Seit zehn Monaten wird am Stadtentwicklungskonzept gearbeitet. Bisher wurde vor allem der Bestand aufgenommen und die Struktur der Stadt analysiert. Konkrete Handlungsempfehlungen gibt es noch nicht.

Wolmirstedt l In Wolmirstedt werden Häuser weggerissen. Drei Zehngeschosser sind gefallen, der lange Fünfer-Block an der Geschwister-Scholl-Straße vor der Leibniz-Schule ist weg. Sein Gegenüber soll im nächsten Jahr fallen. Zusammen mit dem abgerissenen Krankenhaus ergibt sich dann eine riesige freie Fläche. "Bisher gibt es keine Pläne, was damit geschehen soll", sagt Doris Bunk, die im Rathaus für das Stadtentwicklungskonzept verantwortlich ist. Es ist nicht gesagt, dass an der Straße wieder gebaut wird. "Auch eine Allee kann das Stadtbild prägen", sagt sie.

Aus den Analysen der Stadtplaner des Büros Stefan Westermann geht hervor, dass in Zukunft immer weniger Wohnungen gebraucht werden. "Der Wohnungsleerstand wird sich vor allem in den Plattenbauten manifestieren", sagt Doris Bunk.

Dass Plattenbaugebiete bei den Bürgern nicht hoch im Kurs stehen, zeigen auch die Ergebnisse der Bürgerbefragung, die im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes in 565Haushalten durchgeführt wurde. Als besonders unangenehm oder veränderungswürdige Orte nannten die Bürger an dritter Stelle das Wohngebiet "Deutsche Einheit". Die Zehngeschosser landeten erst auf Platz Fünf. Als unschönster Ort wurde übrigens mit Abstand der Banhof eingestuft, an zweiter Stelle der Boulevard.

Doch trotz der Abkehr von Plattenbauwohnungen verzeichnen die Stadtplaner den Trend, dass Menschen nach der "Landflucht" in den 1990er Jahren wieder vermehrt zurück in die Stadt ziehen. "Hier gibt es Schulen, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten", sagt Doris Bunk. Damit ist auch der Bedarf an Wohnraum durchaus vorhanden. Allerdings sollten Wohnungen anders aussehen, als die in den Plattenbauten. "Bäder ohne Fenster und Schlauchküchen sind nicht mehr gefragt", sagt die Rathausmitarbeiterin, "die Leute möchten individuelle Grundrisse. Auch Bauplätze für Eigenheime sind nach wie vor gewünscht." Weiterhin hat wegen der Altersstruktur der Bevölkerung barrierefrei gestalteter Wohnraum Zukunft.

Ob sich das Areal des ehemaligen Krankenhauses dafür eignet, sei noch dahingestellt. "Wir müssen erst ein schalltechnisches Gutachten erstellen lassen und dann schauen, was dort hinpasst", sagt Doris Bunk. Grund für das Schallgutachten ist das anliegende Gebiet zwischen Schwimmbadstraße und Fabrikstraße. Dort hat sich neben der Wohnbebauung national und international agierendes Stahlbau-Gewerbe angesiedelt. Das ist mit Schwerlastverkehr verbunden, der auch über die Schwimmbadstraße führt.

Doris Bunk kann sich vorstellen, dass Studenten das ehemalige Krankenhausgelände im Rahmen eines Projektes überplanen. Noch ist auf diesem 33000 Quadratmeter großen Areal jedoch keine Baufreiheit gegeben. Abbruchmaterial türmt sich auf. Bis der Bauschutt vollständig entfernt ist, können noch Monate ins Land gehen.

Eigentlich sollte dieser mineralische Abfall in die Krater eingearbeitet werden, doch weil das für eine spätere Bebauung hinderlich ist, hat die Abbruchfirma Mutterboden anfahren lassen und darf das Gelände im Gegenzug als Lagerplatz für das zerkleinerte Material nutzen, bis es verkauft ist.

Das Stadtentwicklungskonzept dient als Grundlage für Planungen, aber auch für künftige Förderanträge. "Es zeigt, in welche Gebäude investiert werden muss und von welchen wir uns trennen sollten", sagt Doris Bunk. Das wird eng mit den Wohnungsgesellschaften abgestimmt. Auch die Bürger sind gefragt. Am Sonnabend, 11. Oktober, wird es eine offene Leitbildwerkstatt geben, voraussichtlich in der Diesterweg-Schule.