfassungsgerät ein. Für den Fahrzeughalter heißt das: 35 Euro Strafe.

Die danebenstehenden Autos haben alle eine Parkscheibe auf dem Armaturenbrett liegen. In einem der Fahrzeuge liegt hingegen ein handgeschriebener Zettel mit der Aufschrift "11 Uhr". "Sowas lassen wir auch durchgehen. Nicht immer hat man eine Parkscheibe zur Hand", erklärt Cornelia Wippermann. Ihre Tour durch die Straßen Wolmirstedts endet an diesem Tag in der Wohnsiedlung der Samsweger Straße.