Zehn Asylbewerber aus afrikanischen Ländern kamen gestern Nachmittag auf Einladung des Haldensleber Partnerschaftsvereins zu ihrer ersten Deutschstunde in die Kulturfabrik. Lehrer im Ruhestand wollen ihnen helfen, sich zurechtzufinden.

Haldensleben l "Ich bin genauso aufgeregt wie bei meiner Lehramtsprüfung", sagt Jutta Helmecke, "ich habe ja sonst nur kleine Kinder unterrichtet, aber es wird schon werden." Die langjährige Lehrerin an der Gebrüder-Alstein-Schule will Asylbewerbern, die in Deutschland Zuflucht suchen, das Zurechtfinden erleichtern. Der Verein für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen hat diesen Sprachkurs organisiert, und Jutta Helmecke stehen weitere Lehrer im Ruhestand zur Seite. Sie hatte gestern ihre neuen Schüler von der Asylbewerberunterkunft abgeholt und war mit ihnen zur Kulturfabrik gegangen. Künftig werden die Männer allein zum Kurs kommen.

Bärbel Ziese, die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, hatte mit Tim Teßmann, dem zuständigen Mitarbeiter im Landratsamt, und dem Leiter der Asylbewerberunterkunft in Haldensleben gesprochen, um einen Deutschkurs vorzubereiten. Die Kulturfabrik stellt dafür einen Raum zur Verfügung, der Verein kümmerte sich um Schreibblöcke, Hefter, Kugelschreiber. Ursula Pflüger hatte für die erste Kursstunde Kaffee und Tee gekocht. Die Französischlehrerin im Ruhestand übernahm es dann auch, die Kursteilnehmer mit dem Vorhaben bekannt zu machen.

"Wir sind Bürger aus Haldensleben, die sich zu Aktivitäten treffen. Was wir tun, ist ehrenamtlich. Und wir möchten Ihnen gern die deutsche Sprache etwas näher bringen, damit Sie sich bei uns in Haldensleben und in Deutschland überhaupt besser zurechtfinden", erklärte Bärbel Ziese. Die zehn Männer aus Eritrea, Guinea-Bissau und Benin sind erst seit wenigen Wochen in Haldensleben. Sie sind direkt von der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt nach Haldensleben gekommen. Um ihrer Kursleiterin den Unterricht zu erleichtern, wurden gestern Namensschilder angefertigt, die jeder bekam. Das übernahm Götz Wahl von der Haldensleber Afrika-Gruppe Tidziwane, der sich ebenfalls weiter engagieren wird.

Bärbel Ziese hat schon weitere Aufgaben für den Verein im Blick. Sie hat gerade mit Ute Lehrmann, der Leiterin der Grundschule "Erich Kästner", gesprochen und gefragt, ob Hilfe gebraucht wird. Auch hier ist Unterstützung willkommen. Die Horterzieherinnen können es bei der Erledigung der Hausaufgaben am Nachmittag nicht schaffen, allen Kindern individuell zu helfen. Da in den vergangenen Monaten auch einige Asylbewerberfamilien zugezogen sind, gehen mehr Kinder in die Kästner-Schule, die noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Ehrenamtliche Hilfe ist daher für alle gut.