Mit Hausärzten ist Wolmirstedt bestens versorgt. Sagt die Statistik. Die sagt aber auch, dass ein Viertel der praktizierenden Ärzte längst im Rentenalter ist. Hängen diese Ärzte den Kittel für immer an den Nagel, kann das den Versorgungskollaps bedeuten. Eine Arbeitsgruppe soll nun Wege aus dem drohenden Notstand suchen.

Wolmirstedt l Wer in Wolmirstedt einen Hausarzt sucht, kann verzweifeln. Viele Praxen nehmen keine Patienten mehr auf. Die Situation kann demnächst noch dramatischer werden, denn vier der neun praktizierenden Hausärzte sind 70 Jahre und älter, zwei sind zwischen 60 und 64 Jahre alt. Somit bleiben nur noch drei Hausärzte übrig, die das 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Das Durchschnittalter liegt bei knapp 64 Jahren.

FDP-Stadtrat Mark-André Krogel-Riemann brachte dieses Problem in der jüngsten Stadtratssitzung zur Sprache. "Der Stadtrat muss sich mit diesem Thema beschäftigen", forderte er. Außerdem schlug er vor, Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mit ins Boot zu holen. Diese Vereinigung vertritt die Interessen der Ärzte gegenüber den Krankenkassen. Der Stadtrat entschied jedoch, KV-Vertreter erst später hinzuzuziehen.

Beschlossen wurde hingegen, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Bis zum nächsten Stadtrat am Donnerstag, 25.September, solle jede Fraktionen Vertreter benennen, die in dieser Arbeitsgruppe mitwirken. "Weiterhin wäre es vorteilhaft, Hausärzte als Gesprächspartner zu gewinnen", sagt Mark-André Krogel-Riemann. Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU)sieht ebenfalls Handlungs- bedarf. "Das Problem ist in der Verwaltung bekannt", betonte er, "andere Gemeinden bieten finanzielle Anreize für Mediziner. Aber ob das für unsere Stadt zufriedenstellend ist?"

Der Hausärztemangel bedroht nicht nur Womirstedt, sondern ist vor allem im ländlichen Bereich ein flächen- deckendes Problem. Das weiß auch die Kassenärztliche Vereinigung. Deren Bemühen, wenigstens einen Teil des Problems zu lösen, hat gerade einen herben Rückschlag erlitten. Die Erhöhung der Mittel für ambulante Versorgung um zwölf Prozent ist vom Bundessozialgericht vor wenigen Tagen als rechtsungültig abgelehnt worden.

Mit dieser Erhöhung sollte eine Finanzierungslücke geschlossen werden. Diese Lücke gibt es, weil die Krankheitshäufigkeit in Sachsen-Anhalt etwa zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt, die Vergütung der vertragsärztlichen Leistungen der Ärzte jedoch sechs Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die Lücke beträgt also 16 Prozent und bedeutet, dass ein Teil der erbrachten vertragsärztlichen Leistungen nicht vergütet wird. Dabei bleibt es nun nach der Entscheidung des Bundessozialgerichts also weiterhin.

"Damit werden sich die Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung von Vertragsarztpraxen weiter verstärken", wird nun von der Kassenärztlichen Vereinigung befürchtet. Die Wolmirstedter Arbeitsgruppe könnte unter diesen Umständen also als David gegen Goliath kämpfen.

Bei den Fachärzten ist die Situation bisher nicht ganz so prekär. Die Wartezeiten sind zwar ebenso lang, wie bei Hausärzten, aber das Durchschnittsalter der 21 praktizierenden Fachärzte ist geringer. Es liegt bei 55 Jahren. Allerdings haben auch schon sieben von ihnen den 60. Geburtstag vor mehr oder weniger langer Zeit gefeiert. Dennoch gilt Wolmirstedt als bestens versorgt. Der Versorgungsgrad mit elf verschiedenen Facharztgruppen, wie Chirurgen, Augenärzten, Frauenärzten liegt meist bei über 100 Prozent.