In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 14: Am Stand vom Gemüsebauern Gerhard Blume.

Wolmirstedt l "Und täglich grüßt das Murmeltier." Mit einem verschmitzten Lächeln zitiert Gerhard Blume, der gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth in vierter Generation einen Gartenbaubetrieb führt, einen Filmklassiker, der über die Jahre zum geflügelten Wort wurde. "Denn in unserem Arbeitsalltag gleicht ein Tag dem anderen", so der 63-jährige Loitscher. "An vier Tagen in der Woche stehen wir in Haldensleben und Wolmirstedt auf dem Markt und verkaufen unser Gemüse, aber auch Obst und Südfrüchte. Am fünften sind wir auf dem Großmarkt und kaufen ein, was nicht auf den eigenen Feldern wächst."

Wobei die Arbeit weder langatmig noch monoton ist, wie Elisabeth Blume ausdrücklich betont, "schließlich wollen wir unsere Waren frisch und bestens aufbereitet an den Kunden bringen. Und wenn ich allein nur die Stammkunden zähle, denke ich, tun wir einen guten und geschmackvollen Job".

Der mittwochs und freitags nicht erst um 7 Uhr mit dem Eintreffen auf dem Boulevard in der Ohrestadt beginnt. "Nachdem wir hier unseren Lkw in der August-Bebel-Straße abgeparkt haben, muss jeder Handgriff sitzen", erläutert Gerhard Blume die wohl wichtigste Stunde am Tag. "Und bei aller Routine, jedes Mal ist aufs Neue volle Konzentration gefragt."

Im Zeitraffer: Zunächst wird der Markthänger abgekoppelt, der später als Verkaufstisch fungiert und in dem alle wichtigen Utensilien untergebracht sind. Ist der Stand aufgebaut, die Strahler montiert und die Waage angeschlossen, kann damit begonnen werden, die Ware auszupacken. Und da kommt einiges zusammen. Letzten Freitag waren es 450 kg Kartoffeln, 150 kg Äpfel und 125 kg Tomaten. Außerdem größere Mengen Weißkohl, Möhren Bohnen, Sellerie ... dies alles aus der eigenen "Produktion".

"Jedes Sortiment wird mit den Strahlern noch gut ausgeleuchtet, damit die Ware besser beim Kunden zur Geltung kommt", verrät Elisabeth Blume. Und noch bevor die beiden Geschäftsleute einen abschließenden Blick auf den Verkaufsstand geworfen haben - der Minutenzeiger der Uhr hat inzwischen eine volle Runde auf dem Zifferblatt gedreht - stehen bereits die ersten Kunden an.

Zu DDR-Zeiten waren Blumes Obst- und Gemüsebauern. Der Großhandel schickte seinerzeit ihnen Fahrzeuge direkt aufs Feld nach Loitsche, um die Ware auf direktem Wege in die Geschäfte zu bringen.

Nach der Wende kam der berufliche Einbruch, musste sich das Familienunternehmen neu orientieren. Hilfe kam 1990 aus Wolmirstedt vom damaligen Bürgermeister. Das bedeutete, seit nunmehr 24 Jahren dürfen die Loitscher ihre Produkte an zwei Tagen auf der Einkaufsstraße verkaufen. "Dennoch war die Wende keine einfache Situation, denn der eigene Anbau musste stetig zurückgefahren werden", erinnert sich Gerhard Blume, "vor allem, weil die Kunden seinerzeit großen Nachholbedarf an den Südfrüchten hatten."

Inzwischen ist das Geschichte, kommen die meisten Waren wieder aus eigener Produktion. Besonders gefragt sind Kartoffeln, die gegenwärtig auf einer Fläche von knapp 15 Hektar angebaut werden.

Aber auch der Kohl, die Zwiebeln und Radieschen sowie Äpfel, Birnen und Pflaumen kommen längst wieder aus Loitsche. Sieben Mitarbeiter gehören heute zur Firma Blume. Vier von ihnen - nämlich Gerhard und Elisabeth Blume sowie Doris Gorsch und Micha Padberg - sind für den Verkauf verantwortlich.