Mit viel Leidenschaft hat Familie Kersten das Fachwerkhaus im Breiteweg 149 saniert. Das älteste Haus Barlebens können Neugierige am Tag des Denkmals besichtigen.

Barleben l Ein wenig krumm und schief ziehen sich die Eichen- balken durch die Mauern des Fachwerkhauses im Barleber Breiteweg 149. Und auch die Fenster sind unterschiedlich groß und breit. Doch gerade diese Eigenheiten machen den Charme des 1680 erbauten Hauses aus, findet Eigentümer Mike Kersten. "Das Haus ist mein Hobby. Hier steckt viel Arbeit und Leidenschaft drin."

Mit seiner Frau Marén und den zwei Kindern wohnt Kersten seit 2000 hier. Ein Jahr lang hat er das älteste Haus Bar- lebens denkmalgerecht saniert. "Das Gebäude ist ein Landeseinzelkulturdenkmal", erklärt der Ingenieur die Einzigartigkeit seines Zuhauses. In Bar- leben ist das Haus als "Alte Post" vielen Bürgern bekannt. "Es gibt immer Neugierige, die sich das Fachwerkhaus anschauen wollen", sagt Mike Kersten. Den internationalen Tag des offenen Denkmals am 14.September nimmt der 47-Jährige daher zum Anlass, seine Türen für Besucher zu öffnen, die die 334 Jahre alten Holzbalken des Fachwerkes auch einmal aus der Nähe betrachten wollen. "Wir sind an dem Tag zu Hause und die Leute können gerne klingeln."

Im Jahr 2000 hat Mike Kersten die "halbe Ruine" gekauft. "Es gab damals viele Freunde und Bekannte, die mich für verrückt erklärten", erzählt der gebürtige Nordhausener. Dazu gehörte auch seine Frau, die dem Projekt Denkmalsanierung eher skeptisch gegenüber stand. "Aber mittlerweile liebt sie dieses Haus genauso sehr wie ich. Wir arbeiten an den Wochenenden immer noch daran, es zu verschönern", erklärt Mike Kersten. Dazu gehört auch die Gartenbepflanzung, die zu dem Fachwerkhaus passen soll. Wie die Rosenbüsche, die vor den Hofmauern wachsen. Selbst bei der Einrichtung setzt Kersten auf Details: "Bei uns stehen in den Regalen zum Beispiel alte Messgeräte und ein altes Bügeleisen."

Kaiserliche Familie kehrte in das Gasthaus ein

"Das Haus zu erhalten, hält auch ein Stück Geschichte lebendig", sagt Mike Kersten. Als Gasthof "Vor dem Tore" Ende des 17. Jahrhunderts erbaut, nutzte man es von 1682 an bis 1842 als Postgebäude. In dieser Zeit soll auch die kaiserliche Familie hier übernachtet haben. "Ich weiß nichts Genaues, aber angeblich schenkte die kaiserlichen Familie das Haus einem preußischen Gardesoldaten. Außerdem soll die kaiserliche Familie hier gewohnt haben, wenn sie zur Jagd in die Letzlinger Heide fuhr", erklärt Mike Kersten. Räumlichkeiten und Pferde sollen für den hohen Besuch immer bereit gestanden haben. "Bei weiteren Recherchen habe ich herausgefunden, dass es ein Haus in genau dem gleichen Stil auch in Halberstadt gab. Das wurde ein Jahr später als dieses Fachwerkhaus, 1681, erbaut."

Der Ingenieur streicht mit der Hand über die dicken Holzbalken. "Durch dieses Eichenholz ist das Haus auch heute noch standfest. Eiche ist Hartholz und übersteht, wie man sieht, auch die Jahrhunderte." Das Fachwerkhaus wurde bei der Sanierung sogar angehoben: "Es wurde eine neue Fundamentfläche darunter gebracht, um die Stabilität des Hauses zu erhöhen", erklärt der Barleber.

"Bei der Sanierung haben wir mehr als 30 Container Bauschutt gefüllt. Im Inneren des Hauses haben wir die kaputten Wände entfernt und aus kleinen Räumen große gemacht." Mike Kersten erklärt, wie schwierig die einzelnen Bauphasen waren: "Bei jeder Fenstersanierung brauchten wir eine extra Genehmigung vom Denkmalschutz. Außerdem mussten Form und Farbe mit dem historischen Original übereinstimmen." Die Arbeit sei es aber wert gewesen. "Wenn wir als Familie im Winter vor dem Kamin sitzen, hat das eine besondere Atmosphäre."

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