Laut einem neuen Veranstaltungskonzept sollen Open-Air-Veranstaltungen und Musikaufführungen in der Kernstadt künftig um 1 Uhr nachts enden. Veranstalter haben bereits signalisiert, dass sie sich in so einem Falle aus Wolmirstedt zurückziehen wollen.

Wolmirstedt l Küchenhorn, Museumsscheune und auch Sportplätze haben sich zunehmend als Veranstaltungsorte etabliert. Was Musik- und Tanzfreunde freut, ärgert viele Anwohner. Deshalb sah sich die Verwaltung gezwungen, ein neues Veranstaltungskonzept vorzulegen. Demnach sollen Veranstaltungen um 23Uhr enden, nur in Ausnahmefällen dürfen sie in der Kernstadt und in den Ortsteilen bis 1 Uhr dauern, in den Außenbereichen bis 4 Uhr.

Die Mitglieder des Hauptausschusses wollten sich mit diesen Vorschlägen jedoch noch nicht anfreunden. Das Konzept soll noch einmal ausführlich diskutiert werden, bevor der Stadtrat darüber abstimmt. Es wird befürchtet, dass Veranstalter und Vereine verschreckt würden.

Zur Kernstadt gehören Veranstaltungsorte wie der Boulevard, der Zentrale Platz und die Schlossdomäne. Als Außenbereich gilt unter anderem die Festwiese Küchenhorn.

In jedem Einwirkgebiet, also in dem Gebiet, in dem der Lärm einer einzelnen Veranstaltung hörbar ist, dürfen maximal zehn solcher Veranstaltungen im Jahr durchgeführt werden. Deren Lärmpegel ist begrenzt.

Ein Beispiel: Bei einer Veranstaltung in der Museumsscheune dürfen innen 100 Dezibel gemessen werden, das entspricht der Lautstärke von Diskomusik oder von Motorsägen. Dort, wo die Wohnbebauung beginnt, also an der Domänenmauer vor der Frisierkunst, dort, dürfen nur noch solche Geräusche gemessen werden, die ein normales Gespräch erzeugt, also 55 Dezibel.

An diese Lärmgrenzen wollen sich Veranstalter halten. Mit den Uhrzeiten haben sie allerdings Probleme. Nach 1 Uhr ist nämlich mit den 100Dezibel innerhalb von Veranstaltungsräumen Schluss. Selbst innerhalb der Museumsscheune dürfen dann nur noch 40Dezibel gemessen werden. Das entspricht der Zimmerlautstärke eines Radios.

"Wenn wir dieses Konzept umsetzen, kann es passieren, dass kein Veranstalter mehr nach Wolmirstedt kommt", befürchtete CDU-Stadtrat Kurt Prilloff im Hauptausschuss, "dann zerstören wir vieles."

Fabian Quartier ist ein Veranstalter. Er hat von der Vorlage erfahren und versteht die Welt nicht mehr. "Wir haben uns immer an die Dezibel-Vorgaben gehalten", sagt er, "aber wenn Veranstaltungen um 1 Uhr enden, wird keiner mehr kommen." Er spielt deshalb mit dem Gedanken, die in Wolmirstedt geplanten Halloween- und eine Neunziger-Jahre-Party nach Barleben zu verlegen.

Es gehört seit vielen Jahren zur Kultur solcher Veranstaltungen, dass die Besucher spät kommen und bis in die Morgenstunden bleiben. Aber es gibt auch die Anwohner, für die der Lärm zu laut ist und zu lange dauert. Klaus Mewes (UWG) plädiert dafür, die Interessenlagen noch einmal genau abzuwägen. "Vielleicht sollten wir das neue Konzept ein Jahr lang testen." Mike Steffens (CDU), selbst Veranstalter von Musikveranstaltungen, bezweifelt, ob die Regelungen so verschärft sein müssen. "Wir sollten uns einen externen Berater holen", schlug er vor, "denn wir haben nichts davon, wenn die Vereine sauer sind und die Veranstalter sich zurückziehen." Sebastian Filipp (Linke) kann sich vorstellen, Veranstaltungen bis 3Uhr zu genehmigen. Die Mitglieder des Hauptausschusses haben aufgrund des hohen Gesprächsbedarfs die Vorlage in die Ausschüsse zurückverwiesen.

Fabian Quartier hofft auf Einsicht. "Es wäre schön, wenn wir die für 2014 und 2015 bereits geplanten Veranstaltungen in Wolmirstedt zu alten Bedingungen durchführen können."