Auf dem Gut Glüsig ist am Sonnabend das Erntedankfest gefeiert worden. Nach der Dankandacht zur Segnung der Erntekrone und der Erntegaben hat es auf dem Hof und dem Kapellenberg ein bunt gemischtes Programm mit vielen Überraschungen gegeben.

Glüsig l Auch die beliebten Feldrundfahrten standen in diesem Jahr wieder auf der Aktivitätenliste.

Das Erntedankfest ist Teil der Aktionswochen zum "Tag der Regionen" vom 26. September bis 12.Oktober gewesen. 2014 lautet das Motto "Aus Liebe zur Region - denken, handeln und genießen".

Gut Glüsig, die idyllisch gelegene Hofanlage am Rand der Magdeburger Börde, erlebte am Sonnabend einen regelrechten Besucheransturm. Hans Kön-ecke, Diplom-Sozialarbeiter und Geschäftsführer des Gutes, und seine Mitstreiter zählten über 800 Gäste, die den Weg nach Ackendorf, Ortsteil Glüsig, gefunden hatten.

Lokale Gewerbetreibende hatten ihre Stände aufgebaut und so ergaben sich für Besucher genügend Möglichkeiten für einen Einkaufsbummel. Für das leibliche Wohl war gesorgt. Die Versorgung mit gegrilltem Fleisch und Würstchen stellte die gutseigene Fleischerei sicher. Biobauer Eberhard Weißkopf aus Altenweddingen bot frisch geerntete Kartoffeln, mit Quark verfeinert, zur Verkostung an. Kaffee und Kuchen waren willkommener Genuss für eine kleine kulinarische als auch musikalische Pause, um beispielsweise den Klängen des Dudelsackspielers Uwe oder des Saxophonduos Helmke zu lauschen.

Für die kleinen Besucher stand eine aus Stroh gefertigte Hüpfburg zur Verfügung. Beim Ponyreiten herrschte ähnlich großer Andrang wie beim Kinderschminken oder Bogenschießen.

Interessenten alter landwirtschaftlicher Technik kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Die Freunde alter Traktoren und Landtechnik Hohendodeleben waren nach Glüsig gereist und stellten anlässlich des Erntedankfestes eindrucksvolles und technisch voll funk- tionsfähiges Gerät vor.

Zu jeder vollen Stunde lud Biobauer Ludwig Schulze Mitfahrer zur Feldrundfahrt auf seinem Traktor ein. Allerlei Wissenswertes zur Börde kam dabei zur Sprache.

Ein positives Fazit zog Hans Könecke nach Abschluss des Erntedankfestes und zollte zugleich den freiwilligen Helfern Lob. "Ein Teil der in das Xenon-Projekt "Übergang Schule - Beruf" eingebundenen jungen Leute hat sich um das Gelingen unseres Festes mit verdient gemacht, geholfen und unterstützt. Auch die Bewohner des Wohnheims St. Klara für seelisch behinderte Menschen haben hier eine tagesstrukturierte Beschäftigung gefunden", erklärte Hans Könecke.

Als durchaus bemerkenswert empfand Könecke, "dass zahlreiche Gäste der romanischen Kapelle St. Anna einen Aufenthalt gewidmet, Kerzen entzündet und die Glocken geläutet haben."

Die Hofanlage, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, wird auch als Ausflugsziel genutzt. Erstmals 1112 wurde die Anlage urkundlich erwähnt. Sie geht auf ein Vorwerk des Zisterzienserinnen-Klosters in Alt-Haldensleben zurück. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde sie wieder aufgebaut, ebenso die nahe gelegene St. Anna-Kapelle, in der die letzte Äbtissin des Konvents (gestorben 1812) bestattet ist. Gut Glüsig wurde, wie das Kloster in Althaldensleben, Anfang des 19. Jahrhunderts Eigentum des Magdeburger Großkaufmanns Johann Gottlob Nathusius. In den Kriegsjahren 1866 und 1870/71 diente es als Lazarett, bevor es zwölf Jahre später in den Besitz der Zuckerfabrik Jenrich, Druckenbrodt und Co. in Ackendorf kam.

1945 bis 1990 war der Hof volkseigenes Gut, das der Caritasverband Magdeburg 1992 übernahm. Er stellte alles auf ökologische Landwirtschaft um und initiierte das soziale "Arbeits- und Wohnprojekt St. Franziskus." 1998 wurde der landwirtschaftliche Betrieb durch den Bau eines eigenen Schlacht- und Verarbeitungshauses ergänzt.

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