Kartoffeln auspflügen, wie es einst noch Oma und Opa taten, kennt heute kaum noch jemand. Das Wellener Kartoffelfest soll die Tradition bewahren, sorgt aber auch für ein paar Stunden Geselligkeit für Jung und Alt.

Wellen l Kartoffeln gibt es in jedem Supermarkt zu kaufen, fein geputzt und in Säcken verpackt. Die Ernte läuft heute meist maschinell, riesige Erntemaschinen helfen den Landwirten dabei. Anders ist das seit einigen Jahren in Wellen. Hier spannt Bauer Heinz Haenschke immer um den meteorologischen Herbstanfang seine Pferde vor den Pflug, um die Knollen aus der Erde an das Tageslicht zu befördern. Das war nun schon das neunte Mal am Wochenende so.

Wie sich Edeltraud Teetzen von den Wellener Heimatfreunden erinnerte, war das auch die Grundlage für die Entstehung des Wellener Kartoffelfestes. Heinz Haenschke hatte damals die Idee, die bäuerlichen Traditionen von einst weiterzugeben und zu zeigen, wie es früher war beim Auspflügen der Kartoffeln. Die Heimatfreunde stärkten ihm dann den Rücken bei der Umsetzung der Idee. "Und dann haben wir ganz klein mit einem Grillstand an Haenschkes Acker angefangen", blickte Edeltraud Teetzen zurück. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Angebote hinzu, aber auch neue Besucher zeigten stets ihre Neugier.

So war es auch am Sonnabend am Ortsrand von Wellen. Die Wolken schauten zwar bedrohlich vom Himmel drein, aber auch bei der neunten Auflage sollte es trocken bleiben. "Der Himmel meint es gut mit uns", sagte Edeltraud Teetzen gleich bei der Festeröffnung mit einem Blick nach oben. Sie wünschte allen viel Spaß und eine gute Ernte.

Und die konnte sich in diesem Jahr wahrlich sehen lassen, wie Heinz Haenschke bestätigte. Auf seinem Acker hatte er wieder mehrere Reihen Kartoffeln angebaut, einige mit der roten Sorte namens "Lady Red" und einige für die Liebhaber der hellen Kartoffeln mit der Sorte "Belana". "Wir können zufrieden sein mit der Ernte", unterstrich Heinz Haenschke. Obwohl die Kartoffeln unter Krautfäule litten, aber das passiert eben, wenn, wie bei Haenschkes auf dem Acker, nicht gespritzt wird. Von Kraut war aber eh nichts mehr zu sehen, als Max und Fanny mit dem Pflug ihre Bahnen zogen. Obwohl eines der beiden Pferde erst seit dem vergangenen Jahr in Haenschkes Stall steht, haben die beiden ihre Arbeit gut gemacht. "Wichtig ist es, dass man ein Pferd bekommt, das schon mal vor dem Wagen gegangen ist", erklärte Heinz Haenschke eine gar nicht so leichte Aufgabe. Viele Pferde würden heute nur noch zum Reiten genutzt.

Unterdessen folgte ihm ein Tross aus jungen und älteren Kartoffelsammlern, viele waren hier schon bekannte Gesichter. Zumeist den größten Erdäpfeln galt ihre Begierde und so waren auch die Eimer und später die Säcke schnell gefüllt. "Besonders für die Kinder ist das immer ein Spaß", erklärte Edeltraud Teetzen. Auch das Zugucken bereitete ihr Freude.

Doch auch diejenigen, die ihre Arbeit auf dem Acker beendet hatten oder denen es nicht nach Kartoffelaufsuchen war, kamen auf ihre Kosten. "Viele kommen auch, um sich hier zu treffen, zusammenzusitzen und bei Kaffee und Kuchen zu erzählen", so Edeltraud Teetzen. So hatten die Heimatfreunde wieder zahlreiche Kuchen gebacken, aber auch Deftiges rund um die Kartoffel für den Gaumen im Angebot. Da es in den vergangenen Jahren gut ankam, wenn die Kinder im Stroh und im Sand spielen konnten, war auch daran wieder gedacht worden. Knüppelkuchen wurde am Feuer geröstet.

Und nachdem das Fest wieder gut über die Bühne gebracht ist, richten die Wellener Heimatfreunde ihren Blick schon wieder nach vor. Nicht nur auf die zehnte Kartoffelfest im nächsten Jahr, sondern auch auf das Erntedankfest am ersten Oktoberwochenende.

 

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