In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 15: Auf dem Hof des Bauern Joachim Dorendorf in Meitzendorf.

Meitzendorf l "In der Erntezeit zählt jede Stunde", versichert Joachim Dorendorf, "und da wüsste ich nicht, welche besonders hervorgehoben werden sollte. Wenn ich beispielsweise nur an die Getreideernte denke, da fuhren die ersten Fahrzeuge bereits um 6 Uhr vom Hof. Wenn das Wetter mitspielte, wurde die Technik frühestens bei Einbruch der Dunkelheit von den Mitarbeitern wieder abgeparkt, gereinigt und für den nächsten Tag vorbereitet. Dann war es mit absoluter Sicherheit lange nach 22 Uhr."

Der Landwirt, der 1991 nach Meitzendorf kam, um das Familienerbe zu übernehmen, hält plötzlich im Satz inne: "Die Ernte verlustarm einzubringen, das verlangt höchste logistische Meisterschaft. Das bedeutet jedes Mal, dass bereits im Vorfeld exakt ein Plan erarbeitet werden muss, der festschreibt, welche Fahrzeuge, wo, wann und wie eingesetzt werden."

Womit man beim Thema wäre. Wie der gestandene Landwirt aber einräumt, ist auch das nicht in einer Stunde getan, "diese geforderten 60 Minuten aber brauche ich in der Regel, um den Mitarbeitern die Aufgaben zu erläutern, die für die jeweilige Woche anstehen." Die jüngste Beratung fand gestern zwischen 5 und 6 Uhr in der Neuen Bahnhofstraße 6 statt. Bis zum 5. September muss der Winterraps ausgesät sein. Insgesamt wird eine Fläche von 230 Hektar bestellt. "Wir liegen gut in der Zeit", so Landwirt Dorendorf. "Bei diesen Witterungsbedingungen, und der September verspricht schönes Wetter, schaffen wir locker 35 Hektar pro Tag."

Wir, das sind in diesem Fall Michael Plötz und Sebastian Dähne, die mit Traktor, Pflug und Sämaschine den Tag über auf den Feldern unterwegs sind. Damit der Raps (nach fünf Tagen) aufgeht, müssen zwischen 2,4 und 3 Kilogramm Samen pro Hektar oder exakt 45 Körner pro Quadratmeter in gerader Linie eingebracht werden.

Joachim Dorendorf gibt sich zuversichtlich, was die Ernte betrifft. Denn das Jahr 2014 ist auch für ihn erntetechnisch ein ausgesprochen gutes Jahr. So baute er mit seinen vier Mitarbeitern auf 350 Hektar erfolgreich Weizen, auf 150 Hektar Winter- und auf 160 Hektar Winterroggen an und brachte das Getreide fast verlustarm ein. Doch ganz zufrieden wirkt der Landwirt dann doch nicht: "Eine gute Ernte bedeutet Getreide im Überfluss."

Die Folge - die Preise auf dem Weltmarkt fallen. Was für den Verbraucher sicherlich erfreulich ist, schlägt sich beim Produzenten durchaus in roten Zahlen nieder. Bauer Joachim Dorfendorf, der einen 1200 Hektar großen Marktfruchtbetrieb betreibt, ist auch deshalb immer darum bedacht, so effizient wie möglich zu wirtschaften.

Nicht erst jetzt. So ließ er bereits vor vier Jahren auf dem Dach seiner Mehrzweckhalle eine Photovoltaikanlage installieren, um Strom zu sparen. Was sich gerade in diesem Jahr besonders ausgezahlt hat. Denn der Regen in den vergangenen Wochen hat dem Getreide mächtig zugesetzt und musste oft aufwendig in der Halle getrocknet werden.