Über 40 Garagen am Ohrekomplex geht es an den Kragen. Die Mieter werden demnächst ihre Kündigungen erhalten. Mit dem Garagenabriss soll Platz geschaffen werden für die Renaturierung des Ohreufers.

Wolmirstedt l Im Ohrekomplex stehen über 500 Garagen. Viele werden genutzt, aber es gibt auch die anderen, deren Besitzer schon lange nicht mehr vor Ort waren. Vor manchen Garagen wuchert das Unkraut, andere haben längst offene Türen und werden als Müllabladeplatz genutzt. Das bietet keinen schönen Anblick.

Am Ohreufer wurden bereits einige Garagen entfernt, nun sollen die nächsten folgen. Die Nutzer der Garagen mit den Nummern 1 bis 8 und 32 bis 67 werden demnächst ihre Kündigungen erhalten. Hinter den Nummern verbergen sich die Garagen, die gegenüber der ehemaligen Zuckerfabrik stehen und die Garagen, die sich am nördlichen Fuß der bewachsenen alten Müllkippe winden. Mit der Kündigung gehen die Garagen in das Eigentum der Stadt über. Die plant den Abriss, damit ein Teil der Fläche zu einem naturnahen Ohreufer gestaltet werden kann.

Nach dem Abriss soll der Zuweg für Autos versperrt werden. "Garagenbesitzer gelangen dann nicht mehr über die Fabrikstraße, sondern nur noch über die Schwimmbadstraße in den Komplex", sagt Christa Spura, die im Rathaus für Liegenschaften zuständig ist. Damit soll dem Mülltourismus ein Riegel vorgeschoben werden. Der funktioniert derzeit bestens, weil Autofahrer an der Fabrikstraße einfahren, Müll abladen und an der Schwimmbadstraße herausfahren können, oder umgekehrt. Durch eine Sackgassenlösung sollen Mülltouristen besser beobachtbar sein.

Die Garagennutzer haben keine Möglichkeit, sich gegen die Kündigung ihrer Objekte zu wehren. Der Grund und Boden gehört ihnen nicht, der fiel nach der Wende der Stadt zu. Nach dem Schuldrechtsanpassungsgesetz können sowohl Grundstückseigentümer als auch Garageneigentümer das Nutzungsrecht ohne Angabe von Gründen innerhalb von drei Monaten kündigen. Ist die Garage gekündigt, geht sie in das Eigentum des Grund- und Bodenbesitzers über, fällt also in die Hände der Stadt.

Weiterhin ist gesetzlich geregelt, dass Abrisskosten zur Hälfte vom Grundstückseigentümer und zur Hälfte von den ehemaligen Garagenbesitzern zu tragen seien. Um diese Kosten kamen Stadt und Besitzer der bereits abgerissenen Garagen herum, sie wurden von Eon getragen. Der Strom- und Gasanbieter war in der Pflicht, Ausgleichsmaßnahmen zu schaffen. Die fallen immer dann an, wenn durch Baumaßnahmen in Natur und Landschaft eingegriffen wird. Eons Ausgleichsmaßnahme war der Abriss der Garagen, die Entsiegelung und Renaturierung der Flächen.

Der Abriss der nächsten 44 Garagen soll ebenfalls von Eon im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen geregelt werden. Damit würden auch dort weder die Garageneigentümer noch die Stadt zur Kasse gebeten. "Noch sind wir in den Vertragsverhandlungen", sagt Christa Spura. Diesmal soll Eon nicht allein in der Pflicht sein. Auch andere Bauherren in der Ohreniederung müssen Wertersatzmittel bereitstellen, die in den Topf für die Renaturierung des Ohreufers am Garagenkomplex fließen. Das geschieht in Abstimmung mit dem Landkreis. "Abriss und Renaturierung sind somit eine konzertierte Aktion von Stadt, Landkreis und Naturschutz", sagt Christa Spura. Die Rathausmitarbeiterin sagt auch: "Wir bemühen uns im Bedarfsfall, eine andere Garage zu vermitteln. Bisher ist uns das immer gelungen."

Nach dem Abriss der 44 Garagen und der Flächenentsiegelung, wird das Ohreufer vom Naturschutzbund (Nabu) weitergepflegt. Auf einer nabueigenen Fläche am Ohreufer sind schon erste Erfolge zu sehen. Sonnenblumen bieten Vögeln Futter, neue Bäume wachsen, auf der Wiese wird Heu gewendet. Menschen, die den Bundesfreiwilligendienst absolvieren, kümmern sich darum.

Zum Aufgabengebiet des Nabus gehört mittlerweile auch die Pflege der ehemaligen Müllkippe. Somit wird auch deren Pflege nicht aus dem Stadthaushalt bezahlt. "Voraussichtlich wollen wir den Berg erst einmal von Schafen beweiden lassen", sagt Nabu-Vorsitzender Jörg Brämer.

Für die anderen Garagen des Komplexes gibt es derzeit keinerlei Pläne. Die Zukunft dieses Areals ist Bestandteil der Debatte um den Flächennutzungsplan, der zurzeit neu aufgestellt wird. "Primär sind wir an einer ordentlichen Nutzung der Garagen interessiert", sagt Christa Spura.

 

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