Der Zustand des 238 Jahre alten Fachwerkhauses in der Burgstraße ist bedenklich. Die Stadt will prüfen, wie diese Immobilie vor dem Verfall gerettet werden kann. Nutzer ist der Jugendverein "Jugendclub".

Wolmirstedt l Als der Jugendclub vor rund zwei Wochen sein Hoffest gefeiert hat, nutzte Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) die Gelegenheit für einen Rundgang. "Als Eigentümer der Liegenschaft war ich bestürzt über deren Zustand", sagte er.

Die Mängel lastete er ausdrücklich nicht dem Jugendclub an, sondern sah als Hauptursache fehlende Investitionen und mangelhafte Bauausführungen. "Das Dach ist undicht und an der Decke bilden sich große Flecken", benennt der Bürgermeister gravierende Schadstellen, "ein vor drei Jahren eingesetztes Fenster ist nur verschäumt, aber nicht ordentlich verputzt worden." Selbst die Küche, die der Jugendverein selbst angeschafft hat, konnte noch nicht aufgebaut werden. "Der Raum ist dafür noch gar nicht vorbereitet", so Stichnoth, "beispielsweise fehlen die Fliesen."

Für die Werterhaltung der Immobilie sieht Stichnoth in allererster Linie die Stadt in der Pflicht. Möglichst zeitnah, denn die Erhaltung von Immobilien sei eine Pflichtaufgabe. Immobilien gehören zum Vermögen der Stadt und entsprechend ihres Wertes schlagen sie im Haushalt zu Buche. "Der Besuch in der Burgstraße bestärkt mich noch mehr, ein Gebäude- und Liegenschaftsmanagement aufzubauen." Dann wären alle Stadt-Immobilien in einer Hand. Bisher waren die Immobilien in den jeweiligen Ämtern angesiedelt. Durch die zentrale Verwaltung soll sichergestellt werden, dass notwendige Investitionen im Blick bleiben.

Bereits im Juli 2011 hatte Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn im Auftrag der Stadt den Zustand des Gebäudes ermittelt und ein Sanierungskonzept erarbeitet. Schon damals hat er unter anderem die fehlende Dämmung und die schiefe Konstruktion des Daches bemängelt, hat den Zustand der Zimmertüren und Sanitäranlagen so schlecht bewertet, dass alles ausgetauscht werden müsste und auch das Fachwerk ist stellenweise zu erneuern. "Im Grunde müssen an diesem Haus alle Gewerke arbeiten, die bei einem Hausbau vonnöten sind", fasst Erhard Jahn das Ergebnis seiner Untersuchung zusammen.

Die Nutzung des Hauses durch den Jugendclub stellt niemand ernsthaft infrage. "Ich sehe ihn auch in Zukunft in diesem Gebäude", sagt Stichnoth. "Diese Nutzung ist weitaus besser, als wenn das Gebäude leer stehen würde", bestätigt auch Erhard Jahn.

Dennoch: "Im Fachdienst Immobilien und Planung muss herausgefunden werden, ob es sich lohnt, in diese Immobilie zu investieren, oder sie zu verkaufen", sagt der Bürgermeister. Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, dass ein Verkauf schwierig ist. "Ich denke an das ehemalige Torhaus am Lustgraben und die ehemalige Berufsschule", so Stichnoth, "die will auch niemand haben." Auch der Wolmirstedter Bahnhof steht nach wie vor zum Verkauf. Der Kreisdenkmalpfleger ist da optimistischer. "Ich denke, das Haus in der Burgstraße würde nicht ungenutzt dastehen. Ich habe schon Interessenten kennengelernt." Auch wenn Erhard Jahn den Jugendclub gern in dem alten Fachwerkhaus sieht, so würde er den Jugendlichen dennoch ein zweckdienlicheres Haus für ihre Zusammenkünfte wünschen.

Um den immensen Pflegeaufwand zu bewältigen hofft der Bürgermeister auf mehr Unterstützung durch die Eltern der Jugendlichen. "In den Ortsteilen ist das Miteinander stärker ausgeprägt", merkt Stichnoth an. In Farsleben haben Jugendliche, Eltern und Handwerker gerade ein Konzept erarbeitet, in dem der Umbau des Hauses am Sportplatz zum Jugendtreff dargelegt ist. Das Sponsoring der Firmen ist in diesem Konzept fest inte- griert. Auch in Elbeu, wo die Jugendlichen in einem Holzhaus zusammenkommen, schauen Angehörige nach dem Rechten.

Das Fachwerkhaus in der Burgstraße war 1776 vom Amtsvorsteher Johann Friedrich Schröter als Wohnhaus erbaut worden. 1852 kaufte es Georg Rabe, der es später zu einer Gaststätte "Stadt Prag" umfunktionierte.