Die Hohe Börde mit dem Rad entdecken: Diese Einladung nahm die sächsische Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf gern an. Sie sitzt im Bundestagsausschuss für Landwirtschaft und war neugierig auf Effekte und Probleme in Folge der Bundesagrarpolitik.

Niederndodeleben/HoheBörde l Für eine Radpartie durch die Hohe Börde war die Besetzung perfekt. Manfred Behrens als Einladender der Tour ist im Bundestagsausschuss für Verkehr Berichterstatter für Radwege, Katharina Landgraf ist Expertin für Landwirtschaft, ihr Mann ist selbst Landwirt. Sie sitzt für die CDU im Bundestagsausschuss für Landwirtschaft. Sie hatte ihren Sohn Matthias mitgebracht. Die Landgrafs wissen um die Probleme und Herausforderungen des ländlichen Raumes.

Mitten durch das Bördeland führt das Holunderradwegenetz der Hohe Börde über mehr als 100 Kilometer. In Ebendorf startete die Radelgemeinschaft. Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel und Martina Neubauer mit ihren Radelfreunden vom Wellener Sportverein führten den Tross durch die fruchtbare Flur.

In der Gemarkung Niederndodeleben gedeihen nicht nur Qualitätsweizen und Zuckerrüben bestens, auch zwei imposante Biogasanlagen sind in der Nähe zur Landeshauptstadt für 20 Millionen Euro in die Höhe gewachsen. Das örtliche Agrarunternehmen "Agro Bördegrün" ist einer von drei Hauptgesellschaftern der in diesem Jahr fertiggestellten zweiten Biomethananlage, die das hier produzierte "Grüngas" direkt ins Netz einspeist.

"Agro Bördegrün"-Geschäftsführer Ronald Westphal lud seine Gäste zu einer Betriebsbesichtigung und zum Gespräch über Hintergründe und Probleme der Bauern als Land- und Energiewirte ein.

Westphal fordert ein Umdenken im Bund

Die Haltung von 250 Mutterkühen des Unternehmens in Biederitz, Folgekosten und schleppende Schadensregulierungen nach dem Hochwasser 2013 bestimmten das Gespräch. Vor allem aber bereitet Westphal die von der Bundespolitik geänderten Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) Kopfzerbrechen.

"Es kann nicht sein, dass bei unseren Investitionsentscheidungen geltende Gesetzesvorgaben plötzlich gestrichen und so verändert werden, dass die Unternehmen in Not geraten. Wir fordern Vertrauensschutz beim EEG vom Bund, sonst sägt der Bund den Ast ab, auf dem die investierenden Unternehmen sitzen. Sicher sind manchmal Veränderungen möglich, aber es darf keine Rolle rückwärts sein, die die Unternehmen mit erheblichen Investitionen in die Schieflage bringen kann."

Mauritiushaus, Frauenberg und Holunderleckereien

Katharina Landgraf erklärte, das Problem sei ihr bekannt, sie unterstütze das vorgebrachte Anliegen, Teilerfolge seien auch in ihrem Landwirtschaftsausschuss errungen worden. Beide Seiten vereinbarten weitere Kontakte.

Auch mit dem Rathaus Hohe Börde, mit Steffi Trittel als Bürgermeisterin und als Obfrau der Landfrauen der Hohen Börde, möchte der Gast aus dem Landkreis Leipziger Land in Kontakt bleiben.

Auf ihren weiteren Stationen in der Gemeinde besuchte Katharina Landgraf mit ihren radelnden Gastgebern die Niederndodeleber Peter-und-Paul-Kirche und die ökumenische Bildungsstätte Mauritiushaus, wo sie sich ausführlich über das Projekt Kreativ-Scheune informieren ließ. Die Kreativ-Scheune wird derzeit mit Hilfe der EU-Förderstrategie Leader in die alte Scheune auf dem Gemeindehof integriert.

Laut Aussagen von Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel möchte sie eine Kooperation mit der Leader-Aktionsgruppe Leipziger Land, dem Wahlkreis von Katharina Landgraf, aufbauen. Steffi Trittel stammt selbst aus dieser Region, kennt ihre Besonderheiten und sieht viele Anknüpfungspunkte wie beispielsweise die Erschließung des ländlichen Tourismus durch Radwegkonzepte.

Nach anstrengenden und informativen Kilometern auf dem Hollerradweg klang die Radpartie mit Holunderköstlichkeiten im Wellener Backhaus an der "Dorfscheune" aus.