"Schlupfloch, Schmuggel und Schikane - Der Grenzübergang Marienborn". Unter diesem Titel haben die Filmemacher Hans Sparschuh und Rainer Burmeister eine Reportage für das Mitteldeutsche Fernsehen gedreht. Morgen gibt es eine Voraufführung in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn.

Marienborn/Harbke/Zielitz l Roland Schreyer verlebt seine Kindheit und Jugend an der Grenze in Harbke. Er kennt dort jeden Baum und jeden Strauch, auch das Bächlein Wirbke. Schreyer arbeitet als junger Mann auf dem Gelände der Grenzübergangsstelle Marienborn. Für den Elektriker ist dieser hochgesicherte Ort der Arbeitsplatz. Aber nicht lange. Schreyer geht Anfang der 1980er Jahre nach Zielitz. Zu dieser Zeit werden dort schicke neue Wohnungen gebaut. Der junge Familienvater arbeitet im Kalibetrieb. Eines Tages kann Roland Schreyer den Blaumann ablegen und im Lehrlingswohnheim anfangen. Schreyer studiert Pädagogik und wird Erzieher. Aber Ende der 1980er Jahre hält er das Leben in der DDR nicht mehr aus. Er will weg. Mit der Familie.

"Die Gründe waren vielschichtig. Da waren die politischen Verhältnisse. Alles Lug und Trug, das konnte man nicht mehr mitmachen", erklärt er, "ich sah keine Perspektive." Und so nutzt der damals 32-Jährige im Februar 1988 eine Westreise zu einer frei erfundenen Familienfeier, um im Westen zu bleiben. Mit seiner Frau war das alles vorbereitet und abgesprochen. Sie und die zehnjährige Tochter sollen über die Familienzusammenführung nachkommen. Aber das klappt nicht so schnell, wie gehofft. Schreyer plant ihre Flucht. Er will seine kleine Familie und seinen 58-jährigen Vater, der seinen Job bei den Grenztruppen längst verloren hat, aus der DDR rausholen. Über den 800 Meter langen verrohrten Grenzbach Wirbke.

"Ich habe eine Probeflucht gemacht, um zu erkunden, wie es dort aussieht und musste mehrere Gitter in der Kanalisation durchsägen. Eine Woche später war das Treffen mit Frau, Tochter und Vater verabredet." Die Flucht gelingt, das neue Leben kann beginnen. Später wird er darüber das Buch "Akte Kanal" schreiben.

Zuvor aber - als am 9. November 1989 die Grenzen aufgehen - stehen Roland und Monika Schreyer in Helmstedt an der Grenzübergangsstelle und winken den Reisenden aus dem Osten entgegen. "Wir haben Freunde gesehen, die nicht anhalten und aussteigen konnten, weil hinter ihnen alles gedrängelt hat." Unvergessen für ihn und seine Frau ist die Freude von damals.

Daran erinnert er sich gewiss wieder, wenn er am Freitag nach Marienborn kommt, wo in der Gedenkstätte Deutsche Teilung um 17 Uhr vorab die Fernsehreportage "Schlupfloch, Schmuggel und Schikane - Der Grenzübergang Marienborn" gezeigt wird. Ein Film aus der MDR-Reihe "Der Osten - Entdecke wo du lebst". Gedreht haben ihn die Berliner Filmemacher Hans Sparschuh und Rainer Burmeister. Sie haben mit mehreren Zeitzeugen gesprochen. So entstand ein Porträt der größten und bedeutendsten Grenzübergangsstelle der DDR an der A2: die GÜSt Marienborn.

Neben Roland Schreyer kommt im Film auch Marina Prüfer zu Wort. Sie flüchtete einst mit ihrem kleinen Sohn im Kofferraum eines Autos. "Marienborn - das ist für mich ein trauriger Ort", sagt sie, "wo ich gar keine Luft kriege." Auch seltene Filmaufnahmen zeigt die Reportage, darunter wie die Staatssicherheit seine Mitarbeiter schulte, um zu verhindern, dass Menschen in den Westen flüchten. Schicksalsort Marienborn.

Zur Voraufführung der Reportage sind interessierte Bürger eingeladen. Es gibt auch die Gelegenheit zur Diskussion mit den Filmemachern und einigen Zeitzeugen. Die Erstausstrahlung im Fernsehen ist für den 30. September um 20.45 Uhr geplant.